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Hartmut Gläsmann: Lieber Sido als Spielchen

Hartmut Gläsmann: Lieber Sido als Spielchen

veröffentlicht am 29.01.2010 um 09:49 Uhr · Köpfe · Artikel

"Ich war", gesteht Hartmut Gläsmann, "schon ein bisschen kribbelig." Verständlich. Schließlich war es auch gewagt, in der Mannheim Oper den Rapper Sido auftreten zu lassen, der mitten in Mozarts Zauberflöte Songs wie "Halt’s Maul" intonierte. Doch das Experiment klappte. Nicht nur die 500 jungen Hörer des Senders bigFM, die vermutlich zum ersten Mal eine Opernaufführung besuchten, waren begeistert. Auch das übliche Publikum klatschte tapfer Beifall. Die Generalintendantin Regula Gerber sagte anschließend, sichtlich angetan: "Das macht Lust auf mehr."

Die Idee, zwei offenbar gegensätzliche Welten zusammenzubringen, stammt maßgeblich von Hartmut Gläsmann, 52, inzwischen Geschäftsführer der Vedak GmbH. Elf Jahre war er Chef von radio NRW und hatte dort einige Male seine Neigung zu ungewöhnlichen Projekten und Entscheidungen bewiesen. Beispielsweise, als er an die Hörer innerhalb von zehn Wochen 45 Peugeots verloste und damit die Telefonleitungen des Senders zum Erliegen brachte. Oder aber, als er im Jahr 2001 die Spotpreise um satte 40 Prozent erhöhte, womit die Senderkette anschließend bequem durch die Krisenjahre schippern konnte.

Dass es dann bei radio NRW 2007 doch zum Zerwürfnis kam, liegt auch daran, dass Gläsmann nicht davor zurückschreckt, heikle Eisen anzupacken. So trat er zeitweise aus dem Vermarkterverbund RMS aus oder ließ die Westkombi platzen. Die Folge war sein Abschied und wenig später mit der Vedak der Schritt in die Selbstständigkeit.

Gespräche mit dem Querdenker Gläsmann sind unterhaltsam, seine Aussagen offenbaren viel Lust an der Provokation. "Ökonomische Überlegungen haben in der Radioszene im Gegensatz zu vielen Vorstellungen, die gelernt sind, noch nie eine Rolle gespielt", sagt der gelernte Industriekaufmann und Wirtschaftswissenschaftler beispielsweise, wohl wissend, dass hier altgediente Radiomanager wieder aufjaulen. Andererseits lobt er das Potenzial der Szene. "Die haben dort wahnsinnig viele kreative Mitarbeiter, die mit Hippel-Hoppel-Spielchen wie dem geheimen Geräusch maßlos unterfordert sind." Dann lieber Sido und Mozart. Die Kultur dürfe man schließlich nicht den Öffentlich-Rechtlichen überlassen.

Dass Gläsmann, Vater von fünf Kindern, sämtliche Texte der Zauberflöte auswendig kann, ist aber Zufall. Irgendwann in den 80ern hatte er mal nur zwei Musikkasetten im Auto: eine von BAP, die andere war die Zauberflöte.

DIE IDEE: Radio, so sagen Mediaplaner, ist vor allem Abverkaufsmedium. Diese Vereinfachung ärgerte Hartmut Gläsmann schon immer. Zusammen mit der Agentur Grey entwickelte er die Marke "Kulturschocker", die am vergangenen Sonntag Premiere hatte, und zeigte, wie viel Radio bewegen kann. Zusammen mit dem Sender bigFM gelang es, 500 junge Hörer in die Oper "Zauberflöte" zu bringen, in der der Rapper Sido auftrat.

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