Ingeborg Trampe:
Agentur-Machos: "Diese Männer haben Allmachtsfantasien"
Auch ein #aufschrei: "Gut, dass endlich drüber geschrieben wird. Gerade den alltäglichen Sexismus verdrängen wir oft genug", twitterte Ingeborg "Ibo" Trampe über einen kontrovers diskutierten Artikel von W&V-Autorin Susanne Herrmann. W&V Online hat die erfahrene Werberin und frühere Journalistin über Anmache in Agenturen und Machos in der Branche befragt.
Auch ein #aufschrei: "Gut, dass endlich drüber geschrieben wird. Gerade den alltäglichen Sexismus verdrängen wir oft genug", twitterte Ingeborg "Ibo" Trampe über einen kontrovers diskutierten Artikel von W&V-Autorin Susanne Herrmann. W&V Online hat die erfahrene Werberin und frühere Journalistin über Anmache in Agenturen und Branchen-Machos befragt. Trampe kennt die Szene wie kaum jemand: Sie war Texterin bei Agenturen wie Beithan Heßler, Tostmann und Saatchi, arbeitete in den 90er Jahren für "Horizont" und gehörte zur Geschäftsführung von Y&R. Später verantworte sie sie Unternehmenskommunikation von BBDO Deutschland. Seit 2008 ist Ingeborg Trampe freiberufliche PR-Beraterin. Von ihrem Hamburger Büro aus betreut sie u.a. McCann Erickson.
W&V Online: Ibo, wir lesen jetzt überall von lüsternen oder anzüglichen Politikern. Die Brüderle-Geschichte ist wohl nur die Spitze des Eisbergs. Nach dem, was ich von Kolleginnen höre, sind sexuelle Anspielungen aber auch in der Agenturbranche ein großes Thema. Kannst du das aus deiner Erfahrung bestätigen?
Ingeborg Trampe: Eigentlich war man in der Agenturbranche ständig Anmachen ausgesetzt. Ich habe lange geglaubt, dass sei ein Generationsthema. Aber #Aufschrei zeigt ja jetzt, dass es auch bei der neuen Generation von Männern fröhlich weitergeht. Die Anmachen gingen von plumpen Sprüchen bis zu eindeutigen Angeboten. Ein häufiger Spruch war auch: "So eine nette hübsche Frau wird doch nicht so kritisch nachfragen, das macht doch hässlich"
Warum wehren sich so wenige Frauen? Warum nennen sie keine Namen?
Meine Erfahrungen liegen lange zurück, damals war ich jung und wusste mich nicht richtig zu wehren. Ich fände es komisch, heute, zehn bis 15 Jahre später, einzelne Agenturbosse zu outen. Es geht darum, die Alltäglichkeit von Sexismus zu thematisieren, die auch heute noch existiert.
Was würdest du jungen Kolleginnen raten - wie sollen sie auf Anzüglichkeiten und Übergriffe reagieren?
Heute sind Frauen ja Gott sei Dank selbstbewusster. Auf jeden Fall muss man sich sofort wehren. Wer sich das alleine nicht traut, sollte sich Unterstützung von Kolleginnen suchen.
Was ich an vielen Geschichten, die Umlauf sind, nicht verstehe: Ein männlicher Agenturchef, der einer "Marktpartnerin" oder Kollegin obszöne Mails schickt, macht sich doch zum Affen und riskiert im Extremfall seine bürgerliche Existenz. Ist das ein Kick für Ober-Machos oder können die sich einfach nicht vorstellen, dass ihnen jemand absagt?
Diese Männer leiden unter Realitätsverlust. Sie finden ihr Benehmen angemessen und machen sich gar keine Gedanken um mögliche Konsequenzen. Sie haben Allmachtsfantasien.
Du hast im vergangenen Jahr mit erotischen Blogs für Aufsehen gesorgt. Gab es danach unerwünschte Anmachversuche?
Nein, auf den Blog kamen keine blöden Anmachen. Er flößt Typen eher Respekt ein. Und natürlich ist das auch ein spielerisches Format, da rechnet man auch mit entsprechenden Dialogen und das ist auch okay.