Das Radio wird zur Wunderwaffe gegen Moskitos.
Das Radio wird zur Wunderwaffe gegen Moskitos. © Foto:Screenshot

| | von Conrad Breyer

Cannes 2012: Fünf löwenswerte Hörbeispiele

Zwei Gold- und drei Bronze-Löwen – das ist in der Radio-Kategorie nicht schlecht. Im vergangenen Jahr haben die Deutschen zwar einen Löwen mehr gewonnen; dafür sticht 2012 die Innovationskraft der ausgezeichneten Arbeiten.

Zwar hat die internationale Jury in Cannes nach wie vor mehrheitlich Radio-Spots- und -Kampagnen ausgezeichnet, die traditioneller Machart sind. Immer häufiger aber spielen innovative Ansätze eine Rolle, die das urklassische, alte Medium Radio neu erfinden. Vor allem die Südamerikaner haben sich hier in diesem Jahr hervorgetan; dort sind die Regeln für Radiowerbung auch laxer.

Ein Beispiel dafür ist der Grand Prix (siehe Playlist): Der geht in diesem Jahr an die Agentur Talent nach Sao Paulo. Die Agentur hat eine Arbeit für das in Brasilien populäre Outdoor-Magazin "Go Outside" präsentiert, die - kaum zu glauben - Moskitos vertreibt. Das Ganze funktioniert über einen technischen Trick. Drei Wochen lang hat eine brasilianische Radiostation im Auftrag des Kunden zwischen sechs und acht Uhr abends einen Ton in einer Frequenz ausgestrahlt, den Moskitos nicht ertragen – oder überleben. Offenbar klingen die 15 Kiloherz wie fliegende Libellen, die Moskitos zum Fressen gern haben. Wer also in der Zeit im Freien sein Radio eingeschaltet hat, konnte unbehelligt wandern, spazieren gehen oder einfach ein Picknick machen. Das Radio wird zur Wunderwaffe.

"Wir haben lange darüber diskutiert, ob wir nicht die sehr gute Mercedes-Benz-Kampagne 'Alert Assist' von Net#Work BBDO aus Johannesburg zum Grand Prix küren sollen", sagt Jury-Präsident Rob McLennan, der ECD eben dieser Agentur ist. Das hätte ihm selbst freilich gut gefallen. "Am Ende haben wir uns aber dafür entschieden, etwas Wegweisendes auszuzeichnen. Go Outside nutzt das Medium Radio neu. So etwas gab es noch nie. Und wenn wir ein Zeichen setzen wollen, wo das Medium Radio hin soll und kann, dann ja wohl in Cannes."

Radio-Juror Oscar Meixner.

Radio-Juror Oscar Meixner.

Erfinderisch mit dem Medium gehen in diesem Jahr auch die Deutschen um. Das handwerkliche Niveau aus Deutschland ist schon immer gelobt worden. 2012 kommen einige wunderbare Ideen hinzu, die zeigen, dass auch hiesige Agenturen Radio können. Auch wenn das im Alltag meist ganz anders klingt. So gewinnt Serviceplan mit der Arbeit für die Johanniter Unfall Hilfe gleich zweimal Gold. Bronze geht an Jung von Matt („The Third Eye“ für Mercedes-Benz), DDB Tribal (für Entegas Energiesparspot) und an Ogilvy & Mather, die ihre Arbeit "The Absolute Pitch" für HMTM in Hannover an der Côte d’Azur eingereicht hatten.

Damit verdient sich die Filmproduktion German Wahnsinn Team, Hamburg, zweimal Gold. Studio Funk bekommt in Hamburg und Berlin je einmal Bronze und auch Hastings, die Produktion des deutschen Jurors Oscar Meixner, erzielt Bronze für die Entega-Arbeit.

"Mit dem deutschen Ergebnis bin ich absolut zufrieden", sagt Meixner. Die Beiträge sind emotional und kommen – wie im Fall des Energiesparspots von Entega – im Ausland zum Teil besser an als in Deutschland selbst. Hier und da musste Meixner schon mal erklären, warum ein Spot großartig ist, wie zum Beispiel im Falle Jung von Matt. Die Agentur hatte mit "Third Eye" einen Radiospot vorgelegt, der in der englischen Adaption naturgemäß schwerer zugänglich ist als auf deutsch. Darüber hinaus seien die Ideen einfach innovativ gewesen; und Gutes setzt sich eben durch. "Die Spots bewirken etwas, an die wird man sich noch erinnern. Sie arbeiten mit dem Medium Radio." Das ist die Zukunft!

Die Radio-Löwen wurden am Mittwochabend im Palais des Festivals vergeben – zusammen mit den Press-, Cyber- und Design-Löwen.

PS: Wie Oscar Meixner die Jury-Arbeit erlebt hat, erzählt er in seinem Cannes-Blog.

Cannes 2012: Fünf löwenswerte Hörbeispiele

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