| | von Susanne Herrmann

Deutsche Bank: Kreativwirtschaft als Milliardenmarkt

Wichtiger Wirtschaftsfaktor Kreativität: Deren Wachstumspotenzial hat die Deutsche Bank Research (DBR) im Bericht "Kultur- und Kreativwirtschaft" analysiert. Und attestiert dem Bereich, dass er massiv Umsätze einfahren kann: 2009 sollen es 130 Milliarden Euro gewesen sein. Schon jetzt trägt er mit einer Million Erwerbstätigen 2,6 Prozent (rund 65 Mrd. Euro Wertschöpfung) zum Bruttoinlandsprodukt bei, stärker ist nur die Branche Maschinenbau mit 3 Prozent (rund 75 Mrd. Euro/Statistisches Bundesamt 2008).

Elf Branchen, darunter Werbung, fasst das Statistische Bundesamt unter Kreativwirtschaft zusammen. Diese sind außerordentlich breit gefächert und reichen von Musik und Darstellender Kunst bis zur Softwareprogrammierung. Letztere bringt auch den meisten Umsatz, nämlich rund 28 Milliarden Euro 2009, gefolgt von der Presse (rund 27 Mrd.) und der Werbung mit gut 25 Miliarden Euro Jahresumsatz. Die übrigen Sparten folgen mit Abstand (Design und Buch je ca. 15 Mrd., die übrigen kommerziellen und teilweise kommerziellen wie Rundfunk, Architektur, Film und Musik mit deutlich unter 10 Mrd. Euro, kulturnahe Sparten, die Künste, erwirtschaften unter 5 Mrd. Euro im Jahr).

Während der Anteil der Beschäftigen und die Summe der Umsätze in Design und Software aber weiter steigt, stagniert er in der Werbebranche. "Ohne die dominierende Sparte Software", so die Autoren der Studie, Thomas Dapp und Philipp Ehmer, "wäre die Kreativwirtschaft im letzten Zyklus nur unterdurchschnittlich gewachsen." Der Pro-Kopf-Umsatz ist am höchsten bei Presse, Rundfunk und Buch (mehr als 200.000 Euro pro Jahr), Werbung liegt mit 170.000 Euro auf Platz vier. Nach Beschäftigten stellt die Werbebranche den zweitgrößten Anteil mit knapp 150.000 Erwerbstätigen 2009 (Software/Games: ca. 370.000).

Für die gesamte Kreativwirtschaft zieht die DBR den Schluss, es sei mehr Wachstum möglich, wenn durch Innovationsförderung und Finanzierung die Weichenstellungen erfolgten. Als eines der größten Wachstumshemmnisse identifiziert die Mafo-Abteilung der Bank das "Problem der latenten Unterfinanzierung": "Die vielen innovativen Kleinstbetriebe, die Fördermaßnahmen häufig nicht in Anspruch nehmen können, fallen bei Privatbanken durchs Raster", heißt es in der Untersuchung. Die Betriebe der Werbebranche würden jedoch durchaus häufig fremdfinanziert.

Zur Zukunft bieten die Autoren Dapp und Ehmer einen rosigen Ausblick. "Zwischen 2003 und 2009 wuchs die Kreativwirtschaft jahresdurchschnittlich um 1,9 Prozent; rechnet man das Krisenjahr 2009 heraus, lag die mittlere Wachstumsrate bei 3,1 Prozent", heißt es. "Wir erwarten, dass die Branche bei richtiger politischer Weichenstellung – und ohne neuen Rückfall in eine ähnlich schwere Rezession – bis 2020 um jahresdurchschnittlich rund 2,5 Prozent zulegen könnte. Im Jahr 2020 stünde dann ein Umsatz von etwa 175 Milliarden Euro an."

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