Hat einige Preise abgeräumt, u.a. beim ADC, und drehte für Mercedes-Benz, seinen ersten echten Kunden: Florian Friedrich Dünzen.
Hat einige Preise abgeräumt, u.a. beim ADC, und drehte für Mercedes-Benz, seinen ersten echten Kunden: Florian Friedrich Dünzen. © Foto:privat

| | von Susanne Herrmann

Deutschlands kreative Zukunft: Florian Friedrich Dünzen und der neue Mercedes-Spot

Die Werbebranche sucht dringend Nachwuchs. Hoffnungslos aber ist die Lage der Nation nicht. W&V Online stellt Talente vor, die das Bild der Werbung von morgen mit prägen könnten.

In ersten Teil unserer neuen Serie "Deutschlands kreative Zukunft" lernen Sie Florian Friedrich Dünzen kennen. Der Regiestudent der HFF in München hat mit Hochschul-Spots für den Lada Niva (ohne Kundenauftrag) - die sehen Sie unten - zahlreiche Junior-Preise gewonnen, zuletzt beim deutschen ADC und beim ADC of Europe. Und arbeitet nun bereits für seinen ersten "echten" Kunden mit lauter mächtigen Kalibern der Branche zusammen: Jung von Matt, Markenfilm und Mercedes-Benz. Die gute Nachricht: Werbung macht dem Filmer Freude; Florian Dünzen wird der Branche treu bleiben (dazu unten mehr).

Der Kontakt zu Mercedes kam über den Nachwuchsfilmpreis First Steps zustande, wo Dünzen 2010 den Preis für den besten Werbefilm holte (W&V Online berichtete). Einer der Veranstalter, Anders-Sundt Jensen, der Mercedes-Markenchef, wurde ebenso auf den Regisseur, Autor und Produzenten der Lada-Filme aufmerksam wie Werbejury-Mitglied Florian Beisert von Markenfilm. Beginn einer fruchtbaren Zusammenarbeit, die ab Ende August via Youtube und bei Mercedes-Benz-TV zu sehen ist (hier geht's zum Making of). W&V Online zeigt den Spot für den Mercedes A-Klasse Ecell mit der überraschenden Pointe schon jetzt.

Der Gegensatz zu dem Auto, mit dem für Dünzen seine Werbekarriere begann, könnte größer nicht sein: Mercedes steht für Luxus, der Ecell für technischen Fortschritt. Der Lada Niva dagegen überzeugt mit eben jenen Werten, die der junge Kreative in seinen Spots so genial auf den Punkt bringt: Er ist total robust, wird noch nahezu unverändert so gebaut wie vor 30 Jahren - und kommt mit einfachster Technik buchstäblich überall hin.

Bevor wir Ihnen die Filme zeigen, die der Detailreichtum eint, macht ADC-Vorstandsmitglied Hans-Peter Albrecht Ihnen noch ein bisschen den Mund wässrig: "Die Lada-Filme sind beinah erschreckend perfekt", sagt der Profi. "Das beginnt schon einmal damit, dass er ganz bewusst den Markenkern gesucht und gefunden hat. Russische Unverwüstlichkeit."

Vorhang auf für "Roscosmos I-III".

Das ist, kaum zu glauben, ein reines Hochschulprojekt. Spielfilmstudent Dünzen belegte das Aufbaufach Werbefilm bei Professor Christian Köster an der Hochschule für Fernsehen und Film HFF. "Professor Köster hat keinerlei Berührungsängste zum Werbefilm, ganz im Gegenteil", attestiert ihm Albrecht. Kösters Vorgaben für die Arbeit: Werbung für eine Marke machen, die keine oder besonders schlechte Werbung macht. Und: etwas bislang ungesehenes zu produzieren. Wie kommt man da auf den Lada Niva? "Ich finde Lada sympthisch und so ganz anders als die jetzt so beliebten SUVs", sagt Dünzen und man merkt, seine Haltung spiegelt sich darin wider. Die schlichte Technik führte den jungen Regisseur schnell zum USP des Produkts und zum Thema seiner Spots: "Die Nasa hat für Hunderttausende Dollar einen Kugelschreiber entwickeln lassen, der im Weltraum funktioniert", erzählt er, "Die russische Raumfahrtbehörde Roscosmos hat den Astronauten einfach einen Bleistift mitgegeben."

Diesen Kontrast von Hightech zu Zweckmäßigkeit hat Florian Dünzen auf SUVs und den Niva übertragen. Und so, wie er darüber redet, klingt es so, als sei alles Übrige fast selbstverständlich. Für schöpferische Geister wie ihn ist es wohl genau das. Robustheit lässt sich natürlich optimal darstellen, wenn das Auto einen Raketenstart, eine Kollision mit einem Satelliten, den Wiedereintritt in die Erdatmosphäre aushalten kann.

Zwei Tage Dreh, sechs Monate Postproduktion: zu den Dreharbeiten und zu Florian Friedrich Dünzens Zukunftsplänen S. 2

Deutschlands kreative Zukunft: Florian Friedrich Dünzen und der neue Mercedes-Spot

Artikel bewerten

Vielen Dank, Ihre Bewertung wurde registriert!

Sie können leider nur einmal pro Seite bewerten.

Ihre Bewertung wurde geändert, vielen Dank!

Leserkommentar

Wir freuen uns über Ihre Kommentare.

* Pflichtfeld
** Pflichtfeld, wird nicht veröffentlicht