Personalie | | von Lena Herrmann

Ein Leben zwischen Werbung und Musik: Thjnk holt Torben Otten und Georg Baur

Torben Otten hat einen Jetlag. "Mein Körper denkt, es ist acht Uhr abends", stöhnt er. Dabei ist gerade erst Mittag vorbei. Kein Wunder, dass der Körper des 27-Jährigen verrückt spielt. Gerade kommt der gebürtige Bremer von einer sieben Tage langen Japan-Tournee zurück. Mit seiner Band "De fofftig penns" hat er eine Reihe von Konzerten im Land der aufgehenden Sonne gespielt. Doch Ausruhen ist nicht. Am Abend steht ein Konzert an, am nächsten frühen Morgen gleich der Auftritt in einer Radio-Show. Wenige Stunden später wird Otten dann wieder an seinem Schreibtisch sitzen, der in der Hamburger Agentur Thjnk steht.

Dort arbeitet er gemeinsam mit seinem Partner und besten Freund Georg Baur seit dem Sommer als Creative Director. Gemeinsam gelten sie als eines der Top-Kreativ-Teams der aktuellen Agenturlandschaft. Otten und Baur zählen zu den Textern, nach denen jeder Kreativchef die Fühler ausstreckt. Doch bisher bleiben sie ihrem Chef Armin Jochum treu. Mit dem Kreativ-Vorstand von Thjnk ist die Karriere der beiden Texter eng verbunden. Aktuell hat Jochum die beiden von Jung von Matt/Alster geholt.

Jochum war es auch, der Otten und Baur 2007 nach ihrem Abschluss auf der Texterschmiede überzeugen konnte, zu seinem damaligen Arbeitgeber zu BBDO nach Stuttgart zu wechseln. Otten und der nur wenige Monate ältere Baur, die sich am Anfang alles andere als leiden konnten, hatten damals gerade beschlossen, als Duo weiterzumachen. Das Angebot von Jochum kam da gerade recht. Auch, weil er ihnen anbot, direkt mit ihm zusammenzuarbeiten.

Auch wenn sie Jochum zu Thjnk gefolgt sind - mittlerweile ist dem CD-Team wichtig, auf eigenen Beinen zu stehen und ihr eigenes Ding zu machen. "Armin hat uns entdeckt und er hat uns den Freiraum gegeben, den wir brauchen", sagt Baur. "Aber jetzt sprechen wir lieber über die Dinge, die wir noch gemeinsam vorhaben." Bei Thjnk haben sie jetzt die Möglichkeit, ein Team von fünf bis sieben Leuten um sich herum aufzubauen. Mit ihnen arbeiten sie auf Kunden wie Commerzbank, Ikea oder auch Audi. Der aktuelle Commerzbank-Spot ist ihre erste Arbeit bei ihrem neuen Arbeitgeber. Als schnelle Eingreiftruppe werden sie künftig auch dort aktiv, wo sie gebraucht werden. Beispielsweise in Pitches. "Die vergangenen 100 Tage haben wir ganz schon geschuftet", bestätigt Otten. Doch fehlende Energie ist nicht das Problem der beiden Senkrechtstarter, die spätestens seit dem goldenen Löwen 2011 in Cannes für "Tramp a Benz" nicht nur den Insidern der Branche bekannt sind. 

Ausgleich zum Stress in der Agentur bietet beiden die Musik. Baur, gebürtiger Münchner, hat in seinem Büro ein elektrisches Schlagzeug stehen, nachdem er früher Jazz-Schlagzeug in Big Bands gespielt hat. "Nur nicht zu kommerziell werden" lautete die Angst der Bands, in denen er sich engagierte. Eine Ansage, die er auch aus dem Elternhaus hörte. Sowohl sein Vater als auch seine Mutter waren konsumkritisch eingestellt - um seine Eltern zu schockieren überlegte sich Baur schon früh, in die Werbung zu gehen. Die Rebellion verfehlte zwar ihre Wirkung, aber in der Werbung hat Baur seine große Leidenschaft entdeckt.

Auch Otten hat in der Musik den Gegenpol zu seinem Job gefunden. Der Bremer, der eine italienische Mutter und einen "sehr norddeutschen" Vater hat, hat das Plattdeutsche für sich und seine Musik entdeckt. "De fofftig penns" präsentierte die Songs ausschließlich in plattdeutscher Sprache und hat es so schon zu einiger Bekanntheit gebracht. Seinen Urlaub legt Otten so, dass "De fofftig penns" auf Tour gehen kann. 

Der plattdeutsche Name bedeutet "Die fünfzig Pfennige" und ist eine Anspielung auf den amerikanischen Rapper "50 Cent". "Dialektro" nennt sich die Musik, die Otten mit seinen beiden Kumpels Malte Battefeld und Jakob Köhler, spielt. Aktuell ist das Album "Löppt" auf dem Markt gekommen.

Wer den Facebook-Auftritt der Band verfolgt, der spürt ganz schnell auch Ottens Werber-Gen. Um sich den Video-Dreh von "Löppt" zu finanzieren, sind die drei Jungs einen Deal mit der Teefirma Bünting eingegangen. Die ostfriesische Firma war neu bei Facebook und wollte möglichst schnell viele Freunde bekommen und den Auftritt promoten. Der Deal "De fofftig penns" versprach Aufmerksamkeit vor allem bei der jungen Zielgruppe.

Das Konzept ist aufgegangen. Erst am 15. November ist Bünting dem sozialen Netzwerk beigetreten. Mittlerweile nennt das Unternehmen mehr als 2500 Fans sein eigen.

Seine musikalische Karriere kann Otten nur deshalb pflegen, "weil wir zu zweit sind". Wenn ein Band-Auftritt mit einer Pitchpräsentation zusammenfällt, übernimmt Baur. Im Gegenzug springt er ein, wenn Baur eine Kunstausstellung oder Kunst-Messe besucht - was immer wieder vorkommt. "Es ist einfach schön, mit Freunden zusammenarbeiten zu können", sagt Otten.

Neben dem Job unterhalten die beiden Werber außerdem noch den Blog Frau Kolossa. Hinter dem Namen verbirgt sich "Deutschlands führende Phantasieagentur" und eine Möglichkeit für Otten, Baur und ein paar Freunde aus der Branche, ihre Sicht auf die Kreativlandschaft zu kommunizieren. Nicht immer besonders ernst. Aber oftmals mit viel Einfallsreichtum und Kreativität.

Mehr zur Rolle der beiden Kreativen bei ihrem neuen Arbeitgeber sowie die erste Bilanz nach 100 Tagen Thjnk lesen Sie morgen im Interview mit Karen Heumann in der W&V (EVT: 29. November).

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