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Ein halbes Jahr will Jonathan Schröder das Experiment des FreeFridays durchhalten.
Ein halbes Jahr will Jonathan Schröder das Experiment des FreeFridays durchhalten. © Foto:Jonathan Schröder

Texter-Initiative | | von Anja Janotta

Freelancer-Experiment: "Bucht mich und zahlt, was ihr wollt"

Jonathan Schröder ist freier Texter und Konzepter in Österreich. Mit einem Experiment will er nun herausfinden, was seine Arbeit wert ist: An jedem FreeFriday darf sein Auftraggeber selbst entscheiden, wie viel er für seine Buchung zahlt - jeden Freitag eine andere Agentur oder ein anderes Unternehmen. Seit Januar läuft die Aktion, die zunächst auf ein halbes Jahr befristet ist und die Schröder in einem Blog über seine Erfahrungen begleitet. Schröder hat für Kunden wie McDonald's, Mercedes-Benz und MTV gearbeitet, war sowohl bei Jung von Matt und bei TBWA Wien.

Wie sind Sie auf diese Idee gekommen? Was erhoffen Sie sich davon?

Jonathan Schröder: Mich reizen prinzipiell kleine Internetprojekte. Wenn man sich mit verschiedenen anderen Freelancern unterhält, dann bekommt man sehr unterschiedliches Feedback, wie viel die Kollegen dann verdienen, obwohl beide vergleichbar gleich viel Output liefern.
Also mache ich das zum einen, um zu sehen, wie viel eine Idee an sich wert ist – ohne sie gleich in Zeit zu bemessen. Meine Arbeit wird doch heute nur in den regulären acht Stunden bemessen, nicht aber damit, was schließlich als Konzept oder Idee im Endeffekt dabei rumkommt. Vielleicht bin ich ja im Vergleich effektiver als manch anderer - oder andersrum. So kann ich mich jetzt an einem FreeFriday hinsetzen und so arbeiten, wie ich wirklich möchte. Dann bin ich vielleicht auch schon nach vier Stunden mit meinem Ergebnis hoch zufrieden.
Zum anderen wollte ich sehen, welche Bezahlung mir denn tatsächlich angeboten wird, wenn ich den Agenturen freie Hand lasse. Meine Erfahrung als Freelancer ist ja die, egal welchen Betrag man angibt, der Kunde sagt immer: "Kannst du uns nicht noch ein bisschen entgegen kommen?"

Aber die Aktion dient bestimmt auch als Akquisetool. Wem haben Sie das Modell angeboten?

Es verschafft mir natürlich eine gewisse Bekanntheit. Ich habe mir das Ziel gesetzt, mit FreeFriday für keine Agentur zu arbeiten, für die ich bisher gearbeitet habe. Das habe ich auch bisher ganz gut durchgehalten. Bisher habe ich zehn Dienstleister angeschrieben. Die meisten fanden das so spannend, dass sie auch gleich drauf eingestiegen sind. Einer der Kontakte ist eine Agentur in der Schweiz, mit der ich schon mal Kontakt hatte. Die haben zwar meine Mappe gut gefunden und mir versprochen, sich zu melden, aber da hatte ich nie mehr was gehört. Als ich sie jetzt noch mal angeschrieben habe, haben sie gesagt: Das machen wir jetzt direkt. Das hat gut funktioniert.

Gibt es schon erste Erfahrungswerte?

Nein, die Aktion läuft erst seit Anfang des Jahres. Ein Job ist noch im Testing und der andere vier Tage her – da ist leider noch nichts gekommen. Aber in einem halben Jahr werde ich mehr wissen. Bis zum 24. Juni habe ich mir für das Experiment Zeit gegeben.

In Ihrem begleitenden Blog haben Sie ein interessantes Entlohnungsmodell beschrieben, das an einem dieser Freitage ausgeheckt wurde: Wenn eine Ihrer Ideen von einer Agenturen für einen Pitch genommen wird, bekommen sie anteilig eine höhere Entlohnung.

Das stimmt, ich erhalte Geld, sowohl, wenn die Agentur den Pitch gewinnt und dann noch einmal mehr, wenn die Agentur mit meiner Idee gewinnt. Dann bin ich reich.

Dann können Sie sich auch mehrere Nullrunden am Freitag leisten?

Genauso ist es. Aber ich habe auch wirklich keine besonderen Erwartungen an dieses Experiment. Ich bin wirklich offen.

Was sagen ihre bestehenden Kunden,  die Auftraggeber der anderen vier Tage zu dem Experiment?

Die finden das eigentlich ganz innovativ und ich habe ihnen auch ganz klipp und klar gesagt: Ihr könnt mich nicht buchen, ich arbeite am Freitag nicht für Leute, für die ich sonst arbeite. Was ganz gut ist, sonst würden sie mich buchen und wahrscheinlich nur die Hälfte zahlen.

Das kann ja auch nach hinten losgehen für Ihre Kunden, wenn Sie nach dem Experiment teurer werden und noch kräftig eins auf die bisherigen Preise draufschlagen?

In dem Fall ist es wohl besser, sich neue Kunden zu suchen, die von Anfang an andere Preise zahlen.

Wer sind Ihnen die lieberen Auftraggeber – große oder kleinere Agenturen?

Lieber die kleineren Agenturen. Ich habe ja damals für Jung von Matt gearbeitet und da haben sich viele mit kleinen Agenturen selbstständig gemacht. Mit kleineren Agenturen ist es teilweise ein gemütlicheres Arbeiten als in den Fabriken. Primär mag ich am Freelancer-Dasein auch den Wechsel – also nach der kleinen Agentur gern auch mal wieder ein Großer.

Wie gehen die Agenturen eigentlich mit dieser ungewohnten Freiheit um? Fragt dann nicht doch mal einer verunsichert nach einem Anhaltspunkt, wie viel Honorar Sie sonst nehmen?

Ja, es hat tatsächlich jemand gefragt. Aber dem habe ich gesagt, das verrate ich erst, nachdem er mich bezahlt hat. Sonst ist das Spiel kaputt. Das hat der Kunde dann auch akzeptiert. Natürlich werden auch Interessierte auf meinem Blog keine konkreten Zahlen oder Projekte finden – da können sich die Auftraggeber auf mich verlassen.

Wenn am 24. Juni das Projekt zu Ende geht, wie sieht im Idealfall Ihre Bilanz aus – sollte alles gut gelaufen sein?

Grundsätzlich möchte ich um Erfahrungen reicher sein, möchte im Idealfall auch meine Preise und meine Arbeit selbstbewusster vertreten können. So dass ich nicht immer nach Zeit abrechnen muss, sondern nach Leistung. Daraus verspreche ich mir mehr Spaß an der kreativen Arbeit.

Freelancer-Experiment: "Bucht mich und zahlt, was ihr wollt"

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"Zahlt so viel ihr wollt": Was ein Freelancer erlebte

von Anja Janotta

Jonathan Schröder hat Anfang des Jahres ein Experiment als freier Texter gewagt: Jeden Freitag hat er ein Projekt angenommen, bei dem der Kunde selbst bestimmen durfte, was er bezahlt. Dem Free Friday kann Schröder viel Positives abgewinnen. Vor allem, weil kaum einer die Honorare drücken wollte. "Die Bezahlung war überdurchschnittlich," sagt Schröder gegenüber W&V Online. "Das hätte ich so nicht erwartet." Alle abgerufenen Dienstleistungen wurden bezahlt, auch wenn es manchmal eher kreative Entlohnungswege gab, so beispielsweise bei einem Hotel-Kunden ein Hotelgutschein. 

Im Schnitt habe er einen Stundensatz von 100 Euro erreicht, sagt er. Allerdings müsse man dabei berücksichtigen, dass er oftmals schneller mit einem Projekt fertig geworden sei als veranschlagt. Gleichzeitig müssten auch Leerlaufzeiten eingepreist werden, die mit dem Honorar auch überbrückt werden müssten.

Zehn Aufträge kamen seit Start des Experiments rein, die meisten über die Social Media-Kanäle Schröders, also über Xing oder Facebook. Bis auf einen waren es alles Neukunden. "Die Jobs liefen alle gut," sagt Schröder. "Neben einem TV-Pitch habe ich ein paar Websites betextet, Headlines geschrieben, einen Namen entwickelt."  Bis zum 24. Juni will Schröder seinen Free Friday noch anbieten. Und noch sind laut Buchungstool einige Slots offen. Als Selbstläufer in der Akquise hat sich das Experiment dann offenbar doch nicht erwiesen, auch wenn in einem Fall bereits ein Folgeauftrag gebucht wurde. Das liege offenbar vor allem an der mangelnden Bekanntheit. "Ohne Werbung, keine Aufträge," meint Schröder dazu realistisch. Zeit in Werbung mag er aber nicht stecken, weswegen er auch nach dem 24. Juni das Experiment nicht weiter fortsetzen will.

Dennoch nimmt der Texter, der in Österreich arbeitet, einige positive Learnings mit: Vor allem werde er künftig häufiger Pauschalangebote fürs Texten unterbreiten statt sich nach Stunden bezahlen zu lassen. Durch die Vielfalt der Aufträge habe er außerdem erfahren, auf welchen Text-Bereich er sich künftig spezialisieren will - Texte für Designagenturen.

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