Bashing:
"Karrieristen und Luftpumpen": Sind Werber wirklich so schlimm?
Werber kritisieren Werber: Ein Volk von Karrieristen und Schaumschlägern seien die Werber, meint der Kolle-Rebbe-Kreative Sascha Hanke. Werber haben keinen blassen Schimmer, findet Media-Instanz Thomas Koch. Dazu kommen die verbalen Rundumschläge von Amir Kassaei. Sind die Werber denn wirklich so schlimm?
"Die Agenturen sind voller Karrieristen, genialer Schaumschläger, monströser Luftpumpen und auch Leute, die nichts können, außer sich im Schein anderer zu sonnen und auf deren Kosten die Karriereleiter hochzustapfen", sagt der Kolle-Rebbe-Kreative Sascha Hanke in der neuen Ausgabe des Magazins "Business Punk". Der "Asshole-Faktor" in der Branche sei relativ hoch.
Und damit nicht genug: Die immer zahlreicher werdenden Award-Shows nennt Hanke einen "Mount Everest der Wichserei" und einen "K2 der Selbstbeweihräucherung" (Hanke war in diesem Sommer übrigens selber Juror in Cannes).
Mit dem Eigen-Bashing liegt Hanke voll im Trend. Erst vor drei Wochen bescheinigte Agenturgründer und Media-Urgestein Thomas Koch den Werbern, dass sie "keinen blassen Schimmer haben". Koch beklagte eine 80-prozentige Kampagnen-Floprate: "Wäre ich Kunde, ich würde durchdrehen."
Zuvor hatte man sich ja schon längst an die regelmäßigen verbalen Rundumschläge des weltweiten DDB-Kreativchefs Amir Kassaei gewöhnt, der im vergangenen Herbst zur neuen Media-Markt-Kampagne gemeint hatte: "Es gibt Momente, da schäme ich mich zutiefst, ein Werber zu sein." Vor drei Wochen hat Kassaei dann die Vermutung geäußert, in der Miami Ad School würde dem Nachwuchs beigebracht, "Zombiekreationen sehr schnell zu produzieren."
Dass Nestbeschmutzung ein durchaus geeignetes Mittel ist, sich selbst zu profilieren, ist bekannt. Doch manch einem in der Branche wird es mittlerweile entschieden zu bunt. Etwa Hubertus von Lobenstein, dem Mitinhaber der Agentur Aimaq von Lobenstein. Er schrieb Thomas Koch nun in einem offenen Brief: "Werber-Bashing liest sich flott, klingt gut, liegt im Trend und bringt jede Menge Unterstützer-Likes."
Das ändere aber nichts an der Feststellung: "Es gibt sie, die guten Agenturen; die guten, weil erfolgreichen Kampagnen; die 'guten' Werber. Und die haben weder das derzeit in Mode gekommene, undifferenzierte Werber-Bashing und das Bedienen der alten Klischees, noch den nicht minder undifferenzierten Applaus dafür aus meiner Sicht verdient. Es gibt nicht 'die Werber', genauso wenig, wie es 'den Kunden' gibt. Pauschale und dann noch öffentliche (Selbst-) Geißelung ändert nichts daran."