"Nirgendwo wird so gerne gelogen wie beim Thema Nachwuchs in Agenturen"
Armin Jochum, Vorstand und Kreativchef von Jung von Matt, kritisiert den Umgang mit jungen Talenten in der Branche. Im zweiten Teil unseres Interviews mit W&V Online erklärt er, warum Nachwuchsförderung eine Führungsaufgabe ist.
Jetzt also auch der Grand Clio für das WWF-Format. Jung von Matt sammelt munter weiter Preise für diese Idee. Am Dienstag sichert sich die Agentur die nächste Trophäe, nach dem Grand Prix des ADC. "Es gehört zur DNA von Jung von Matt, sehr kreativ zu sein", sagt Armin Jochum, Vorstand und Kreativchef von Jung von Matt. Entsprechend hoch sind die Erwartungen an die jungen Talente in der Agentur. Als Gegenleistung erhalten sie viel Förderung und "Chancen". Im zweiten Teil unseres Interview gibt Armin Jochum Einblicke in die Nachwuchsarbeit der Kreativschmiede und er erklärt, warum die Förderung von Talenten eine Führungsaufgabe ist.
Der Nachwuchs ist in diesem Jahr von der ADC-Jury sehr gelobt worden, die von einem "phantastischen Jahrgang" sprach. Wie wichtig ist die Nachwuchsarbeit bei Jung von Matt?
Nirgendwo wird so gerne gelogen wie beim Thema Nachwuchs in Agenturen. Die meisten machen jedoch gar nichts und bejammern nur den schlechten Zustand der Ausbildung in den Schulen. Wenn Se wirklich wollen, dass der Nachwuchs über sich hinauswächst und Talente sich entfalten, dann müssen Sie persönlich sehr viel dafür tun. Sie müssen Geld, Aufmerksamkeit und viel Zeit investieren. Das ist eine Führungsaufgabe. Sie müssen selber den Antrieb haben, diesen Talenten alles beizubringen, was Sie selbst wissen. Dann werden Sie nicht enttäuscht.
Wie funktioniert das bei Jung von Matt?
Wir arbeiten eng mit verschiedenen Hochschulen wie der Texterschmiede, der Miami Ad School und der Bergh School in Stockholm zusammen, wo wir auch lehrend tätig sind. Gerade die Bergh School halte ich für richtungsweisend. Wir wollen, dass die Studenten wachsen können. Deshalb geben wir ihnen viel Zeit, damit jeder für sich selbst erkennt, wie er aus seinem Talent noch mehr machen kann.
Und in der Agentur?
Die Leute, die von diesen Schulen kommen, sind hervorragend. Aber man darf nicht erwarten, dass sie schon alles können. Sie brauchen Chancen. Für die Talente in der Agentur entwickeln wir deshalb einen strategischen Karriereplan und bieten ihnen nationale und internationale Fördermöglichkeiten, wie Junior ADC Seminare oder internationale Digital Camps. Zudem haben wir ein intensives, internes Weiterbildungs-und Coachingprogramm, das wir ständig weiter ausbauen. Außerdem ist bei allen großen Kampagnenentwicklungen immer ein Junior-Team an Bord. Mal, um zu lernen, mal um den erfahrenen Top-Kreativen zu zeigen, wo der Hammer hängt. Wenn Sie die richtigen Anreize bieten, wachsen junge Talente über sich hinaus.
Was lernen Sie von den jungen Kreativen?
Mir macht die Zusammenarbeit große Freude. Sie hält mich selber frisch und wach- denn der Nachwuchs bringt heute ein wunderbar respektloses Verständnis von Kommunikation und großes Selbstbewusstsein mit. Das gefällt mir.
Wie lässt sich Kreativität erlernen? Wieviel ist Talent?
20 Prozent sind Talent und 80 Prozent Fleiß. Und sie brauchen den unbedingten Willen, etwas erreichen zu wollen. Dazu gehört auch in den ersten ein bis zwei Jahren ein "Dauerbiwak" in der Agentur.
War das bei Ihnen genauso?
Meine eigene Karrieregeschichte ist ein Märchen. Ich hatte großartige Chefs, war immer hervorragend aufgehoben. Es ist ganz wichtig, in welche Hände man sich begibt.