| | von Peter Hammer

Raus aus der Schublade: Abgelehnte Pitch-Ideen wandern ins Web

Wie lassen sich all die Ideen und Konzepte noch vermarkten, die für Wettbewerbspräsentationen entstanden sind, aber am Ende nicht genommen wurden? Wie kann man das oft mühsam erarbeitete Wissen doch noch verwerten? Und wie finden Marketer auf Kundenseite Agenturen, die schon Wissen aus der Branche mitbringen? Auf diese Fragen will Boris Dolkhani eine Antwort gefunden haben: Der Ex-Gründer und Kreativchef der Münchner Agentur Feuer Kommunikation hat die Plattform Unseenideas.com gestartet, die bislang unveröffentlichte Arbeiten, Konzepte, Ideen oder Kampagnen weiteren potenziellen Interessenten zugänglich machen will.

Sechs Monate dauerte es, bis die Programmierung beendet war und auch die Investoren für das Projekt gefunden waren. Ein Animationsfilm erklärt, wie die Plattform funktioniert, die später auch auf andere Kreativbereiche wie Architektur, Industriedesign oder Literatur ausgeweitet werden soll.

Erste Arbeiten und Testimonials sollen Agenturen ermutigen, Content bereit zu stellen. Schließlich geht das Konzept nur auf, wenn genügend Agenturen mitmachen. Die Plattform - die in den nächsten sechs Monaten kostenlos ist, später finanziert sie sich über ein Abo-Modell - versteht sich dabei primär als Vermittler von Kontakten. Was daraus wird, obliegt einzig den Beteiligten. Agenturen stellen daher zunächst als "Appetizer" erste Informationen über ihr Projekt und die kreative Lösung zur Verfügung. Bei den gezeigten Ideen und Konzepten handele es sich nur um "Bikini"- Schönheiten, besänftigt Dolkhani Kritiker. Er weiß, dass seine Plattform polarisiert. Wenn es ans Eingemachte geht, müssen sich Agentur und Werbungtreibender kurzschließen. Dann ist Dolkhani aus dem Spiel.

Agenturbosse befürchten jedoch Ideenklau, so auch Michael Koch, Kreativchef bei der GKK Dialog Group in Frankfurt. "Da wir nur an bezahlten Pitches teilnehmen, ist die Arbeit zwar nicht veröffentlicht und geistiges Eigentum der Agentur, aber dennoch bezahlt worden." Auch Frank Merkel, Chef der Viernheimer B-to-B-Agentur Wob ist skeptisch: "Der Nutzen für die Agenturen ist ja ganz nett. Aber in der Realität wird es zu noch mehr Ideenklau von allen Seiten führen." Als Chance für Agenturen sieht den Dienst dagegen ADC-Vorstand Hans-Peter Albrecht. Weitere Meinungen aus der Branche lesen Sie in der Bildergalerie.

Die Vorstellung, ohne großen bürokratischen Aufwand doch einen Abnehmer für eine Idee, ein Konzept zu finden, ist verlockend. Solange Agenturen riesige Summen in schlecht oder gar nicht bezahlte Pitches investieren, ist der Frust bei den Kreativen nachvollziehbar, wenn Konzepte in der Schublade alt werden. Und wenn es um Neugeschäft geht, nützen die Werber sowieso jede Chance. Sehen Sie das genauso? Was halten Sie von der Plattform? Geht das Konzept auf? Diskutieren Sie mit auf www.facebook.de/wuv. Mehr zum Thema lesen Sie in der Werben & Verkaufen Nr. 21.

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