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Statt eines Unternehmensauftritts erscheint unter der Internetadresse von Fitness SF jetzt ein Protestbrief.
Statt eines Unternehmensauftritts erscheint unter der Internetadresse von Fitness SF jetzt ein Protestbrief. © Foto:Screenshot

Protestaktion | | von Markus Weber

Unbezahlte Rechnungen: Designer kapert Kunden-Website

Wegen angeblich unbezahlter Rechnungen hat der deutsche Web-Designer und Postproduction-Spezialist Frank Jonen die Website einer US-Fitnessstudio-Kette gekapert und vom Netz genommen. Statt auf den Web-Auftritt gelangt man über die URL http://fitnesssf.com jetzt auf ein Protestschreiben des Deutschen. In dem Brief adressiert er die Fitness-SF-Kunden direkt, schildert die Hintergründe, bittet um Verständnis und Solidarität sowie darum, die damit verbundenen Unannehmlichkeiten zu entschuldigen.

Nach Jonens Angaben hat der Designer die Arbeitskraft eines halben Jahres in den Auftritt der Kette  gesteckt. Er schreibe auch im Namen der zehntausenden von Freelancern und Klein-Agenturen, deren Rechnungen - oft von weit größeren Auftraggebern - ebenfalls häufig unbezahlt blieben. Die Fitnesskette, die im Raum San Francisco über mehrere Studios verfügt, bestreitet nach Angaben des Marketing-Blogs "The Wall", dem Deutschen Geld zu schulden. Im Gegenteil: Jonen sei zwar bezahlt worden, habe aber nie geliefert.

Unbezahlte Rechnungen: Designer kapert Kunden-Website

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Frank Jonen vs. Fitness SF: So reagiert das US-Unternehmen

von Markus Weber

In dem Aufsehen erregenden Fall um die von dem deutschen Web-Designer Frank Jonen vom Netz genommene Website einer US-Fitnesskette hat sich das angegriffene Unternehmen jetzt detailliert geäußert. Fitness SF bestreitet vehement, dem Freelancer aus Deutschland Geld zu schulden. In einem gegenüber dem US-Branchenblatt "Adweek" abgegebenen Erklärung des Unternehmens heißt es wörtlich:

"Am Mittwochabend hat eine Person namens Frank Jonen unsere Fitness-SF-Domain gehackt und sich des Domain-Namens bemächtigt. Wir hatten Frank am 16. Mai 2012 damit beauftragt, eine funktionsfähige Website für unsere Marke zu entwickeln. Am selben Tag haben wir ihm 5.000 US-Dollar bezahlt. In seinem Angebot schrieb er, dass er für diesen Auftrag zehn Wochen benötige. Seither hat er zahlreiche Deadlines verstreichen lassen - unter anderem zu unserem Brand-Launch im September. Im Dezember übergab er die unfertige und nicht funktionierende Website dann freiwillig an unsere neue Designagentur. Nun versucht er, sich selbst als Opfer darzustellen, obgleich in Wirklichkeit Fitness SF das Opfer ist, da Jonen versucht, Geld zu bekommen für eine Arbeit, die er gar nicht fertiggestellt hat - und sich nun dafür entschieden hat, uns zu erpressen."

Um den Fall Jonen ist im Netz eine kontrovers geführte Debatte entbrannt. Während viele Sympathisanten Verständnis für Jonens "mutige" Aktion äußern, sprechen andere von einem Fall verbotener Selbstjustiz und einem Eigentor des Designers. Ausführlich bloggt unter anderem Andreas Frank von Pixeltalk über das Thema.

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Freelancer: Was zu tun ist, wenn der Auftraggeber nicht zahlt

von Markus Weber

Vor einer Woche hat der Fall Frank Jonen branchenweit Schlagzeilen gemacht: Der Webdesigner hatte die Website seines Auftraggebers Fitness SF wegen angeblich nicht bezahlter Rechnungen einfach vom Netz genommen. "Verbotene Selbstjustiz", ein klassisches "Eigentor" des Freelancers - lauteten daraufhin etliche der Kommentare. Aber es gibt tatsächlich Fälle, in denen diese außergewöhnliche Maßnahme erlaubt ist - jedoch nicht, wenn die Domain wirklich dem Auftraggeber gehört. W&V Online hat bei dem Münchner Rechtsanwalt Florian Steiner (Kanzlei Schotthöfer & Steiner) nachgefragt, wie sich Freelancer - aber auch Auftraggeber - in solchen Situationen verhalten sollen, und wie man Streit am besten ganz aus dem Weg gehen kann.

"Der Webdesigner darf seine Leistung grundsätzlich nicht zurückbehalten, da er vorleistungspflichtig ist und der Werklohn erst mit Abnahme fällig wird. Dies ist anders zu beurteilen, wenn eine so genannte Teilleistung vorliegt, für die eine Abschlagsforderung verlangt wird. In diesem Fall steht dem Webdesigner ein Zurückbehaltungsrecht zu bis die Abschlagsforderung bezahlt wird (er kann dann die Webseite vom Netz nehmen). Die alte Webseite - sofern vorhanden - sollte dann aufgrund eines Backups wieder online gebracht werden können. Gehört die Domain allerdings dem Auftraggeber, darf sie weder umgeschrieben noch blockiert werden. Die Nutzungsrechte an Texten und Bildern auf der Webseite des Unternehmers können dazu urheberrechtlich geschützt sein und dürfen daher nicht gelöscht werden oder als Druckmittel verwendet werden. Vor der Ausübung eines Zurückbehaltungsrechts müssen die Voraussetzungen genauestens geprüft werden (Haftungsgefahr).

Da der Begriff der Teilleistung (s.o.) nicht mit hinreichender Klarheit bestimmt werden kann, das Vorliegen oder Nichtvorliegen einer solchen jedoch eine enorme Auswirkung hat, sollte eine klare vertragliche Vereinbarung getroffen werden, dass nach Erreichen von bestimmten Zielen ein Betrag X gefordert werden kann (d.h.: Leistungsstufen festlegen).

Allgemein gilt:

- Die vereinbarte Vergütung sollte schriftlich mit Zustellungsnachweis (z.B. Einschreiben mit Rückschein) angemahnt werden. Voraussetzung hierfür ist, dass eine Abnahme der Leistung erfolgt ist.

- Sollte nach der Mahnung und der gesetzten, angemessenen Frist keine Zahlung eingegangen sein, dann kann Schadenersatz gefordert werden und auch die Verzugskosten (z.B. Anwaltskosten, Zinsen...) wären dann vom Vertragspartner zu ersetzen.

- Sollte der Webdesigner seinerseits nicht pünktlich liefern, sollte der Auftraggeber ihm eine Nachfrist setzen. Der Zugang des Schreibens sollte nachweisbar sein. Liefert er dann nicht, kann der Auftraggeber einen anderen Designer beauftragen. Die möglicherweise entstehenden Mehrkosten müsste dann der Webdesigner tragen."

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Fitness SF und Frank Jonen einigen sich

von Markus Weber

Der deutsche Web-Designer und Postproduction-Spezialist Frank Jonen und der US-Fitnessstudio-Betreiber Fitness SF haben sich im Streit um angeblich unbezahlte Rechnungen überraschend geeinigt. Der Fall hatte vor einem Monat für internationale Schlagzeilen gesorgt, nachdem Jonen die Website der Fitnesskette vom Netz genommen und über die Domain stattdessen einen Protestbrief veröffentlicht hatte. In einer gemeinsam veröffentlichten Erklärung heißt es nun, man habe "alle Streitigkeiten einvernehmlich und zur gegenseitigen Zufriedenheit gelöst. Fitness SF und Herr Jonen bedauern die entstandenen Unannehmlichkeiten für Fitness-SF-Mitglieder und freuen sich, dass die Unterbrechung des Internetservices schnell behoben wurde." Über den Inhalt der Einigung oder die Summe, die Jonen von seinem Auftraggeber erhalten hat, ist nichts bekannt.

Vom Internetdienst "Social Times" danach gefragt, ob es - im Nachhinein betrachtet - richtig war, den Protestbrief zu veröffentlichen, sagte Jonen: "Ich weiß nicht." Jedenfalls habe er eine Diskussion darüber angestoßen, wie Freelancer von ihren Auftraggebern behandelt werden: "Ich habe viel Solidarität dafür erfahren, dass ich mich - deutlich nach außen sichtbar - für dieses Anliegen eingesetzt habe, sogar von früheren Auftraggebern."

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