Employer Branding ist nach wie vor in aller Munde. Schlagwort, Hype, Notwendigkeit und Umsatzchance. Tausend Mal und mehr beschrieben und kommentiert.
Es ist schon erstaunlich, wie der so völlig unerwartet auftauchende Mangel an qualifizierten Mitarbeitern plötzlich durch alle Köpfe, Firmen und Medien geistert. Kongresse, Seminare, Websites, Marktforschung und Studien, Konzepte und Beratungsangebote. Jeder hat Bedarf, jeder bietet etwas an, jeder weiß wie es geht. Eine der führenden Personalberatungsunternehmen bietet ein Konzept mit über ein Dutzend verschiedenen Stufen bzw. Einzelkonzepten an. Ist das Thema wirklich so kompliziert oder lässt sich so am meisten Geld verdienen?
Spannend finde ich die Rollen und Auftritte der Kommunikationsagenturen zu diesem Thema. In zweierlei Hinsicht. Als Anbieter von Dienstleistungen rund um Employer Branding u.ä. und als Arbeitgeber, der seine eigene Dienstleistung nutzen könnte. Es kann der Eindruck entstehen, alle Agenturen können Employer Branding. Denn fast jede Agentur bietet das Thema an. Aber beherrscht sie es auch? Lässt sich eine Arbeitgebermarke wie ein bekannter Markenartikel, ein Premiumfahrzeug, ein Hightech Hersteller beschreiben und authentisch verkaufen?
Für die Agenturen ist das eine nicht lösbare Aufgabe, es sei denn, sie sind hochspezialisierte Beratungsunternehmen. Oder was machen Sie nach einem Markenprozess mit den unverkäuflichen Teilen? Die Braut aufzuhübschen hilft kaum. Spätestens wenn die Hüllen fallen, kommt die Wahrheit ans Licht. Das derzeit laufende Insolvenzverfahren eines Discounters deckt alle Schwierigkeiten und Grenzen schonungslos auf.
Und dann ist da noch die Arbeitgebermarke Agentur. Nicht die Dachmarke. Die zählt hier nicht oder nur bedingt. Jede einzelne Agentur ist gefordert. Was macht mich attraktiv? Was müsste ich ändern, weil es eher abschreckend wirkt? Viele Agenturen sind gefordert, am Kern ihrer Arbeitgebermarke zu arbeiten und Teile zu verändern, bevor sie ans verkaufen denken können. Neben vielen positiven Beispiele wirken viele Selbstinszenierungen von Agenturen (Websites, Anzeigen, Social Media Auftritte, ...) auf mich wie Verkaufsaktionen, bei denen mir Zweifel an der Produktqualität kommen. Und viel ist me too. Fast jeder ist führend, meistert Herausforderungen, denkt strategisch, begeistert durch Kreativität und das alles mit einem jungen, professionellen Team. Der Chef lässt alle Freiräume und klasse Karrierechancen und gute Bezahlung sind so selbstverständlich wie Überstunden.
Einfach ist es nicht und aus dem Ärmel zu schütteln schon gar nicht, was mich als Arbeitgeber unwiderstehlich macht. Der Unterschied, das Besondere, das Authentische oder auch nur das Selbstverständliche. Hier die Kleinagentur im Sauerland, der BtB-Spezialist in München, eine von vielen Kreativagentur in Hamburg, die Fullserviceagentur, das Network, der Spezialist für... Warum soll ich mich gerade bei Ihnen bewerben? Was bieten Sie mir mehr als ein angemessenes Gehalt? Warum soll ich mich gerade für Ihre Agentur engagieren?
Dieser Blog wurde verfasst von:
Hans-Gerhard
Kühn
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