Genau vor einem Jahr hat die Bauer Media Group alle Ausbildungsaktivitäten und Fortbildungsangebote unter dem Dach der Bauer Media Academy zusammengefasst. Neben vier IHK-Ausbildungsberufen, zwei dualen Studiengängen, dem Trainee-Programm sowie den Seminaren, Konferenzen und Workshops für Einsteiger und Medienpartner der Bauer Media KG sind die Journalistenschule und das „Management Development Program“ wichtige neue Bestandteile der Academy. Der HRmarketingblog hat mit Kirsten Oltmer, Ausbildungsleiterin der Bauer Media Academy über die ersten Erfahrungen gesprochen.
Im Januar vergangenen Jahres startete die „Bauer Media Academy“. Können Sieschon ein erstes Resumee ziehen?
Kirsten Oltmer: Die Bauer Media Group kann auf eine jahrzehntelange Erfolgsgeschichte inder Aus- und Weiterbildung zurückblicken. Mit der Einführung der Bauer Media Academy im vergangenen Jahr wurden nicht nur unsere diversen Ausbildungswege unter einem Dach zusammengefasst und weiter verzahnt, sondern auch innovative Aus- und Weiterbildungsprogramme explizit für unseren journalistischen Fach- und Führungskräftenachwuchs integriert. Nach rund einem halben Jahr resümiere ich persönlich diesen Schritt als vollen Erfolg. Die Bündelung der teils stark unterschiedlichen Angebote hat zu einer deutlichen Verschlankung der internen Prozesse und Kommunikationswege sowie zu mehr Transparenz für unsere Mitarbeiter wie auch Bewerber geführt. Alle Beteiligten bringen sich mit großem Interesse ein und zeigen enormes Engagement bei der Weiterverfolgung und -entwicklung dieses Konzepts. Allein diese Tatsache spricht für sich.
In der Bauer Media Academy sind alle Ausbildungsaktivitäten und Fortbildungsangebote zusammengefasst. Können Sie die einzelnen Bereiche kurz skizzieren?
Oltmer: Im kaufmännischen Bereich bilden wir Medienkaufleute Digital & Print sowie Kaufleute für Kurier-, Express- und Postdienstleistungen aus. In Kooperation mit der NORDAKADEMIE in Elmshorn bieten wir zudem zwei duale Studiengänge zum Bachelor of Science in Betriebswirtschaftslehre sowie Wirtschaftsinformatik an. Mit der Ausbildung zum Fachinformatiker für Systemintegration bzw. für Anwendungsentwicklung haben junge Leute seit 2012 darüber hinaus die Möglichkeit, sich auch mit technischem Schwerpunkt in unserem Haus ausbilden zu lassen. Seit Juli 2011 gehört die verlagseigene Journalistenschule zur Bauer Media Academy. Hochschulabsolventen mit wirtschaftlichem Hintergrund, die den Einstieg in die Medienbranche suchen, sind hingegen in unserem Traineeprogramm richtig aufgehoben. Zum Angebot der Bauer Media Academy gehören des Weiteren Fortbildungsangebote – sowohl für kaufmännische als auch redaktionelle Fach- und Führungskräfte - sowie ein allgemeines Bildungsprogramm für unsere Mitarbeiter.
Ein Schwerpunkt ist der Förderung des journalistischen Nachwuchses bzw. der Ausbau der Journalistenschule. Sie planen diesen Bereich noch auszubauen und bieten ab dem zweiten Jahrgang im Juli auch Ausbildungsgänge für Layouter und Fotoredakteure an?
Oltmer: Ja, das ist richtig. Wir sind im Juli vergangenen Jahres zunächst mit 20 angehenden Textredakteuren in den ersten Jahrgang unserer Schule gestartet. Ab dem Jahrgang 2012 bieten wir neben dem Schwerpunkt Text zusätzliche Plätze im Bereich Layout und Foto an. Angehende Layouter und Fotoredakteure lernen bei uns das journalistische Basiswissen – auch sie müssen bei ihrer täglichen Arbeit in der Redaktion journalistisch denken können. Sie setzen sich in den Redaktionen mit den Texten, die sie layouten und bebildern auseinander. Daher macht es Sinn, diese Ausbildungsgänge in die Journalistenschule zu interieren. Das redaktionelle Basiswissen sowie die Grundlagen des journalistischen Arbeitens werden allen gemeinsam und in gleicher Weise vermittelt. Je nach gewähltem Schwerpunkt vertiefen die Schüler zusätzlich ihre fachlichen Kompetenzen in einem der Spezialbereiche. Wir sind damit die einzige verlagsgebundene Journalistenschule mit diesem breiten interdisziplinären Ausbildungsangebot.
Wie sieht die Ausbildung im Detail aus?
Oltmer: Die Ausbildung in unserer Journalistenschule dauert grundsätzlich vier Semester, also zwei Jahre, in denen die Schüler sowohl eine fundierte theoretische als auch praktische Ausbildung erhalten. Ausbildungsorte sind dabei unsere Redaktionen in Hamburg, München, Magdeburg und Köln sowie die eigens zu diesem Zweck neu eingerichtete Journalistenschule im Meßberg am Hauptverlagsstandort Hamburg. Jeder Schüler wird einer Stammredaktion zugeordnet, in der er insgesamt zwölf Monate eingesetzt wird und hier hautnah das Geschehen in der Redaktion mit erlebt und gestaltet. Des Weiteren gehören zum Lehrplan vier Hospitanzen von je zwei Monaten in Redaktionen anderer Marktsegmente, wie z.B. Online/Digital, Tageszeitung, Frauen, People/Yellow, Programm, Jugend oder Special Interest. Die wechselnden Einsätze bieten den Schülern eine denkbar breite Ausbildung und vielfältige Einblicke in die Möglichkeiten des journalistischen Arbeitens.
Theorie und Praxis werden während der gesamten Ausbildung eng verzahnt. Diese Nähe steht für uns klar im Vordergrund: Jedes Semester beinhaltet daher, neben den intensiven praktischen Einsätzen, ein jeweils vierwöchiges Theorieseminar. Das Dozententeam setzt sich neben externen Referenten vorwiegend aus Führungskräften unseres Hauses zusammen: Geschäftsführer, Chefredakteure, leitende Redakteure aus allen Bereich. Das gewährleistet ebenfalls einen hohen Praxisbezug der Theorieblöcke.
Ein Erfolgsrezept der Academy ist, vor allem Mitarbeiter aus dem eigenen Haus in die Aus- und Fortbildungen einzubinden. Welche Erfahrungen haben Sie mit diesem Konzept gemacht?
Oltmer: Eine Besonderheit der Ausbildung an unserer Journalistenschule ist in der Tat das starke Involvement der Fach- und Führungskräfte unseres Hauses. Das führt dazu, dass viele Variablen und Personen koordiniert und aufeinander abgestimmt werden müssen. Die Organisation des Lehr- und Einsatzplans ist daher aufwändig und vielschichtig. Nach gut sechs Monaten kann ich mit Überzeugung sagen, dass das Konzept ein voller Erfolg und jede Mühe wert ist: Alle Beteiligten sind mit großem Engagement dabei. Die Schüler profitieren vom umfangreichen Wissen und der jahrelangen Erfahrung unserer Mitarbeiter aus erster Hand. Diese geben zudem ihre Leidenschaft für unsere Objekte sowie ihre Begeisterung fürs Unternehmen direkt an die Schüler weiter. Beides führt zu einer sehr positiven, offenen und effektiven Lernatmosphäre, welche ich als Ausbildungsleiterin besonders in den Seminarblöcken beobachten kann. Von Vorteil ist zudem neben der Nutzung des journalistischen Know-hows unserer Chefredakteure auch die Einbindung der Verlagsmanager in die Ausbildung der Journalistenschüler. Sie vermitteln ihnen neben dem journalistischen Handwerkszeug ein fundiertes Bild des Zeitschriftenmarktes und der Segmente, in denen die Titel des Verlags positioniert sind. Das bietet den Schülern die Möglichkeit, ihre zukünftige redaktionelle Arbeit besser einordnen zu können und auch das ist in dieser Weise einzigartig in unserem Ausbildungsprogramm.
Was steht für 2012 noch auf der Agenda, wo besteht noch Nachholbedarf?
Oltmer: Dieses Jahr steht u.a. im Zeichen der nationalen und internationalen Vernetzung unserer kaufmännischen und journalistischen Nachwuchskräfte. Wer als Führungs- oder Fachkraft bei uns erfolgreich sein will, braucht u. a. neben der Leidenschaft für unsere Objekte auch immer ein Verständnis für kaufmännische Themenstellungen.Synergie- Effekte, die sich aus dem Austausch der beiden Gruppen ergeben können, wollen wir künftig noch stärker nutzen. Zudem arbeiten wir am Ausbau und der Weiterentwicklung des Management Development Programs – sowohl für kaufmännische als auch für journalistische Fach- und Führungskräfte. Im Sommer dieses Jahres wird beispielsweise ein weiteres Programm unter diesem Dach zur Förderung unseres kaufmännischen Nachwuchses starten, das sich explizit auf die Steigerung und Entwicklung der Führungskompetenzen konzentriert. Des weiteren arbeiten wir an der Konzeption und Implementierung eines Entwicklungsprogramms für journalistische Nachwuchskräfte mit Führungserfahrung.
Sind die Berufschancen im Verlagswesen bzw. in journalistischen Berufen sind prinzipiell im Schrumpfen?
Oltmer: Ich denke, das Gegenteil ist der Fall. Die Medienbranche ist derzeit stark in Bewegung und bietet somit neben alt bewährten ganz neue berufliche Chancen. Aktuelle Trends, wie die Entwicklung hin zu digitalen Medien und crossmedialen Kommunikationskonzepten, bieten neue berufliche Einstiegs- und Entwicklungsmöglichkeiten. Dennoch wird der Printjournalismus in meinen Augen für die Menschen immer einen hohen Stellenwert haben. Das gedruckte Wort, die Haptik einer Zeitschrift, das Geräusch beim Blättern der Seiten etc. sind für mich vom Lesevergnügen und dem Gefühl, in einer Geschichte ganz zu versinken, nur schwer zu trennen. Via Smartphone oder iPad ist das nicht zu erreichen. Talentierte Nachwuchskräfte sind für qualitativ hochwertigen und innovativen Printjournalismus daher essentieller denn je.