Ein großes Echo unter den Usern hat unser Interview mit Jens Plath, Personalchef der Serviceplan-Gruppe in München, hervorgerufen. Von Unzulänglichkeiten in der Personalarbeit ist da die Rede, von ausbleibendem Feedback auf Bewerbungen, schlechter Bezahlung und extremen Arbeitszeiten. Deshalb haben wir noch einmal das Gespräch mit dem HR-Manager gesucht.
Herr Plath, überrascht es Sie, dass unser erstes Interview zum Thema Employer Branding auf Seiten der Leser so emotionale Reaktionen hervorgerufen hat?
Jens Plath: Über die Emotionalität der Antworten war ich tatsächlich überrascht. Dabei ist es unser Bestreben, gerade solche Vorkommnisse zu vermeiden, wie sie die Kommentatoren des Blogs schildern. Ich möchte trotzdem behaupten, dass das Einzelfälle gewesen sein müssen. Man kann solche Erfahrungen leider nie ganz ausschließen, wir sollten aber trotzdem daraus lernen. Ich biete ausdrücklich allen, die sich gemeldet haben, ein persönliches Gespräch oder Telefonat mit mir an.
Was entgegnen Sie den Hauptvorwürfen, dass es bei Serviceplan schlechte Bezahlung und schlechte Arbeitszeiten gäbe, bestimmte Studiengänge und gute Noten ignoriert würden?
Jens Plath: Die schlechte Bezahlung ist ein Dauervorwurf an unsere Branche. Was sicherlich richtig ist: Einsteiger können in der Industrie mehr verdienen als in der Agentur. Dafür müssen bei uns keine festen Karriere-Schemata eingehalten werden, man kann schneller aufsteigen und frühzeitig Verantwortung für Kunden und Projekte übernehmen. Gemessen an der Branche zahlt Serviceplan über dem Durchschnitt des Gesamtverbands Kommunikationsagenturen GWA. Dabei variieren die Gehälter je nach Berufsbild. Es ist kein Geheimnis, dass wir keine 9-to-5-Jobs haben. Aber die beschriebenen, ständigen 12- bis 14-Stunden-Tage sind bei uns nicht die Regel. Auch ist ein Großteil unserer Jobs akademisiert. Wir bevorzugen jedoch weder bestimmte Studiengänge wie BWL oder VWL noch verlangen wir eine bestimmte Abschlussnote. Ich weiß nicht, warum das von der Bewerberin anders empfunden wurde. Auch hier gilt das explizite Angebot zum Gespräch.
Warum hat sich die frühere Praktikantin so beklagt? Sie schreibt, dass sie fast ein Jahr Praktikum absolvieren musste, bevor sie entnervt kündigte.
Jens Plath: Hier kann es sich nur um einen Einzelfall oder gegebenenfalls um ein Pflichtpraktikum handeln. Normalerweise macht bei uns niemand zwölf Monate Praktikum. Unsere Praktikanten sind in der Regel Studenten kurz vor oder direkt nach dem Studienabschluss, die in die Branche reinschnuppern oder erste Berufserfahrungen sammeln wollen. Die Praktika dauern in der Regel sechs, inzwischen teilweise sogar nur noch drei Monate. Die Bezahlung liegt bei 400 Euro im Monat. Ob man für diesen begrenzten Zeitraum damit auskommt, hängt von der persönlichen Situation ab. Oft sind die jungen Mitarbeiter in dieser Zeit jedoch noch familienversichert oder erhalten Unterstützung aus dem Elternhaus.
Ist es aus Ihrer Sicht Zufall, dass sich ausschließlich Frauen zu Wort gemeldet haben?
Jens Plath: Dass ausgerechnet vier Frauen geantwortet haben, könnte tatsächlich ein Zufall sein. Die Zahl vier ist meines Erachtens einfach zu klein, um daraus statische Schlussfolgerungen abzuleiten. Zutreffend ist aber, dass in der Gesamtbranche ebenso wie bei Serviceplan der Anteil der weiblichen Führungskräfte und Mitarbeiter bei circa 60 Prozent liegt.
Was ist dran an diesem Vorwurf, dass der Urlaub bei Serviceplan faktisch abgeschafft ist?
Jens Plath: Diesen Vorwurf höre ich zum ersten Mal. Wir haben seit ein paar Jahren eine flexible Urlaubsregelung. Das heißt, dass wir nicht am 31. März jeden Jahres den Resturlaub abrechnen, sondern ein Mitarbeiter kann je nach Arbeitsanfall und in Absprache mit seinem Vorgesetzten im einen Jahr mehr, im nächsten Jahr weniger Urlaub nehmen. Damit beide Seiten das seriös handhaben, macht die Personalabteilung einmal jährlich eine durchschnittliche Jahresbetrachtung. Alle Urlaubsanträge fließen in diese Personalstatistik ein. Im Schnitt nehmen die Mitarbeiter jährlich 25 Urlaubstage. Dann kommen noch die Agenturferien zwischen Weihnachten und Neujahr hinzu, die zwei bis vier Tage betragen. Die Praktikanten erhalten den gesetzlichen Mindesturlaub von 20 Tagen. Ließen wir unsere Mitarbeiter keinen Urlaub nehmen, würden wir gegen das Bundesurlaubsgesetz verstoßen. Ab und an erhalten wir auch Anfragen nach einem Sabbatical. Aber generell ist das ist bei dem jungen Durchschnittsalter unserer Mitarbeiter, die meist im ersten Drittel ihres Berufslebens stehen, noch kein großes Thema.
Durch Social-Media hat sich das Veröffentlichen von Statements geändert. Ein potenzieller Arbeitgeber muss sofort mit Reaktionen der Internet-Gemeinde rechnen und zwar oft mit negativen. Wie gehen Sie in der Agentur damit um?
Jens Plath: Durch die Anonymität des Netzes ist die Hemmschwelle niedriger, Negatives vorzubringen als im persönlichen Gespräch. Wir nehmen jedoch jedes Feedback sehr ernst und erklären uns bereit, Rede und Antwort zu stehen. Wenn aber alle Mitarbeiter so denken würden, wie die vier Posts nahelegen, würden wir niemanden mehr finden, der bei uns arbeiten will und hätten eine viel höhere Fluktuation. Bei uns bleiben die Mitarbeiter im Schnitt immerhin sechs Jahre.
Jedes Jahr befragen wir über 1000 Mitarbeiter in unseren 40 Agenturen anonym zu Themen wie Inhalte, Quantität und Qualität der Arbeit, Hard- und Software, Umgang der Kollegen miteinander und Image der Agentur. Wir haben uns seit fünf Jahren kontinuierlich um bis zu zehn Prozent verbessert und liegen inzwischen im obersten Fünftel der Skala. Wo Handlungsbedarf aufgrund der Umfrage besteht, wird mit dem Unit-Management Abhilfe vereinbart. In Exit-Interviews befragen wir Mitarbeiter, die uns verlassen und die wir gerne halten würden, nach ihren Kündigungsgründen. Hier überwiegen oft private Gründe wie zum Beispiel ein Ortswechsel des Partners. Uns liegt das Thema Mitarbeiter-Zufriedenheit sehr am Herzen. Umso überraschender war es für mich, als ich diese vier enttäuschten Statements gelesen habe. Ich würde mich aber sehr freuen, im Direktkontakt mit den Kommentatoren die Einzelfälle zu erörtern. Das Angebot steht.