Mit Jobstairs fing es an, inzwischen hat fast jedes Jobportal eine eigene App für mobile Endgeräte. Auch manche Unternehmen programmieren eigene Karriere-Apps, nutzen Location-Based-Services wie Foursquare oder bieten zumindest eine für mobile Endgeräte optimierte Webseite an. Experten wie Professor Wolfgang Jäger von der Hochschule Rhein-Main in Wiesbaden gehen davon aus, dass das Thema im Vergleich zu Social Media und anderen Trendthemen unterschätzt wird. Der HRmarketingblog sprach mit Udo A. Völke, Geschäftsführer bei Personalwerk, über die Hemmnisse und Chancen bei Mobile Recruiting und Personalmarketing.
Herr Völke, der mobile Kanal gilt auch im HR-Bereich als wichtiges Trendthema. Welche Bedeutung messen Sie dem Thema zu?
Udo A. Völke: Darüber gesprochen wird tatsächlich viel, aber die Bedeutung von Mobile im Personalbereich ist derzeit noch relativ gering. Dabei ist der Einsatz im Personalmarketing noch geringer als im Recruiting. Das hat auch damit zu tun, dass diese Disziplin erst noch am Anfang steht. Jedenfalls reden wir über ein Endgerät, dessen Möglichkeiten bisher nur eingeschränkt genutzt und wenig bespielt werden.
Wo sehen Sie Hemmschuhe?
Völke: Das hat viele Gründe und liegt einerseits an der Fehleinschätzung mit Blick auf die Akzeptanz und Nutzung seitens der Zielgruppe, andererseits aber auch an der eingeschränkten Technik-Affinität und einem Mangel an Ressourcen seitens der Verantwortlichen. Und damit meine ich weniger die Kosten, als den zeitlichen Aufwand, den die Auseinandersetzung mit einem neuen Kanal erfordert.
Dann lassen Sie mich anders Fragen: Warum sollten sich die Verantwortlichen denn mit Mobile Recruiting oder Mobile Personalmarketing beschäftigen – was sind die Chancen?
Völke: Aus Rekrutierungs-Sicht: Ein potenzieller Bewerber kann sich dort informieren, wo er sich gerade befindet. Er muss nicht warten, bis er zuhause ist oder den Laptop aufklappen kann. Aus Marketing-Sicht: Ich erreiche den Nutzer mit meiner Arbeitgebermarke oder mit meiner Botschaft in Situationen, in der ich ihn sonst nicht mehr bekomme – etwa, wenn er zuhause auf dem Sofa sitzt und sich schnell per I-Phone oder I-Pad über Nachrichten informiert, Entertainment-Angebote nutzt oder einfach Online-Games spielt. Das gleiche gilt für die Situation unterwegs.
Aber ist der Nutzer in der Situation wirklich bereit, sich mit Jobangeboten oder einem Arbeitgeber zu beschäftigen?
Völke: Natürlich nur, wenn eine Marke aufgebaut und bereits in den Köpfen der Zielgruppe verankert ist. Große Unternehmen und Verbrauchermarken profitieren da von der Bekanntheit aus dem Produktmarketing. Im B2B-Bereich oder bei Mittelständlern werden dafür Personalmarketing und Employer Branding umso wichtiger. Und es kommt natürlich auch auf die Zielgruppe an, die ich im Blick habe: Den Azubi, den Fach-Informatiker oder den erfahrenen Manager.
Gutes Stichwort: Denn gerade der mobile Kanal setzt ein Interesse und technische Affinität seitens der Nutzer voraus – sonst bekomme ich eine App ja im Zweifel erst gar nicht heruntergeladen, geschweige denn, dass ich lokale Dienste nutze.
Völke: Derzeit vielleicht noch. Aber Gleichungen wie „je jünger, desto mobile-affiner“ oder „je höher im Bildungsabschluss, desto offener“, wie sie derzeit noch kursieren, funktionieren nicht mehr lange. Im Gegenteil: Ist die kritische Marktdurchsetzung mit den entsprechenden Endgeräten wie Smartphones erreicht, haben Arbeitgeber auch bei den weniger anspruchsvollen Zielgruppen gute Chancen. Die Verkäuferin oder der Arbeiter holen sich dann vielleicht spontan und unverbindlich Informationen zu einem Arbeitgeber mobile ab, wenn Sie vor dem Unternehmen stehen. Vorausgesetzt, die Infos sind unkompliziert abrufbar.
Das bedeutet, an dem mobilen Kanal kommt auf Dauer keiner vorbei …
Völke: ...stimmt: Aber: Es ist ein Kanal neben vielen anderen. Ich muss die ganze Klaviatur spielen – und da eröffnet das mobile Endgerät den Personalern interessante neue Möglichkeiten. So kann ich zum Beispiel die Informationen zu einem Job als Podcast hinterlegen, den sich der Kandidat einfach mobil herunterlädt und unterwegs anhört. Oder das Unternehmen bietet eine Chat-Hotline an, auf der Interessenten unmittelbar Kontakt aufnehmen können. Voraussetzung ist immer, dass Angebote einfach und unkompliziert nutzbar und für die Darstellung auf den verschiedenen Betriebssystemen und dem kleineren Display optimiert sind.