Ob der scheidende Finanzvorstand der Commerzbank, Eric Strutz, nun ein neuer Mann oder ein Fahnenflüchtiger in schwerer Zeit ist, darüber scheiden sich die Geister. Fakt ist aber, dass der Top-Manager seinen Kindern zuliebe den Vertrag bei der zweitgrößten deutschen Bank nicht mehr um weitere fünf Jahre verlängert hat. Er galt als Architekt der „neuen Commerzbank“, jetzt geht er, ein Nachfolger ist schon gefunden.
Schon seit August vergangenen Jahres hatte sich Bank-Chef Martin Blessing auf das Unvermeidliche einstellen können. Damals hatte Strutz dem Aufsichtsrat signalisiert, dass er den Vertrag Ende März 2012 auslaufen lassen würde. Der heute 47-Jährige wurde 2003 Finanzchef, ein gutes Jahr später wurde er in den Vorstand berufen. In den vergangenen rund zehn Jahren hat der Spross einer angesehenen Bankiersfamilie viel erlebt, von der Übernahme des Immobilienfinanzierers Eurohypo über den Kauf der Dresdner Bank bis hin zum Staatseinstieg. Bei anderen wäre das Stoff für mindestens ein ganzes Berufsleben.
Für mehr als zwei Jahre, so hat Strutz es vergangene Woche angekündigt, will er sich nun ins Privatleben zurückziehen. Seine beiden Kinder hätten ihm diese Auszeit abgetrotzt. Gerade zur Zeit ist das Thema Männer, Frauen, Familie und Karriere wieder ganz heiß. Dennoch wagt Strutz einen mutigen Schritt. Bei den Lippenbekenntnissen sind immer alle schnell dabei. Aber dass ein Spitzenmanager den Worten auch Taten folgen und der Familie zuliebe die Karriere ruhen lässt, das ist die Ausnahme. Strutz ist ohne Streit oder Skandale gegangen. Er, der begeisterte Banker und Zahlenmann, wird vermutlich nach seiner Pause nahtlos wieder in einer Spitzenposition anschließen können. Strutz, soviel steht fest, hat das Zeug zum Rollenmodell. taz-Kolumnist Matthias Lohre ist da allerdings anderer Meinung. Ich aber finde: Man sollte ihn nicht aus den Augen verlieren.
Dieser Blog wurde verfasst von:
Dorothee
Rothfuß
mehr zum Autor...