Wie fühlen sich Studierende an den Hochschulen ein Jahrzehnt nach Bologna? Die Agentur SWOP. Medien und Konferenzen hat von August bis Oktober 2011 rund 1500 Teilnehmer zu ihrer Berufs- und Bildungsplanung befragt und die Ergebnisse jetzt in der „Master Studie 2012“ veröffentlicht. Dabei durften die Berliner 1500 studentische ZEIT-Leserinnen und Leser sowie Abonnenten des Magazin ZEIT Campus befragen. Hintergrund ist die geringe Akzeptanz des Bachelor als Regelabschluss, die oft hervorgehobene mangelnde Employability der Bachelors und fehlende Master-Studienplätze. Die Untersuchung schließt an die Master Studie 2009 an.
Für die Bologna-Initiatoren dürfte das Ergebnis eher ernüchternd sein, wollten sie doch das Studium signifikant verkürzen. Aber die meisten der heutigen Bachelor-Studenten möchten die Hochschule nicht ohne Mastertitel verlassen (73 Prozent). Sie hoffen damit auf bessere Berufs- und Einkommenschancen. Gerade einmal magere 14 Prozent planen, nach dem Abschluss unmittelbar ins Berufsleben zu starten. Sie haben den Hintergedanken, später vielleicht ein nicht-konsekutives Master-Studium aufzunehmen, also in einem zu ihrem Bachelor inhaltlich fremden Fachgebiet.
Fast die Hälfte der Bachelors (42 Prozent) fühlt sich nicht ausreichend aufs Berufsleben vorbereitet, 2009 waren das sogar noch 54 Prozent. Sie wollen nicht schon nach rund drei Jahren Studium in den Beruf wechseln, sondern streben weitere akademische Qualifikationen wie Master oder sogar Promotion an. Eine Verlängerung des Bachelor-Studiums auf vier Jahre befürwortet allerdings nur ein Drittel der Befragten, 13 Prozent weniger als noch 2009.
Inhaltliche Defizite sehen sie vor allem bei juristischem und betriebswirtschaftlichem Wissen. Besonders aber wünschen sich die Studenten mehr Fremdsprachenkenntnisse und Know-how für das Projektmanagement. An der Job-Welt interessiert die angehenden Akademiker vor allem Work-Live-Balance und intellektuelle Herausforderungen. Schnelle Karriere und gehobenes Einkommen sind dagegen weniger ein Thema für sie.
Insgesamt haben sich die Studenten mit der ersten akademischen Stufe, dem Bachelor, ausgesöhnt. 75 Prozent von ihnen sind zufrieden oder sehr zufrieden, nur drei Prozent zeigen sich unzufrieden mit ihrem Studium. Offenbar sind zumindest die Anlaufschwierigkeiten von Bologna damit aus Sicht der Jungakademiker Vergangenheit.
Dieser Blog wurde verfasst von:
Dorothee
Rothfuß
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