Um im einerlei der Online-Stellenmärkte einen Akzent zu setzen, nutzen inzwischen einige Unternehmen interaktive oder multimedial aufbereitete Stellenanzeigen. Jüngstes Beispiel ist der Mittelständler Stihl, der mit den Motorsägen. Für seine aktuelle Stellenanzeige hat das Unternehmen laut Online-Recruiting.net nicht nur ein innovatives Format entwickelt, das über verschiedene Reiter weiterführende Informationen bietet. Zudem wurden die Mitarbeiter befragt und mit authentischen Aussagen in die Anzeigen einbezogen. Ein aus dem Mitarbeiter-Shooting gestaltetes Video ist ebenfalls integriert. Ziemlich viel Aufwand für eine Stellenanzeige. Lohnt der?
Ja, sagt Stepstone-Geschäftsführer Sebastian Dettmers im Interview mit Gero Hesse, nachzulesen auf dessen Blog Saatkorn. „Mit der „Stellenanzeige Plus“ erreichen Sie den Bewerber in dem Moment, wo seine Aufmerksamkeit für Ihr Unternehmen am höchsten ist – und zwar wenn er sich über eine offene Position in Ihrem Unternehmen informiert“, erklärt Dettmers dort. Mit den umfassenden Möglichkeiten zur Präsentation der Arbeitgebermarke innerhalb der „Stellenanzeige Plus“ versorge ein Unternehmen den Jobsuchenden direkt mit mehr Informationen – ohne Streuverluste durch Weiterleitung auf Drittseiten.
Eva Zils ist anderer Meinung. Die Expertin sieht darin eher „schöne Spielereien, die den Agenturen und Dienstleistern Umsätze bescheren“. Zils versteht Jobbörsen als Traffic-Lieferanten, die interessierte Kandidaten zur Firmen-Karriereseite führen, wo sie in Bewerber umgewandelt werden sollen. Die Stellenanzeige solle also direkt auf relevante Inhalte verlinken, etwa auf eine Landingpage, die dann zur Karriereseite führe. „Ich gebe zu, dass ich – allen Rufen aus der Branche zum Trotz – nicht der Meinung bin, dass wir Online-Stellenanzeigen der neuen Generation benötigen, die multimediale Inhalte aufweisen, Videos oder Ähnliches einbinden”, sagt sie.
Die Studie „Stellenanzeigen und Kreativität“, an der auch W&V Job-Network beteiligt war, scheint diese Aussage zu bestätigen. Die ließ im Rahmen eines Praxistests von Jobsuchenden jeweils einen von vier verschiedenen Anzeigentypen bewerten. Im Ergebnis fiel eine animierte, aufwändig mit Bewegtbild gestaltete Anzeige deutlich ab mit Blick auf Seriosität, Inhalt und Aktivierungspotenzial. Allerdings zeigte sie an anderer Stelle ihre Stärken, nämlich in punkto Auffälligkeit und Originalität.
Und darum stimme ich Eva an dieser Stelle auch nicht ganz zu: Natürlich sind Kreativität und Originalität keine Selbstzweck. Jede erweiterte Gestaltung von Stellenanzeigen mit Multimedia oder interaktiven Angeboten sollte a) einen erkennbaren Mehrwert bieten und b) die Nutzungssituation im Auge behalten. Also: Ein langer Image-Film ist hier wahrscheinlich wenig zielführend, aber eine kurze Impression aus dem Unternehmen, ein Statement des zukünftigen Vorgesetzten oder von Mitarbeitern am Arbeitsplatz vermitteln einen ersten Eindruck und machen vielleicht Lust, sich weiter mit der Stelle auseinander zu setzen. Jedenfalls geht es darum, einen bleibenden ersten Eindruck zu vermitteln, einen Anreiz zur Beschäftigung mit dem Unternehmen zu setzen. Warum nicht direkt in der Stellenanzeige? Als User kann ich entscheiden, ob ich das nutze oder nicht.
Nun, die Praxis muss zeigen, ob sich interkativ und mit multimedialen Inhalten gestaltete Anzeigen bewähren oder nicht. Insofern bin ich gespannt auf erste Studien ….
Dieser Blog wurde verfasst von:
Raoul
Fischer
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