Was ist eigentlich Vertrauensarbeitszeit (VAZ)? Es geht dabei nicht mehr darum, wie lange Arbeitnehmer tatsächlich in der Firma anwesend sind, sondern ob sie vereinbarte Aufgaben wirklich erledigen. Auf Anwesenheitskontrolle und Stundenaufzeichnungen wird dabei verzichtet. Was in den USA schon längst zum Büro-Alltag zählt, ist in Deutschland noch nicht besonders verbreitet. Dax-Konzerne wie Metro, SAP oder Siemens haben das Modell aber schon eingeführt.
Als Vorreiter in Sachen Vertrauensarbeitszeit gewährt immer mal wieder Microsoft in Unterschleißheim Einblicke in den Büroalltag. Nun war Jutta Pilgram von der Süddeutschen Zeitung da. „Die Chefetage verströmt den Charme einer Garage im Silicon Valley“, schreibt sie, „Arbeitsplätze, an denen man sich wohnlich einrichtet, gibt es hier nicht.“ Das liegt daran, dass Microsoft-Mitarbeiter viel unterwegs sind und dass es keine Präsenzpflicht gibt. Die meiste Arbeit lässt sich auch anderswo erledigen, sagen sie der Reporterin – zu Hause, am Flughafen oder im Café.
Mit dem Rechner sind die Mitarbeiter überall arbeitsfähig. Sie haben Zugriff auf Kundendaten und können alle Kollegen direkt ansprechen. Eine Software namens Lync verbindet sämtliche Microsofts und erlaubt Zugriff auf jeden Terminkalender. Damit lässt sich selbst der Arbeits-Status von Mega-Chefs wie Bill Gates oder Steve Ballmer aufrufen. Im Kundenkontakt treten die Microsoft-Leute sehr formell auf, hausintern gilt dagegen ein lockerer Dresscode. Da sind die Mitarbeiter schon einmal per Video in Freizeitkluft auf dem Sofa zu sehen.
Die Vertrauensarbeitszeit flankiert ein persönlicher Karriereplan, der ganz klar Trainings, Coachings oder interne Jobwechsel festlegt. Das geht bis hin zum passgenauen Mentoring-Programm. Andere Firmen ziehen langsam nach. Die Deutsche Telekom wirbt sogar mit dem Slogan „Werde Chef deines Lebens“ und zeigt dazu Leute beim Joggen, Schwangere oder Väter bei der Wasserschlacht.
Doch seit es das neue Modell gibt, ertönt auch das Klagelied der Gewerkschaft. Vertrauensarbeitszeit delegiere das Zeitmanagement lediglich an die Mitarbeiter und ende in Selbstausbeutung. In der Tat: Wer keine festen Arbeitszeiten mehr hat, hat auch keinen Feierabend. Das führt direkt zur Diskussion über die ständige Erreichbarkeit. Dennoch, im neuen Familienbericht der Bundesregierung taucht ein neues Wörtchen ständig auf: Zeitsouveränität.
Dieser Blog wurde verfasst von:
Dorothee
Rothfuß
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