Der ehemals kranke Mann Europas hüpft vorerst munter weiter durch die Krise. Die Unternehmen in Deutschland melden trotz der Zerreißprobe im Euro-Raum und der verdüsterten Wirtschaftsaussichten einen weiterhin hohen Absolventenbedarf. Im Vergleich zu 2011 haben sie ihre Planung nur leicht angepasst. Das ergibt die Studie „Staufenbiel JobTrends Deutschland 2012“. Das Berliner Trendence Institut befragte dafür 255 Unternehmen mit zusammen mehr als 4,7 Millionen Mitarbeitern.
Die an der Umfrage Beteiligten bieten 2012 mehr als 15.000 Stellen für Akademiker an, davon ein Drittel für Praktikanten, ein rundes Drittel für Absolventen und ein Fünftel für Young Professionals. Mehr als die Hälfte der Stellenangebote zielt auf Wirtschaftswissenschaftler. 2011 erhielten die Firmen mehr als 120.000 Bewerbungen von Absolventen aller Fachbereiche. 17.000 Bewerber oder 14 Prozent durften zum Einstellungsgespräch.
Rund ein Drittel der Interviewten rechnet mit einem steigenden Bedarf an jungen Wirtschaftswissenschaftlern, sechs von zehn Personalentscheidern gehen von einer stagnierenden Nachfrage aus. Jedes zehnte Unternehmen vermutet einen rückläufigen Bedarf – 2011 war es noch jedes 20. Dennoch sehen die Befragten für die kommenden fünf Jahre eine besonders positive Entwicklung im Consulting voraus. Annähernd drei Viertel der Befragten aller Branchen wollen Wirtschaftsabsolventen einstellen. Begehrt sind sie im Finanzsektor (90 Prozent), in Consulting (81) und Dienstleistung (77). Die Dienstleistungsbranche fragt auch Sozial- und Geisteswissenschaftler nach (32).
Die Bank- und Finanzbranche halten die Unternehmen für stabil bis zunehmend. Bei den Ingenieuren kann von Krise keine Rede sein. Mehr als jede zweite Unternehmen glaubt an einen steigenden oder sogar stark steigenden Bedarf. Ähnliches gilt für die IT-Branche, die schon 2011 eine deutliche Belebung verzeichnete. Die Einstiegsgehälter für Wirtschafts-, Ingenieur- und Informatikabsolventen liegen zwischen 38.000 und 47.000 Euro im Jahr.
Die Bachelor-Abschlüsse kommen langsam in der Industrie an. Die Akzeptanz ist gegenüber dem Vorjahr noch einmal gestiegen: von 81 auf 85 Prozent. Führend ist aber vor allem der Master (94 Prozent). Recruiters Liebling bleibt das Universitätsdiplom, das wünschen sich 95 Prozent. In neun von zehn Unternehmen können Absolventen direkt starten. Die Hälfte der Befragten bietet Traineeprogramme an. Mehr als 80 Prozent sind bereit, dort auch Bachelor-Absolventen aufzunehmen. Unterschiede gibt es allerdings beim Gehalt. Ein Drittel bezahlt die Master-Trainees besser als ihre Bachelorkollegen.
Dieser Blog wurde verfasst von:
Dorothee
Rothfuß
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