Gender-Entwicklungsland Deutschland – so spötteln oft HRler und Wirtschaftsexperten, wenn sie die geringe Anzahl weiblicher Führungskräfte in Top-Etagen kommentieren sollen. Nicht nur sie, auch Politik und Gesellschaft sind sich zumindest offiziell einig, Frauen müssen systematisch gefördert und intensiver als bisher bei ihrer Karriereplanung unterstützt werden. Vor allem Mentoring-Programme oder der persönliche Austausch auf Augenhöhe zwischen erfahrenen Managerinnen und solchen, die es noch werden wollen, ist sind geeignete Mittel.
Das Thema „Weibliche Führungs-Persönlichkeiten“ ist in diesem Jahr ein Dauerbrenner und steht auf der Agenda vieler Personalkongresse und spezieller Veranstaltungen ganz oben.Ende März lädt erstmalig auch die Unternehmensberatung McKinsey, die bereits seit einiger Zeit in Deutschland erfolgreich den „Women´s Day“ für Beraterinnen und weiblichen Nachwuchs veranstaltet Studentinnen und interessierte Young Professionals zum europaweiten Talent-Workshop nach Paris. Dem HRmarketingblog erklärt Mitinitiatorin Stephanie Eckermann, Partnerin im deutschen McKinsey Büro und dort für das Frauen-Recruiting zuständig, die Ziele und Hintergründe.
Welche Absicht steckt hinter der Veranstaltung "Next Generation Woman Leaders" in Paris?
Stephanie Eckermann: McKinsey engagiert sich schon lange für mehr Diversität sowohl in der eigenen Firma als auch in der Wirtschaft. Wir investieren seit mehreren Jahren in die eigene Studienreihe „Women Matter“ und tragen mit den Ergebnissen immer zur Diskussion bei. Bislang sind vier Ausgaben mit Schwerpunkten wie beispielsweise „Performancesteigerung durch Frauen an der Spitze“ oder „Führungsstärken der Frauen“ erschienen. Die Auswertungen unserer Untersuchungen zeigen konsequent, wie viel Nachholbedarf bei dem Thema Frauenförderung besteht. Wie wichtig vor allem der persönliche Austausch untereinander ist, der Kontakt von Frau zu Frau, zeigt uns jedes Jahr unser „Women´s Day“, auf dem sich die Beraterinnen aller Offices in Deutschland auch mit weiblichen Nachwuchstalenten treffen.
Der „Women´s Day“ stand Pate?
Eckermann: Ja, dort haben wir gelernt, wie immens relevant der Erfahrungs- und Informationsaustausch und der Aufbau eigener Netzwerke bei der Weiterentwicklung und der Karriereplanung sind. Und: Damit kann gar nicht früh genug begonnen werden. Deshalb wollen Der geplante Workshop ist bewusst international ausgelegt?
Eckermann: Ganz genau. Unsere Berater und Beraterinnen arbeiten wir unsere Aktivitäten jetzt ausweiten und zum ersten Mal europaweit Studentinnen und Young Professionals mit CEOs und Führungspersönlichkeiten zusammenbringen.
Der geplante Workshop ist bewusst international ausgelegt?
Eckermann: Ganz genau. Unsere Berater und Beraterinnen arbeiten alle in hohem Maße international. Sie profitieren von dem Blick über die Ländergrenzen, schließlich beraten sie ja Firmen und Unternehmen, die europa- und weltweit tätig sind. Sowohl die interkulturellen Unterschiede als auch die großen Gemeinsamkeiten im Job sind ein sehr spannender Aspekt unserer Arbeit. Dafür interessieren sich auch besonders junge Nachwuchsführungskräfte.
Inwiefern hilft die dort geplante Praxisarbeit – Fallstudien, die die jungen Frauen erarbeiten, bei der Karriereplanung weiter?
Eckermann: Nur zu theoretisieren ist langweilig. Erst in der Praxis, unter der Ägide von Beratungsprofis, lernen die Nachwuchstalente mehr Aspekte des Jobs kennen und stellen ihre Fragen gezielter. Die erfahrenen Kolleginnen können konkret auf Fragen reagieren, authentischer den Joballtag rüberbringen als nur per Vorträge und Referate. Der Workshop erstreckt sich ja über drei Tage, da haben alle Zeit, richtig tief in die Materie einzusteigen und trotzdem nebenbei auch noch persönliche Beziehungen zu knüpfen.
Mentoring ist also ein Bestandteil des Programms?
Eckermann: Coaching & Training auf jeden Fall. Das Mentoring setzt dann ein, wenn die jungen Berater tatsächlich bei uns einsteigen.
Der Workshop, für den sich Interessentinnen bis zum 17. Februar bewerben können, ist für Sie selbstverständlich eine Recruiting-Veranstaltung. Sie hoffen, dort genügend Nachwuchstalente zu finden?
Eckermann: Beim letzten „Women´s Day“ hatten wir über 600 externe Bewerberinnen. Dreißig herausragende Teilnehmerinnen konnten wir zulassen. Auf dem speziellen Nachwuchsevent Ende März werden es sicher mehr sein – da sind wir sehr zuversichtlich.