In den USA und Asien sind Jobinterviews mit der Webcam als Instrument für Personaler schon weit verbreitet. Hierzulande ist das Bewerbungsgespräch per Skype noch eher unbekannt. Otto in Hamburg gehört zu den Pionieren. Die Vorteile: Bewerber müssen nicht extra freinehmen und von weit her kommen und die Unternehmen sparen sich die Auslagen für die Reisekosten. Karriere-Experten glauben, dass sich der Trend hin zum Online-Interview 2012 weiter durchsetzen wird.
Nicht von ungefähr entsteht auf Technikseite gerade ein neuer Markt für die modernen Interview-Verfahren. Einer, der mit Macht auf den Zug aufspringt, ist der niederländische Anbieter Info Pinnacle. Das Unternehmen begann 2001 als Startup. Seit 2008 gehört es zum niederländischen Medienkonzern Telegraaf Media Group (TMG). Dieser gibt die auflagenstärkste niederländische Tageszeitung De Telegraaf heraus, die neben ihren Boulevardnachrichten auch einen sehr starken Finanzteil hat, und hält außerdem sechs Prozent an ProSiebenSat1 Media.
Im Mai 2011 launchte Info Pinnacle das neue Produkt Cammio, mit dem Interviews von Bildschirm zu Bildschirm geführt werden können. „Das Wachstum in den Medien läuft über Online-Angebote“, sagt Cammio.me-CEO Walter Hueber, „und Video ist ein strategisch wichtiges Thema für die Telegraaf Gruppe.“ Die Niederländer wollen ihr Tool nun in ganz Europa bekannt machen, wobei der deutsche Markt besonders interessant für sie ist. „Die demographische Entwicklung und der Fachkräftemangel in den beiden Ländern sind vergleichbar“, meint Hueber. Hinzu komme, dass die Reisezeit der Kandidaten im vergleichsweise großen Deutschland noch länger sei.
Laut einer Studie von TNS NIPO, bei der 600 Bewerber in den Niederlanden befragt wurden, wollen 50 Prozent der Kandidaten innerhalb von zwei Wochen nach der Bewerbung zu einem Interview eingeladen werden. Ein Drittel von ihnen bricht einen Bewerbungsprozess ab, weil ein anderes Verfahren schneller vonstatten ging. Ein Haupthinderungsgrund für Bewerbungen, so die Forscher, ist die weite Entfernung zum potenziellen Arbeitgeber und die entsprechende Anreisezeit. Wenn diese Faktoren entfallen, sind die Interessenten eher bereit, sich zu bewerben. Ungefähr die Hälfte der Kandidaten möchte außerdem lieber außerhalb der Arbeitszeit ein Bewerbungsgespräch führen.
Nun sucht Hueber Partner, die in Deutschland die Video-Software bekannt machen. „Das Tool ist sehr geeignet für ein erstes Screening“, wirbt der Manager für seine Anwendung. So lassen sich aus sieben oder acht geeigneten Bewerbern zwei oder drei herausfiltern, die dann tatsächlich in persona zum Gespräch kommen. „Früher mussten die Kandidaten für eine solche Vorauswahl einen halben Tag freinehmen und extra anreisen“, erläutert Hueber, „jetzt bekommt der Personaler innerhalb der ersten Minute einen Eindruck, ob die Person ins Team passen könnte“. In den Niederlanden steht beispielsweise das holländische Arbeitsamt auf der Kundenliste, auch T-Mobile heuert dort mit Hilfe von Cammio Leute für seine Läden an.
Dieser Blog wurde verfasst von:
Dorothee
Rothfuß
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