Handy oder Smartphone sind immer dabei und somit liegt die Sache eigentlich auf der Hand: Mobilfunkanbieter E-Plus setzt auch beim Recruiting auf die mobile Stellensuche. Seit der vergangenen Woche ist per Karriere-App der Schnellzugriff auf mehr als 200 Jobs des Düsseldorfer Unternehmens möglich. Im Interview erklärt Personalchef Eric Günzel die "Unterwegs"-Strategie.
W&V: Ist die Karriere-App ein echter Trend oder nur Modethema für Telco-Unternehmen?
Günzel: Mobile Recruiting ist ein massiver Trend – wir sind schließlich auf dem Weg, für jede Lebenslage eine App zur Hand zu haben. Immer mehr Lebensbereiche werden inzwischen per Handy gesteuert, warum also nicht auch die Jobsuche? Als E-Plus stellen wir die Kundenbedürfnisse in das Zentrum unseres Handelns in allen Unternehmensbereichen. Und wenn Smartphone und Apps immer mehr zur Schaltzentrale des Lebens werden, dann setzen wir auch entsprechende Recruiting-Tools ein.
W&V: Für sie ist der Nutzwert erwiesen?
Günzel: Der Mensch ist mobil wie nie, ob bei der Arbeit oder in der Freizeit. Per Handy sind wir als E-Plus in der Hosentasche immer dabei. Den Traumjob beim Warten auf die Bahn finden, effizienter geht´s doch gar nicht! Die App bietet aber nicht nur schlichtes Bewerben, sie erkennt auch, wo der Nutzer sich gerade befindet. Durch die Lokalisierung kann er sich alle Jobs beispielsweise im Umkreis von 50 km anzeigen lassen und wird bei Neuigkeiten immer auf dem Laufenden gehalten.
W&V: Ist das Mobile Recruiting Portfolio damit komplett, oder was kommt da noch?
Günzel: E-Plus ist bei dem, was geht und Akzeptanz in der Bevölkerung hat, überall dabei: Ob die Karriere-App, Karriereseiten bei Facebook und Xing, QR-Codes mit Stellenanzeigen oder die Mobilversion des Jobportals. Für einen Telco-Anbieter ist das aber mehr als eine Spielwiese. Für uns als Kommunikationsanbieter ist das Teil des Kerngeschäfts. Doch bleiben wir realistisch: Hier geht es vor allem um den Erstkontakt mit dem Bewerber. Das ist ja auch die größte Herausforderung – für beide Seiten. Alle weiteren Schritte sind für das Handy zu komplex.
W&V: Das Netz birgt doch mehr Ansprache-Chancen ...
Günzel: ... im Web reden wir inzwischen von so etwas wie einem Bewerbererlebnis. Künftig wird es mehr darum gehen, mit spielerischen virtuellen Angeboten die Right Potentials für die Stelle zu gewinnen und dabei das Unternehmensimage zu transportieren. Da ist noch ein gutes Stück des Weges zu gehen. Ein Beispiel, das die Richtung zeigt: In der Vorauswahl vor dem ersten Interview kommen zum Teil webbasierte Game-Assessments zum Einsatz, die in Form einer modernen Postkorbübung Leistung und Potenzial der Bewerber messen. Generell werden virtuelle Welten bedeutsamer. So kann der Besuch einer Jobmesse auch über den Browser laufen, mit einem durch den Stand führenden Avatar und Austausch über Live-Chats. Neue Herausforderungen, die auch der HR-Bereich von E-Plus unter die Lupe nehmen wird.
W&V: Im Mobile Recruiting ist E-Plus einer der Pioniere. Was läuft und was nicht?
Günzel: Die neue Karriere-App hat einen tollen Start hingelegt: In den ersten zwei Tagen gab es schon mehrere 100 Downloads, ohne dass wir viel Kommunikationsdruck dazu erzeugt hätten! Was außerdem richtig gut läuft, sind die QR-Codes am Point of Sale. Wer an ausgewählten BASE Shops vorbei ging, konnte ihn gar nicht übersehen: einen großen Smiley, der beim Scan mit dem Smartphone direkt auf das mobile E-Plus-Jobportal verlinkt. Das wurde richtig gut angenommen. Vertriebler und besonders Studenten haben auf der Suche nach Aushilfsjobs am besten auf diese Aktion reagiert.
W&V: Und wie erreichen Sie die anderen?
Günzel: Für die anderen Zielgruppen gilt es, die Maßnahme noch stärker über Printmedien wie Flyer oder City-Cards, die in Bars und anderen Locations ausliegen, zu vermarkten. Für die Facebook- und Xing-Auftritte ist es besonders wichtig, sich mit den anderen Social-Media-Aktiven aus dem Unternehmen auszutauschen. Gerade die enge Abstimmung mit Marketing, PR und internen Social-Media-Akteuren kann die Aufmerksamkeit eigener HR-Themen massiv fördern – oder eben komplett zunichte machen.
W&V: Abseits mobiler Lösungen: Sucht E-Plus gerade Mitarbeiter?
Günzel: Aktuell hat die E-Plus Gruppe über 200 offene Stellen und sucht besonders für das Filialgeschäft, Netztechnik und den IT-Bereich. Dazu kommt, dass der Schwerpunkt sich von der allseits beliebten Aussage "mehrjährige Berufserfahrung gewünscht" zur Suche nach frischen (Uni-)Absolventen verlagert. Eine unserer Antworten darauf: Warum den akademischen Nachwuchs nicht im eigenen Haus großziehen? Zwei duale Studiengänge starten in diesem Jahr bei E-Plus, einer mit BWL-, der andere mit Technik-Fokus. Genauso neu ist die Ausbildung zu IT-Kauffrau bzw. -mann, doch die Besetzung fällt extrem schwer. BWLer fanden sich zwar in Hülle und Fülle, zumal der Studiengang mit Schwerpunkt International Management angeboten wird. Technik und IT sind aber im Vergleich momentan absolut weniger gefragt. Für diese Zielgruppe gilt, sich etwas Besonderes zu überlegen. Dass E-Plus das kann, zeigte sich bei einer Recruiting-Aktion für die Stelle des IT-Systemanalytikers: Was macht den gemeinen ITler aus? Er sitzt vor dem Rechner und bestellt Pizza. Dieses Klischee haben wir dem Praxistest unterzogen. Praktisch, dass das Pizzataxi einen Karton bringt, der nicht nur die ersehnte Nahrung, sondern auch direkt das passende Jobangebot birgt.
W&V: Welche Bedeutung kommt dabei der Positionierung einer starken Arbeitgebermarke zu?
Günzel: Die Menschen möchten heute nicht nur arbeiten, sondern etwas erleben. Sie wollen interessante Themen sowie flexible, moderne Arbeitswelten – und zwar live und in Farbe. Der dramatische demographische Wandel schwebt insbesondere für innovative und wachstumshungrige Unternehmen darüber wie ein Damoklesschwert und hat den Kampf um die Right Potentials auf dem Markt entfacht. Um die richtige Mannschaft für die Herausforderungen der Zukunft an Bord zu ziehen und zu halten, muss ein Unternehmen sich heute viel mehr anstrengen als noch vor einigen Jahren.
W&V: Ein attraktives Arbeitgeberimage ist das A und O?
Günzel: Authentizität ist das Allerwichtigste: Verspricht der Arbeitgeber Dinge, die er nicht halten kann, sind die Talente schneller wieder weg als die Probezeit vorbei ist. Um diese Authentizität zu gewährleisten, müssen Management und alle relevanten Stakeholder im Unternehmen hinter der Arbeitgebermarkenpositionierung stehen und durch Reden und Handeln dieses erlebbar machen. Eine Arbeitgebermarke muss in die Unternehmens- genauso wie in die Markenstrategie eingebettet sein, um zu funktionieren. Diese relativ neue Erkenntnis in vielen Unternehmen, muss sich erst einmal durchsetzen und dann in der Arbeitspraxis lebendig werden