Er gehört zu den Grandseigneurs der Headhunter-Szene in Deutschland. Dieter Rickert, Jahrgang 1940, bewegt die Größen der Deutschen Wirtschaft. Unter 150.000 Euro Honorar greift der Headhunter gar nicht zum Telefonhörer, wie er auf seiner Website selbst offenbart. Obwohl Rickert bald 72 wird, listet ihn die Wirtschaftswoche 2010 auf Platz 1 der 100 wichtigsten Personalberater. 500.000 Euro aufwärts sollten seine Klienten allerdings schon verdienen.
Julia Löhr hat dem Altmeister in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in der Reihe „Mein Weg“ ein Porträt gewidmet. Personalberater sind eines ihrer Spezialthemen, zu dem sie sogar schon ein Buch geschrieben hat. In Rickerts Büro im Münchner Villenvorort Grünwald schnuppert die FAZ-Redakteurin den Duft der Macht. Sie glaubt, gesetzte ältere Herren in dunklen Anzügen zu sehen, die sich mit sonorer Stimme über die Lage der Welt austauschen. In Wirklichkeit sind das olfaktorische Spuren des passionierten Pfeifenrauchers Rickert.
Der Wirtschaftswissenschaftler wurde schon Ende der 70er Headhunter, nach Stationen bei Thyssen, der Ruhrkohle AG und dem BDI. Im Gedächtnis blieb seine Zeitungsanzeige „Profis für die DDR“, mit der er nach der Wiedervereinigung Manager für die neuen Bundesländer suchte. Das allerdings war noch „Massengeschäft“ im mittleren Management. Inzwischen konzentriert sich Rickert auf Top-Positionen. Auf sein Konto sollen Wechsel von Hartmut Mehdorn, Gerhard Cromme, Eckhard Cordes oder Thomas Ebeling gegangen sein.
Ein weniger gutes Händchen bewies er mit Ex-McKinsey-Deutschlandchef Jürgen Kluge. Das Ende von Kluges Tätigkeit als Vorstandvorsitzender beim Familienkonzern Haniel ist absehbar, nach allerlei öffentlichen Machtkämpfen. Nun soll Rickert noch einmal einen neuen Beruf ins Auge gefasst haben – das Coachen. Das Tagesgeschäft überlässt er jedenfalls mehr und mehr seinem Partner Partrick Fulghum.
„Mit 18 Jahren wollte ich Journalist werden. Ich wollte die Wirtschaftsseiten der F.A.Z. vollschreiben und in Werner Höfers Frühschoppen im Fernsehen sitzen und schlaue Kommentare abgeben“, gesteht Rickert der Autorin. Julia Löhr ist ein rundes Porträt aus der Feder geflossen. Pech nur, dass das meiste über den geheimnisumwobenen Herrn Rickert schon bekannt ist. Viele Details standen schon vor drei Jahren in einem Zeit-Artikel. Rickert scheint sich ein paar notierenswerte Standards zurechtgelegt zu haben, die er fragenden Journalisten präsentiert. Soviel Neues kann da über die Jahre natürlich nicht hinzukommen. Zum immer wieder beschreibenswerten Inventar gehört der gläserne Besprechungstisch, der abgelaufene Absätze oder die Wahl der falschen Socken offenbart, oder sein Bonmot über seinen Beruf: Eheberatung auf höchstem Niveau.
Dennoch ist es immer wieder lesenswert, was einer der bekanntesten Strippenzieher Deutschlands zu bekennen hat. Doch nun kommt wohl eher die Zeit von Partrick Fulghum, mit 47 im besten Alter für einen Headhunter – und für ein Porträt.
Dieser Blog wurde verfasst von:
Dorothee
Rothfuß
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