Es ist ungewöhnlich, dass ein Blog ins Buchformat wandert. Katja Berlin und Peter Grünlich ist mit ihrem Softcover „Was wir tun, wenn der Aufzug nicht kommt“ genau dieses Kunststück geglückt. Das Duo, das unter Pseudonym im Internet bloggt, hat „die Welt in überwiegend lustigen Grafiken“ zusammengefasst. Die mehreren hundert Schaubilder vereinigen die besten Alltags-Tortenstücke aus dem www. graphitti-blog.de. Der Heyne Verlag hatte mit dem Bändchen den richtigen Riecher. Nicht nur die Digital Natives sind entzückt. Das Buch wanderte innerhalb weniger Wochen auf der Spiegel-Bestsellerliste bei den Sachbuch-Taschenbüchern auf Platz 11. Selbst bei Facebook machten die Grafiken schon Karriere, etwa Deutschland aus Sicht der Bayern oder Berliner.
Rechtzeitig zum Start des Buches hat sich zumindest Katja Berlin entschlossen, ihr Pseudonym zu lüften. Eigentlich heißt sie ja Katja Dittrich, verriet sie der Berliner Zeitung, und ist Anfang 30. Dittrich versteht etwas von der Kommunikationsbranche, denn sie hat Medienberatung und Politikwissenschaft studiert. Sie arbeitete schon als PR-Referentin und Onlineredakteurin für ein Bundesministerium und Verbände. Bei Twitter ist Dittrich als Katja Berlin fast eine Art Star, inzwischen bringt sie es auf über 10.000 Follower, mehr als mancher Markenartikler.
Wenn es das Büchlein noch nicht gäbe – man müsste es erfinden. So etwas ist die ultimative Steilvorlage für den Kantinentalk. Oder wissen Sie, in welchem Zustand Sie normalerweise die Geschirrspülmaschine im Büro antreffen? Zu einem verschwindend kleinen Prozentsatz ist die Maschine gerade in Gange (geschätzte 2 Prozent), die Maschine ist fertig, aber noch zu heiß (2,5) oder die Maschine ist fertig und andere Kollegen räumen bereits aus (6,5 Prozent). In der großen Mehrheit der Fälle aber ist die Maschine fertig und alle anderen sind erfolgreich vorbeigerannt (89 Prozent). Wer räumt sie also aus? Genau, Sie!
In wunderbarer Weise machen sich die Blogger lustig über Phänomene wie das Anstehen an der falschen Kassenschlange, Klischees über Männer und Frauen oder die Ansichten der lieben Kleinen. Ihre Prozentzahlen können nicht anders als frei erfunden sein, aber sie treffen stets den Punkt. Natürlich darf Büro-Klamauk nicht fehlen. Es gibt Jokes darüber, wie lange es dauert, eine Datei herunterzuladen, oder wie sich das Gehalt zusammensetzt, etwa aus geklautem Büromaterial oder Nutzung des Laserdruckers für Geburtstagseinladungen. In einer Grafik teilen die Autoren sogar Seitenhiebe für die Kreativen aus: Mit welchen fünf Sätzen wird man spontan zum erfolgreichen Artdirector? Zu etwa gleichen Teilen: 1. Das ist nicht nachhaltig genug, 2. Das zahlt nicht genug aufs Markenkonto ein, 3. Wir müssen die Leadership-Position verteidigen, 4. Nice, aber nicht kampagnenfähig und 5. Können wir nicht was Virales machen?
Fazit: Spitzenmäßige Lektüre für alle, die zu viele kluge Buchstaben fürchten, aber trotzdem was zum Lachen brauchen. Das perfekte Geschenk für alle Büro- und Kreativgeplagten.
Dieser Blog wurde verfasst von:
Dorothee
Rothfuß
mehr zum Autor...