Vorbei die Zeiten, als Schauen eine geschlossene Gesellschaft für Promis und Modemagazine waren. Inzwischen sitzen Vertreterinnen der Modeblogs in der ersten Reihe. Allerdings ist es für die Hersteller nicht immer einfach zu unterscheiden, wer ernsthaft bloggt und wer als Goody-Grabber nur diverse Marken absahnt. Viele etablierte Moderedaktionen sehen die Bloggerszene kritisch, sprechen von „Ponyhof-Mädchen“ und Möchtegern-Journalismus, offen äußert sich aber selten jemand. Über den sich rasch entwickelnden Trend zum Bloggen hat sich Was-mit-Medien-Reporter Henning Bulka am Rande einer Podiumsdiskussion mit Alfons Kaiser, seines Zeichens Mode-Ressortchef bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, unterhalten.
Kaiser sieht ganz klar die Tendenz, dass der Modejournalismus unter dem Einfluss der Blogs ins Internet abwandert. Das Vorbild kommt aus den USA, wo etwa Suzy Menkes, Chefin des Moderessorts beim International Herald Tribune, Besprechungen von Haute Couture mit Hinweis auf Seite Eins online veröffentlichen lässt. Das Beste, was sich die klassischen Print-Journalisten von den Bloggern abgeschaut haben, sind die Streetstyles, findet Kaiser. Diese Fotos von modisch gekleideten Menschen im Alltag sind inzwischen in Zeitungen und Zeitschriften ganz normal geworden.
„Unter dem Einfluss der vielen Billigmode-Ketten und dem Vintage-Trend kleiden sich vor allen Dingen Frauen, aber auch Männer viel phantasievoller, viel kreativer, viel individueller als noch vor zehn oder 15 Jahren“, konstatiert Kaiser. Er lobt das Lebendige an den Street-Style-Strecken, die weg von der künstlichen Welt der Laufstege zielen. Die Kehrseite für Printjournalisten, sagt Kaiser, sei die Schnelligkeit der Blogs. Es sei schwer, Websites wie Style.com, Modepilot oder LesMads zu toppen. Allenfalls mit exklusiven Vorabinformationen könne man als klassischer Journalist die Blogger noch überholen.
Andererseits stellen sich viele Blogger selbst stark in den Mittelpunkt, meint der FAZ-Redakteur, und seien insofern nicht Journalisten, sondern eher Selbstdarsteller. Aber es gebe auch unzählige Blogs, räumt er ein, die wie in Amerika Fashionista oder Fashionologie recherchieren, nachfragen und eine Distanz zum Gegenstand haben – wichtige journalistische Tugenden. Kaiser nimmt schon viele Modeblogger sehr ernst. Ihre Beiträge könne man aufgreifen, ohne sich lächerlich zu machen. Sein Resümee: „Innerhalb der Blogger ist das Spektrum eben sehr groß. Da sind manche seriös und gut, andere sind eher sehr subjektiv und nicht zitierfähig.“
Dieser Blog wurde verfasst von:
Dorothee
Rothfuß
mehr zum Autor...