„Hier ist er endlich: Unser Flashmob“, intoniert Karstadt Karriere seine Aktion auf der Facebook-Seite. Das Unternehmen hat gestern ein Video auf YouTube eingestellt, bei dem Mitarbeiter in gelben T-Shirts in einem Kaufhaus eine regelrechte Tanzorgie veranstalten. Die Ankündigung auf Facebook klingt so, als ob viele darauf gewartet hätten. Dem scheint allerdings nicht so zu sein, wenn man sich die Interaktionsrate ansieht: 35 „Gefällt mir“ und ein Kommentar. Auf YouTube gibt es 803 Aufrufe sowie fünf positive und sechs negative Bewertungen – auch da geht sicher mehr. Schade, dass hier die Kommentarfunktion nicht aktiv ist. Fehlte Karstadt letztendlich doch der Mut, sich der Meinung zu stellen? Die Kunden auf dem Video wirken jedenfalls etwas ratlos, und so geht es auch dem Betrachter angesichts der plötzlich entfesselten Lebensfreude der Karstadt-Mitarbeiter.
Einer ist immer der erste – und alle anderen kommen hinterher. So gesehen hat natürlich auch Bayer nicht den Unternehmens-Flashmob erfunden. Dennoch: Die Bayer-Aktion war gut gemacht, hatte einen Anlass (Abschied eines Mitarbeiters) und eine Botschaft aus Arbeitgebersicht. Entsprechend gut ist der Bayer-Flashmob angekommen – auch wegen des eigenen Songs. Da wirkt die Aktion von Karstadt schon eher wie „angeschwemmt“. Nicht zuletzt deswegen sind einige Blogger eher kritisch. „Es sieht doch leider sehr initiiert aus und der richtige Funke will nicht auf die “Karstadtbesucher” in Düsseldorf überspringen“, schreibt etwa Lutz Altmann auf Personalmarketingblog. Und fragt: „Hat dies bei den Besuchern und bei den “Video-Zuschauern” denn irgendeinen Effekt auf das Unternehmen bzw. den Arbeitgeber Karstadt?“ Sein Urteil: „Keinen Negativen, jedoch auch keinen nachhaltigen positiven Effekt. Da muss schon mehr kommen.“ Auch Henner Knabenreich von Personalmarketing2null vermisst Botschaft und Message der Aktion. „Ein Flashmob, nur um des Flashmobs willen, schießt schnell am Ziel vorbei. Aber schön, dass man bei Karstadt trotz der Umstände Zeit und Geld für solche Aktionen hat. Nun gut, den Akteuren hat es sichtlich Spaß gemacht“, sagt er.
Sicher berechtigt, diese Kritik. Und dennoch sehe ich in dem Flashmob auch ein ermutigendes Zeichen. Man muss bedenken, wofür Karstadt steht: Dauergewellte Verkäuferinnen mit Brille an einer Goldkette, die nur zwei Sätze zu kennen scheinen: „Frau Müller, kommst Du bitte zur Kasse“ oder „Alles, was da hängt“. Hier zeigt eine junge Belegschaft ein neues Gesicht von Karstadt, das neulich wieder in die Schlagzeilen geratenen ist. Es ist zumindest ein Ansatz, ein anderes, neues Bild der angestaubten Kaufhauskette zu vermitteln. Und zwar einer, der bei den Mitarbeitern ansetzt.
Dieser Blog wurde verfasst von:
Raoul
Fischer
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