In die IT-Branche kam er als geisteswissenschaftlicher Exot. Ausgerüstet mit Wissen über den 30-jährigen Krieg und die Ästhetik der Frühaufklärung fing Christian Buggisch vor elf Jahren als Online-Redakteur bei Datev, einem der größten deutschen Softwarehäuser, an. Inzwischen ist er in Nürnberg Teamleiter Online-Kommunikation. Und bekennender Quereinsteiger. Im Studium bekam Buggisch die Grundlagen vermittelt, „sich in komplexe Themen und Probleme einzudenken und schwierige Sachverhalte zu durchdringen und aufzubereiten“.
Seit gut anderthalb Jahren bloggt das Multitalent auch, für Datev und in einem privaten Blog. Dort hat Buggisch fünf Learnings zusammengefasst, die er mittlerweile beim Bloggen gelernt hat. Sie sind auch hilfreich für Medien- und Unternehmensblogs.
Bloggen kostet Zeit. Ein Tweet dauert gefühlte 15 Sekunden, ein neues Bild auf Facebook hochzuladen eine halbe Minute. Bis ein Blog online ist, vergehen in der Regel mehrere Stunden. Man findet ein Thema, denkt darüber nach, fängt an zu schreiben, recherchiert, sucht passende Bilder, publiziert. Wenn’s viele Kommentare gibt, kommen noch ein paar Stunden Moderieren und Diskutieren dazu. Und dann sind manche Leser der Meinung, man müsse noch viel intensiver mit dem Thema beschäftigen, bevor man darüber schreibt – merkwürdige Vorstellung.
Die Trolle sind in der Minderheit. Wie geht man mit Kommentaren um? Ganz freischalten, zuerst moderieren, wieviel davon zulassen? Was machen, wenn Verrückte das Blog vollmüllen? Fragen, die wahrscheinlich viele Neu-Blogger beschäftigen. Im Web kursieren dazu unterschiedlichste Meinungen und Geschichten von bösen Nutzern und Trollen. Buggischs Erfahrung war: Erst nach einem Jahr mit über 700 Kommentaren musste er das erste Mal einen Kommentar löschen. Manche Antworten waren grenzwertig, aber insgesamt gilt: „Der anonyme Nutzer ist besser als sein Ruf.“
Sockenpuppen gibt es tatsächlich. Das ist laut Wikipedia „ein weiteres Benutzerkonto, dessen Zweck es ist, Meinungen innerhalb einer Online-Community mit mehreren „Stimmen“ zu vertreten oder Regeln der Community zu unterlaufen.“ Buggisch war platt, als in den Kommentaren seines Blogs die erste Sockenpuppe einen Dialog mit sich selbst führte. Nach dem Muster: „Ich sehe das soundso“ – „Ja, du hast recht, ich sehe das genauso“. Aber WordPress erkennt diese Dialoge aufgrund der unterschiedlichen Nutzernamen und identischen IP-Adressen als Spam und parkt sie elegant in einer Warteschleife.
Facebook macht den Unterschied. Ob man Facebook mag oder nicht – fast die Hälfte aller Zugriffe auf Blogs kommt aus Facebook. Bei Buggischs Blog spielen Lese-Empfehlungen von Facebook-Bekannten eine erhebliche Rolle. Er glaubt, dass dies unterschätzt wird, weil man im Unterschied zu Twitter keine Retweets und Link-Empfehlungen außerhalb des eigenen Freundeskreises sieht. Bloggen ist auch ein Geben und Nehmen. Buggisch setzte 2011 cirka 500 Links auf andere Seiten, diese wurden rund 25.000 Mal angeklickt.
Wer sucht, der wird finden. Ein paar tausend Aufrufe verzeichnete Buggisch über Suchmaschinen, dabei kamen 96 Prozent über Google. Also werden auch kleine Blogs bei Google gefunden. Denn Suchmaschinen lieben Blogs. Was weniger bekannt ist: Die Media-Verlinkungen von Facebook, Twitter & Co haben gewaltigen Einfluss auf die Suchmaschinen-Platzierung. Am meisten Suchmaschinen-Traffic brachten Buggischs Beiträge über Schuhbeck und Social Media Guidelines.
Dieser Blog wurde verfasst von:
Dorothee
Rothfuß
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