Also bitte. In der letzten Ausgabe der W&V (Ausgabe 49/2012) habe ich einen Artikel zum Thema „Zukunft der Arbeit“ geschrieben. Anhand der fiktiven „Wissensarbeiter“ Sarah und Hannes ging es darum, wie wir in hochentwickelten Industrieländern 2020 Arbeiten werden. Der Artikel bezieht sich auf das Ergebnis der Arbeitsgruppe „Neue Arbeit“, die Teil des Internet & Gesellschaft Collaboratory war. Passend dazu liefert jetzt das Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung aktuelle Zahlen. In einem Kurzbericht stellen die IAB-Forscher Hans-Dieter Gerner und Frank Wießner eine Erhebung vor, nach der die so genannten Solo-Unternehmer inzwischen die Mehrheit der Unternehmen stellen. Das bedeutet, dass herkömmliche Arbeitsstrukturen zunehmend aufbrechen – nicht unproblematisch für Unternehmen.
Laut Microzensus des Statistischen Bundesamtes hat die Zahl der Solo-Selbstständigen 2000 erstmals die Zahl der Selbstständigen mit Mitarbeitern überflügelt und ist besonders zwischen 2002 und 2005 sprunghaft angestiegen. Das Szenario, dass die „Ohu“ (Maori für Arbeitsgruppe) "Neue Arbeit" des Collaboratorys erarbeitet hat, ist also nicht weit weg von der Wirklichkeit. Das Internet und die Digitalisierung machen es möglich, dass auch eine Einzelperson inzwischen ein ganzes Portfolio an Dienstleistungen zur Verfügung stellen kann. „Bei Bedarf können betriebliche Personalstrukturen durch Kooperation oder durch die virtuelle Vernetzung mehrerer Selbstständiger substituiert werden“, schreiben die IAB-Forscher Gerner und Wießner. Der technische Fortschritt begünstige auch die zunehmende Erwerbstätigkeit von Frauen: Diese sei häufig mit dem Wunsch nach mehr Flexibilität verbunden, um Beruf und Familie besser vereinbaren zu können. Frauen seien besonders häufig alleine selbstständig tätig.
Für Unternehmen sind derartige flexibilisierte Arbeitsstrukturen durchaus zwiespältig. Aus volkswirtschaftlicher und betriebswirtschaftlicher Sicht bedeutet das durchaus eine Chancen. Ressourcen werden frei, weil immer mehr der neuen Wissensarbeiter auf eigene Rechnung und Verantwortung arbeiten. Die stehen für neue Investitionen zur Verfügung. Aber: „Um in der hyperspezialisierten Speed-Economy bestehen zu können müssen Unternehmen sich vermehrt vom Wunsch nach detaillierter Excel-Kontrolle des Unternehmensgeschehens verabschieden. In vielen Situationen werden sich Kontroll- und Steuerungsbemühungen sogar als Hindernis für die Wettbewerbsgeschwindigkeit erweisen“, sagt Sebastian Schmidt, Managing Director von Publicis Berlin und Projektleiter der Ohu Neue Arbeit. Arbeitgeber stehen unter einem ständigen Entwicklungsdruck, weil eingeübte und bewährte Arbeitsprozesse neuen Lösungen Platz machen. Gerade bei begehrten Berufen müssen sie sich stark auf die Welt der Freelancer und deren Bedürfnisse einlassen, um sie für sich zu gewinnen.
Dieser Blog wurde verfasst von:
Raoul
Fischer
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