Langzeit-Studien in der Soziologie sind und waren eine Seltenheit - wer will schon Forschung über mehrere Jahrzehnte finanzieren? Aber es gibt da eine Untersuchung in den USA, die vor fast 100 Jahren begann, und ihr Ergebnis ist erstaunlich: Nicht die faulsten, sondern die fleißigsten Arbeitnehmer werden am ältesten.
Hin und wieder gab es Artikel über die Studie, die auch kritisch ihren ursprünglich eugenischen Ansatz beleuchteten, aber generell ist die Erhebung hierzulande kaum bekannt. Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung hat sie jetzt ausführlich gewürdigt. Die Fragestellung: Hält Arbeit jung oder leben Müßiggänger insgesamt besser und länger? Der Stanford-Psychologe Lewis Terman begann die Studie 1921. Er suchte etwa 1500, überdurchschnittlich intelligente, etwa zehn Jahre alte Jungen und Mädchen und befragte sie über Jahrzehnte. Nach seinem Tod 1956 führten mehrere Wissenschaftlergenerationen die Terman-Interviews mit den gelegentlich "Termiten" Genannten fort.
Momentan sind Howard Friedman und Leslie Martin von der University of California mit der Aufgabe betraut. Mit einem Buch fanden sie den Weg aus den Fachjournalen in die breite Öffentlichkeit. Nun erscheint der Titel beim Beltz Verlag in deutscher Sprache.
Die Forscher räumen mit gängigen Mythen auf: Beruflich Erfolgreiche starben nicht etwa den frühen Herztod, sondern lebten im Schnitt fünf Jahre länger als die Erfolglosesten. Dabei wurde beruflicher Erfolg aber nicht nur am Einkommen, sondern auch an der Zufriedenheit gemessen. Offenbar, so die Autoren, leben beruflich sehr Gewissenhafte ein besonders langes und gesundes Leben. Wer sich dagegen von Kindesbeinen an sehr undiszipliniert verhielt, lief Gefahr, noch vor dem 60. Lebensjahr zu sterben.
Dieser Blog wurde verfasst von:
Dorothee
Rothfuß
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