Gerade flammt sie wieder neu auf – die Diskussion, warum es Frauen immer noch so selten in die Chefetage schaffen. Nach einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) Berlin saßen auch 2011 in den Vorstandssesseln nur knapp drei Prozent Frauen. Möglicherweise hat dieses Missverhältnis auch etwas mit dem von Kindesbeinen eingeübtem Rollenverhalten zu tun. Der Kinder- und Jugendforscher Axel Dammler kommt jedenfalls zu dem Schluss: „Ungefähr die Hälfte unseres geschlechtsspezifischen Verhaltens ist angeboren, die andere Hälfte wird uns anerzogen.“ Fragt sich nur, welche.
Dammler, langjähriger Geschäftsführer beim Icon Kids & Youth Institut in München, hat seine beruflichen und privaten Erkenntnisse in einem spannenden Beitrag zur Gender-Debatte zusammengefasst. In „Rosa Ritter & Schwarze Prinzessinnen“ beschreibt der Vater zweier Töchter, was wirklich typisch männlich und typisch weiblich ist. Das Thema hat inzwischen sogar schon unsere Regierung erreicht. Sie hat, so Dammler, „Gender Mainstreaming“ zum offiziellen Politikziel in Deutschland erhoben. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend geht davon aus, dass Geschlechterrollen erworben, nicht angeboren werden. Mädchen und Frauen soll zur Gleichberechtigung verholfen werden. Doch nun neigt sich das Zünglein an der Waage. „Während die neuen Rollenmodelle offensichtlich den Nerv der Mädchen und jungen Frauen treffen“, weiß Dammler, „werden sie vom männlichen Geschlecht nicht wirklich angenommen.“ Der Versuch, aus kleinen Jungen kleine Mädchen zu machen, scheitert.
Männer – das zeigt sich auch später im Beruf - seien vor allem statusgetrieben, sagt Dammler, „während das Verhalten von Frauen durch ihre Beziehungsorientierung angetrieben wird.“ Wird aus den Jungs kein Fussballprofi, dann werden sie eben Chefs – immer geht es um einen mit großer Ernsthaftigkeit ausgefochtenen Wettbewerb. Mädchen und Frauen, so der Forscher, wollen dagegen Wettbewerb innerhalb der Gruppe vermeiden. Aber an diesem Frauenbild tut sich etwas. „Disney & Co verwöhnen uns in letzter Zeit mit starken Frauen, die ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen“, sagt Dammler. Die schlagkräftige, ironisch überzeichnete Rapunzel etwa. Heute spielen die Medien in „modernen Märchen“ mit Geschlechterklischees. Aber Figuren wie Prinzessin Lillifee oder Spiderman verfestigen gleichzeitig geschlechtsspezifisches Verhalten.
Die junge Zielgruppe liebt Axel Dammler, soviel steht fest. Kaum habe ich das neue Buch des Jugend- und Sozialforschers auf meinen Schreibtisch gelegt, ist es auch schon verschwunden. Der auffällige pink-schwarze Umschlag erzielt die beabsichtigte Wirkung. „Das will ich lesen, Mama“, sagt die 8-Jährige, die täglich in der Schule gegen eine Armada machohafter Jungen kämpft. Heute hat sie einen Jungen, der sie herausforderte, gegen das Ranzenregal getänzelt. Er stand mit dem Rücken zur Wand. Vielleicht wird ihre Generation die Chefsessel ganz selbstverständlich erobern.
Axel Dammler, der nach eigenem Bekunden die weiblichen Kernkompetenzen wie Multitasking und Kommunikationsfähigkeit schätzt, hat ein lustiges, ein nachdenkliches Buch geschrieben. Die Geschlechterfrage ist nicht so einfach zu lösen. Wir wollen keine kampfbetonten Chefs, aber auch keine untergebutterten Kollegen. Ein Dilemma. Geht es nach Dammler, so sollte man die „Balance finden zwischen Wettbewerbsfähigkeit, einem gesunden Egoismus und Mut zur Individualität einerseits sowie die Fähigkeit zur Integration und Kooperation andererseits.“ Also, Kolleginnen und Kollegen, auf geht’s.
Axel Dammler: Rosa Ritter & Schwarze Prinzessinnen, Gütersloher Verlagshaus, 2011
Dieser Blog wurde verfasst von:
Dorothee
Rothfuß
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