| | von Judith Pfannenmüller

"Anti-Läster-Erlass": dapd-Mitarbeiter dürfen im Social Web nicht mehr über die Konkurrenz herziehen

dapd-Chefredakteur Cord Dreyer hat in einer internen E-Mail einen "Anti-Läster-Erlass" für Äußerungen in sozialen Netzwerken an die Mitarbeiter der Nachrichtenagentur verschickt. In der E-Mail, die dem W&V-Schwestertitel "Kontakter" vorliegt, schreibt Dreyer: "Es ist den dapd-Mitarbeitern untersagt, Kollegen von anderen Nachrichtenagenturen Fehler vorzuhalten, sie lächerlich zu machen oder sie sonst wie zu verunglimpfen. Es ist den dapd-Mitarbeitern auch nicht erlaubt, Entscheidungen und Verlautbarungen konkurrierender Unternehmen abschätzig zu kommentieren."

Der dapd-Chefredakteur beobachtet in Netzwerken wie Twitter eine "Subkultur des Schlechtmachens von Kollegen". Selbst leitende Mitarbeiter anderer Unternehmen mokierten sich öffentlich über angebliche Fehlleistungen von konkurrierenden Agenturen. Dreyer bezieht sich vermutlich auch auf Internetkommentare wie zum Beispiel die des AFP-Geschäftsführer Clemens Wortmann. Der hatte den kürzlich publizierten Daimler-Deal der dapd zum Beispiel mit den Worten kommentiert: "Etwas Besonderes ist das nicht." Die offizielle dpa-infoline hatte im Juni getwittert: "Wow, @dapd kann mit EM-Ticker in die Zukunft schauen" -  ein dapd-Kunde hatte versehentlich einen Blindtextentwurf der Agentur für das Endspiel ins Netz gestellt. Dreyer fürchtet, dass sich Mitarbeiter einmal durch einen provozierenden Tweet zu unerwünschten Dialogen hinreißen lassen könnten.

Ein Maulkorb für Äußerungen in sozialen Netzwerken soll das Lästerverbot allerdings nicht sein. Die Mitarbeiter dürften in Foren durchaus „leidenschaftlich und kontrovers diskutieren und Meinungen austauschen,“ schreibt Dreyer. Die journalisitische Leistung der Mitbewerber müsse dabei aber geachtet werden, ebenso wie eine Grundhaltung für einen fairen Wettbewerb. dapd wehre sich jedoch auch wenn fairer Wettbewerb verhindert werden soll. Der Leiter Netzwelt der dapd, Daniel Bouhs, hat den Mitarbeitern einen Leitfaden zum Umgang mit sozialen Medien zur Verfügung gestellt.

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