Amazon wirbt für Kindle Unlimited.
Amazon wirbt für Kindle Unlimited. © Foto:Amazon

Abos | | von Deutsche Presse-Agentur

Buch-Flats: Nicht so erfolgreich wie Netflix

Netflix und Spotify kennt jeder, aber wer hat schon mal von Skoobe gehört? Während Nutzer immer selbstverständlicher ein Bezahl-Abo abschließen, um Serien oder Musik unbegrenzt streamen zu können, haben es ähnliche Modelle für Bücher noch schwer.

Nach einer Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) nutzten im ersten Halbjahr 2015 etwa 1,4 Millionen Deutsche Bezahl-Abos für Bücher wie Skoobe (Bertelsmann und Holtzbrinck) oder Kindle Unlimited (Amazon). Sie gaben dafür 30 Millionen Euro aus - das ist wenig verglichen mit 1,6 Milliarden Euro, die im selben Zeitraum für Print-Bücher ausgegeben wurden. Ganz anders sieht es in der Musikbranche aus: Dort machten Streamingdienste im ersten Halbjahr 2015 schon 12,8 Prozent des Umsatzes aus.

Woran liegt das? Schon der Download einzelner E-Books sei ja kein Riesen-Erfolg gewesen, sagt Wirtschaftsinformatiker Thomas Hess von der Ludwig-Maximilians-Universität München. E-Books hätten zwar ein paar Vorteile. So könne man etwa eine größere Schrift einstellen und spare auf einer Reise Gepäck. Aber man müsse auch ein Endgerät haben und für einen Streamingdienst zumindest zwischendurch immer wieder online sein.

Ähnliche Vor- und Nachteile gebe es zwar auch bei Musikdiensten. Die Zielgruppe sei dort aber affiner für Streaming-Angebote, sagt der Experte. Außerdem tauschten sich Musikhörer gerne aus. Für solche Diskussionen und Empfehlungen untereinander eigneten sich soziale Features eines Streaming-Dienstes. "Das wird bei Literatur eher nicht so viel gemacht."

Aus Sicht der Verlage sei zudem die Verwaltung der Rechte bei gestreamten E-Books wesentlich komplexer als bei Printausgaben, sagt Hess. Oliver Pux vom Aufbau Verlag gibt außerdem zu bedenken, dass der Buchmarkt eher traditionell geprägt sei. "Die Liebe zum gedruckten Buch ist groß." Die Digitalisierung sei in der Buchbranche erst spät angekommen.

Hinzu kommt: Den Musik-Streamingdienst Spotify etwa gibt es nicht nur als Bezahl-Abo. Nutzer können Musik auch kostenlos anhören, wenn sie dafür Werbeunterbrechungen in Kauf nehmen. Mit einem solchen abgestuften Preis-Modell könne man sehr viele Leute ansprechen, von denen dann vielleicht einige auf das kostenpflichtige Angebot umschwenkten, sagt Hess.

Bei Büchern setzt der Dienst Readfy auf dieses Modell. Am oberen Rand jeder Buchseite erscheint ein Werbebanner, zwischendurch sind ganzseitige Anzeigen eingefügt. Für das Frühjahr kündigte das Unternehmen daneben ein Bezahl-Modell an. Bei Skoobe soll es keine werbefinanzierte Version geben. "Für uns ist das nichts", sagt Geschäftsführerin Constance Landsberg. Werbung würde zu sehr aus dem Lesefluss herausreißen. Das sei anders als bei Musik, die man auch mal im Hintergrund höre, so dass Werbung nicht weiter störe.

Ein weiterer Nachteil der Buch-Streamingdienste: Sie sind bisher nicht besonders aktuell. Die Titel der Spiegel-Bestsellerliste für Belletristik gibt es sowohl bei Skoobe als auch bei Kindle Unlimited oder Readfy selten. Es hänge vom Verlag ab, wann ein Buch in ihrem Dienst verfügbar sei, sagt Landsberg. Manche Bücher gebe es sofort, andere erst nach drei bis sechs Monaten oder einem Jahr. Häufig sei das eben wie bei Filmen: "Erst kommt das Kino, dann die DVD."

Der Aufbau Verlag biete Neuerscheinungen derzeit nicht über Streamingdienste an, weil die Erlöse bisher zu gering seien, sagt Digital-Leiter Pux. Und auch der Verlag Bastei Lübbe hat nur ältere Titel bei Skoobe und Kindle Unlimited im Programm, obwohl sich Vorstand Klaus Kluge sicher ist: "Richtig erfolgreich werden Buch-Streamingdienste erst sein, wenn es dort auch aktuelle Titel gibt." Warum sein Verlag Neuerscheinungen trotzdem nur an klassische Buchläden gibt? Man habe ein großes Interesse daran, die Struktur des Buchhandels zu erhalten.

Das hindert Bastei Lübbe nicht daran, einen eigenen Streamingdienst aufzubauen. Kluge ist sich sicher, dass junge Menschen auf ein vernünftiges Angebot schnell anspringen werden. "Das sieht man an Netflix und Spotify." Der Wirtschaftsinformatiker Hess ist etwas vorsichtiger: Streaming-Dienste für Bücher würden in Zukunft tendenziell mehr genutzt werden. "Das wird aber nicht dasselbe Level wie bei der Musik erreichen."

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