Crowdsourcing bei "unserAller": "Der schwierigste Spagat ist, Unternehmen und Community zufrieden zu stellen"
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| | von Franziska Mozart

Crowdsourcing bei "unserAller": "Der schwierigste Spagat ist, Unternehmen und Community zufrieden zu stellen"

Badezusatz, Senf, Dressing, Duchgel – nicht gerade die emotionalsten Produkte sind es, die bislang von der unserAller-Community entwickelt wurden. Und doch beteiligen sich durchschnittlich 2.700 Teilnehmer mit dem Entwicklungsprozess auf Facebook – kostenlos. Sie befassen sich mit den Produkten, geben ihre Vorstellungen Preis, suchen das beste Mischungsverhältnis vom Duschgel und kommunizieren ihre Teilnahme bei Facebook. Die Plattform, auf der dieser Mix aus Produktentwicklung, Marktforschung und Marketing stattfindet, wurde vor einem Jahr von vier ehemaligen TU-München-Studenten gegründet. Inzwischen ist die Digital-Agentur Webguerillas bei dem Start-up eingestiegen. Eine der Gründerinnen ist Catherina van Delden; W&V Online hat mit ihr gesprochen.

Die Community von unserAller hat derzeit rund 11.000 Mitglieder, die nicht besonders viel dafür bekommen, dass sie sich an der Produktentwicklung beteiligen. Was ist die Motivation für sie, da mitzumachen?
Wir wollen, dass man mitmacht, weil es Spaß macht. Und vielleicht auch, weil man etwas großes Ganzes verfolgt, sich nicht nur gefallen lassen will, dass es Produkte gibt, sondern Produkte beeinflussen will. Im Gegensatz zu anderen Ideen-Plattformen gibt es bei unserAller nicht einen Gewinner, es ist die ganze Community, die das Produkt zusammen entwickelt.

Die aktivsten Teilnehmer bekommen im Laufe des Projektes ein Prototypenpäckchen, am Ende gibt es das fertige Produkt für ausgewählte Mit-Entwickler. Ist das nicht etwas wenig dafür, dass sie ihre Ideen und ihre Zeit da reinstecken?
Unser Ziel ist es, dass alle, die das Produkt mit beeinflusst haben und ihre Zeit investiert haben, etwas davon haben. Wenn nur ein Einzelner den Haupt-Preis bekäme und alle anderen leer ausgehen, fände ich das als Teilnehmer nicht fair. Wenn man bei einem Produkt mitentwickelt hat, bekommt man zum Beispiel immer im unserAller-Shop bis zu 20 Prozent Rabatt - auch noch Jahre nach Abschluss des Projektes.

Die Entwicklung findet ja nicht im Hinterstübchen eines Marktforschungsinstituts statt, sondern allseits zugänglich auf Facebook. Was bedeutet das für die jeweilige Marke, muss ein Unternehmen da nicht recht viel Kompetenz abgeben?
Das ist immer der schwierigste Spagat bei einem Projekt: dass am Ende sowohl das Unternehmen als auch die Community mit dem Produkt zufrieden sind. Denn natürlich muss das Produkt zur Marke passen, aber gleichzeitig sollen die Teilnehmer auch wirklich das Gefühl haben, am Entwicklungsprozess beteiligt gewesen zu sein. Die Hauptkompetenz bei der Entwicklung liegt beim Unternehmen und die wenigsten Nutzer wollen ja auch tatsächlich ein Rezept für Senf ausarbeiten. Die sagen vielleicht, wir hätten gerne einen Pflaumensenf, wollen aber keine komplette Zutatenliste erstellen. Ähnlich ist es beim Etikett. Da soll jeder mitmachen können, der will, auch wenn es nur ein handgezeichnetes Bild ist. Aber das Unternehmen passt das dann an die jeweilige CI an. Deswegen sehen die Produkte immer etwas anders aus als der Gewinnervorschlag. Aber das ist auch von vornherein klar.

Wo verorten Sie Ihr Unternehmen eigentlich? Eher in der Entwicklung oder im Marketing? Kürzlich sind ja auch die Webguerillas als Minderheitengesellschafter bei Ihnen eingestiegen.
Wir vier Gründer kommen eher aus der Entwicklung. Ich persönlich habe aber auch einen Marketing-Hintergrund und den hatte auch unser Unternehmen von Anfang an. Allerdings haben wir unsere Produkte und Dienstleistungen anfangs eher auf die "Entwicklung gemeinsam mit Konsumenten" ausgerichtet. Unser ursprünglicher Ansatz war, Produkte zu verbessern. Welches Marketing-Potential dahinter steckt, haben wir erst später gemerkt. Und nachdem Unternehmen auch schon angefragt haben, ob wir nicht auch die passende Kampagne zu einem UnserAller-Projekt liefern können, war der Einstieg von den Webguerillas jetzt genau richtig.

Ein weiteres Konkurrenzfeld dürfte die Marktforschung sein.
Ja. Allerdings sagen wir nicht, dass es statistisch relevant ist, was die Teilnehmer bei uns sagen. Es ist also höchstens qualitative Marktforschung. Wir wissen auch nur recht wenig von unseren Usern. Man soll nicht das Gefühl haben, erst zahlreiche Daten preisgeben zu müssen, bevor man mitmachen kann. Fest steht aber, dass es momentan viele Frauen sind, die teilnehmen, was sicher auch an den Produkten liegt.

Die Projekte auf unserAller haben immer mehrere Stufen und dauern recht lange. Damit kommt dieses Angebot sicher eher für größere Unternehmen in Frage.
Gerade entwickeln wir eine neue Technik, mit der auch kleine Unternehmen Produkte mit der Community zusammen kreieren können, das geht dann stark in Richtig Marketing und Kundenbindung.

Welche Unternehmen haben Sie da im Blick?
Die Eisdiele um die Ecke oder der Pizzabäcker kann künftig auf Facebook seine Pizza der Woche entwickeln lassen. Vorstellbar ist, dass es dann für die Teilnehmer Rabatte gibt, und so die Kundenbindung erhöht wird. Das ist über eine sehr abgespeckte Form der unserAller-App möglich, die es demnächst kostenlos geben wird. Zudem planen wir weitere Versionen für 50 bzw. 300 Euro monatlich mit zusätzlichen Features. Da übernimmt das Unternehmen aber inhaltlich die komplette Betreuung.

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