"Eine Social Community ist keine Werbe-Zielgruppe"
Nick Blunden, Publisher von "The Economist Online", erklärt, warum das Wirtschaftsmagazin auf online setzt und was er sich für 2012 vorgenommen hat.
Nick Blunden ist Publisher von "The Economist Online". Im W&V-Interview erklärt Blunden unter anderem, wie das Wirtschaftsmagazin Social Media einsetzt und welche Ziele die Plattform für 2012 anpeilt.
Herr Blunden, was haben Sie sich für 2012 vorgenommen?
Nick Blunden: Es gibt neue Versionen unserer digitalen Ausgaben auf Plattformen wie HTML 5 oder Blackberry. Die für Android wird für eine größere Oberfläche angepasst. Außerdem wollen wir eine neue Version unserer App herausgeben mit neuen Features. Und Economist.com soll bis Ende 2012 zehn Millionen Unique User pro Monat erreichen: Dafür gibt es einige neue Community-Angebote mit Blick auf Kommentare, Debatten und die Integration in Social Networks.
Was macht Sie so zuversichtlich für das Digital Business?
Wir haben im vergangenen Jahr 100.000 zahlende Abonnenten für unser digitales Angebot gewonnen. Letztes Jahr um die gleiche Zeit waren es nur einige tausend. Unsere App ist seit dem Start im Oktober 2010 über drei Millionen mal heruntergeladen worden, und verzeichnet monatlich eine Million aktive Nutzer. Die Webseite hat im November die Marke von acht Millionen Unique Usern geknackt. Wir erreichen hier eine neue Leserschaft: Die digitale ist schon heute fünfeinhalb mal größer als die der Print-Ausgabe. Da deutet sich gerade ein Umbruch an.
Wie sieht es aus mit den Einkünften aus – spiegelt sich der rasante Online-Zuwachs da wieder?
Dieses Geschäftsjahr wird der größte Teil unserer Einkünfte immer noch aus dem Printbereich kommen. Aber: Mit den 100.000 Digital-Abonnenten und den Werbe-Einkünften von der Webseite könnte Digital 2012 etwa 10 Prozent unserer Einkünfte ausmachen. Auf lange Sicht wird dieser Anteil dramatisch steigen. Print beginnt gerade zu wackeln, weil die Zahl der Abonnenten, die von Print zu Digital wechseln, langsam steigt.
Welche Rolle spielt die Werbevermarktung?
Auch diese ist in Print unbeständiger als im Online-Bereich. Unser Online-Ergebnis wächst seit drei bis vier Jahren jedes Jahr um rund 20 Prozent. Aber wir haben ein Multi-Channel-Geschäft. Wir müssen unseren Werbekunden die Möglichkeit bieten, ihre Zielgruppen crossmedial über die verschiedenen Kanäle zu erreichen inklusive Konferenzen oder Forschungs-Projekte. Auch das ist für Werbekunden interessant.
Wie nutzen Sie Social Media?
Wir haben 1,5 Millionen Follower auf Twitter und 900.000 Fans auf Facebook. Denen bieten wir kostenlose Inhalte von der Webseite wie Debatten, Blogs oder Foren. Für uns ist da auch der Image-Effekt wichtig: So wie Menschen früher die Zeitschrift unter dem Arm hatten, zeigen sie heute auf Facebook, dass sie Economist-Leser sind. Das führt uns wiederum bei neuen Lesern ein. Übrigens auch ein interessanter Aspekt für Werbekunden. Wenn wir eine Debatte zu einem Thema auf unserer Facebook-Seite starten, kann eine Marke sich in dem Umfeld präsentieren.
Sie monetarisieren ihren Facebook-Auftritt?
Sehr vorsichtig. Eine Social Community ist keine Werbe-Zielgruppe. Wer da präsent sein möchte, muss unseren Followern oder Fans einen echten Mehrwert bieten. Das geht eher über Inhalte.