Dazu kann man spekulieren, man muss es aber rechnen. Ich sehe Chancen, die Kosten-Umsatz-Relation zu verbessern. Einerseits durch deutliche Kostenreduktion bei den Inhalten, andererseits durch deutliche Erlössteigerung durch moderne, nachfragegetriebene und teilautomatische Content-Prozesse, die den Traffic maximieren. Das Problem dürfte aber sein, dass der deutsche Markt nur rund ein Fünftel so groß ist wie der englischsprachige, dementsprechend sind die Werbeeinnahmen geringer. Und die Preise für Display-Werbung fallen weiter, da muss man also ein bisschen intelligenter rangehen, z.B. durch E-Commerce oder eine Produktfamilie mit Paid-Content-Geschwistern, und genau das sehe ich bei der Huffington Post nicht. Es sieht auch ein bisschen wie eine Jung-BWLer-Kopfgeburt aus, eine Marke zu implementieren, die in Deutschland nur Medienleute kennen und deren Story für Laien total langweilig, wenn nicht gar halbseiden ist. Genau das sehen wir ja gerade bei der "Wired", die steht nur in der Internetgemeinde für etwas. Meine Mutter wird jedenfalls "Huffington" für eine Zubereitungsart von Rindfleisch halten. Und Reichweitenmaximierung, indem man ganz konsequent "social" ist, das ein Thema, bei dem viele deutsche Angebote einfach im letzten Jahrzehnt steckengeblieben sind. Wer hat denn in den letzten Jahren in Deutschland einen Innovationssprung gemacht?

Die Huffington Post setzt ja bekanntlich auf kostengünstigen Blogger-Content. Hat das Zukunft?

Soziale Anerkennung ist ein Grundbedürfnis jedes Menschen. Es gibt immer noch zigtausende Menschen, die einigermaßen schreiben können, interessante Inhalte zu vermitteln haben und – bei Reorganisation redaktioneller Prozesse wie Team-Writing – auch gut ankommen. Einige bekanntere Leute haben ja auch schon angekündigt, dass sie für Huffington schreiben würden, und ich lese den einen oder anderen Blogbeitrag auch als unverhohlene Bewerbung. Das funktioniert für Huffington Post aber nur, solange die Marke den Autoren Anerkennung bringt, und da sehe ich gerade in Deutschland ein Problem. Ich weiss ehrlich nicht, wie das zu stemmen sein soll, wenn man Spiegel Online schon als zu boulevardesk angreift. Ein Niveau, das leicht oberhalb von "Bild" liegt, nennen wir es Normalnull, ist als Referenz für keinen Autor zu gebrauchen.

Würden Sie einem Blogger empfehlen, für die Huffington Post zu arbeiten? Und würden Sie es selbst tun?

Nein, ich lehne das prinzipiell ab. Ich habe vom ersten Tag an ein Störgefühl bei diesem Geschäftsprinzip, und nach längerem Nachdenken habe ich auch den Grund gefunden. Die Huffington Post bietet den Autoren nur eines, nämlich das, was die Autoren selber schaffen, nämlich die Aufmerksamkeit. Ich bin kein Antikapitalist, aber da hört für mich der Spaß auf: Wenn die Arbeiter außer ihrer Arbeit auch noch das wichtigste Produktionsmittel außer den eigenen Inhalten kostenlos mitbringen sollen. Aber, das ist leider umgekehrt auch wahr, wer sich selbst nichts zutraut, lässt sich eben vor den Karren anderer spannen, bis er sich aus dem Zaumzeug befreit, dass er sich anlegen ließ. Und wenn man mal ganz genau hinsieht, gibt es auch namhafte deutsche Verlagsangebote, die in ihren Communities Autoren kostenlos schreiben lassen, darüber schweigt man aber.


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Autor: W&V Redaktion

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