"Shades of Grey" im Kirchen-Shop: Wie Weltbild mit dem SM-Bestseller umgeht
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| | von Anja Janotta

"Shades of Grey" im Kirchen-Shop: Wie Weltbild mit dem SM-Bestseller umgeht

"Die hier beschriebene Unterwerfung der Frau widerspricht dem Welt- und Menschenbild, von dem wir uns als Buchhändler leiten lassen. Wir sehen das Buch als sehr problematisch an" - mit diesem Warnhinweis  in seinem Online-Shop Buchhändler versieht Weltbild die Produktbeschreibung des erotischen E-Book-Bestsellers "Shades of Grey". Die Trilogie ist zwar im Sortiment zu finden, aber vom Kauf der pikanten Literatur rät der Buchhändler seinen Kunden dringend ab. Dazu werden in einer langen Produktbeschreibung Kritiker bemüht, die bislang das E-Book-Phänomen verrissen haben. Auch die Weltbild-Leser hätten diese Meinung bestätigt: "Und wir erfahren, dass diese Einschätzung von vielen Leserinnen und Lesern genauso geteilt wird." Konterkariert hingegen werden diese Behauptungen gleich beim Scrollen: Die Kunden-Rezensionen hingegen sind nämlich überwiegend positiv.

Gegenüber W&V Online betont Sprecherin Eva Großkinsky, dass das Random-House-Buch omnipräsent sei im gesamten Markt. "Diese Präsenz entzieht sich unserer Einflussnahme. Wir wollen als Weltbild nichts tun, die Verbreitung dieses Titels zu fördern." Auch sie unterstrich noch einmal das - aus Sicht von Weltbild - problematische Frauenbild. "Deshalb distanzieren wir uns als Buchhändler inhaltlich von diesem Titel und geben kritischen Stimmen Raum. Wer allerdings das Buch in Kenntnis dieser Problematik erwerben will, kann dies über eine gezielte Suche im Onlineshop tun oder es in der Filiale bestellen."

Weltbild, das zwölf katholischen Bistümern gehört, hatte in der Vergangenheit mehrfach Sorgen mit erotischer Literatur im eigenen Sortiment. Im November vergangenen Jahres hatten die Skandale sogar dazu geführt, dass die Gesellschafter über einen Verkauf nachdachten. Erotik wurde zunächst aus den Regalen und dem Online-Shop verbannt. Im Juni  wurde allerdings publik, dass Weltbild weiterhin in katholischer Hand bleibt - eine  Stiftung soll Eigentümer des Verlags werden. Nach Informationen der "FTD" wächst innerhalb des Verlages des Unmut, dass der Verlag "Shades of grey" immer noch zum Verkauf anbietet. 

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