| | von Ralph-Bernhard Pfister

WSJ.de-Chefredakteur Knut Engelmann: "Wir sind kein deutsches Medium, sondern ein deutschsprachiges."

Anfang Januar ging das deutsche Wall Street Journal als reiner Digital-Player live. Chefredakteur Knut Engelmann zieht im Gespräch eine erste Bilanz, wie Leser und Markt Wallstreetjournal.de annehmen. Und wie die Site sich von Handelsblatt und FTD unterscheidet.

Herr Engelmann, der Startschuss für das Wall Street Journal Deutschland fiel zum Jahresbeginn. Genug Zeit für ein Zwischenfazit: Ist der Start geglückt?

Ja, mehr als geglückt. Wir liegen über unseren Zielen, was Reichweite und ähnliche Daten angeht. Auch das Interesse der Werbekunden ist höher als wir erwartet haben. Konkrete Zahlen kann ich aber noch nicht nennen. Ich glaube schon, dass viele auf uns schauen – auch die Konkurrenz.

Als reiner Online-Player stellen Sie für die anderen auch einen Testballon dafür dar, wie gut Paid-Content-Konzepte funktionieren.

Natürlich. Wir sind angetreten mit einem Premium-Modell – für hochwertige Inhalte müssen Sie auch online zahlen. Damit ist das Wall Street Journal im angelsächsischen Raum erfolgreich und macht Gewinne. Das wollen wir auch in Deutschland durchsetzen. Für mich stehen bei Paid Content drei Aspekte im Vordergrund: Sie brauchen eine globale Marke, eine internationale Perspektive und hohe Qualität. Das zeigt schon, dass dieses Modell im deutschen Markt für viele schwierig umzusetzen sein dürfte.

Sie verfolgen mit den ersten beiden Aspekten fast die gegenteilige Ausrichtung zu Verlagen wie Axel Springer, die eher die Stärken bei regionalen Inhalten sehen und diese kostenpflichtig machen.

Nicht unbedingt. Verschiedene Verlage werden verschiedene Modelle entwickeln müssen. Es läuft im Kern darauf hinaus, dass Sie ein klares Profil und ein klares Alleinstellungsmerkmal haben. So lange Sie als Verlagshaus aber Ihren Online-Auftritt als Zweitverwertung ansehen oder als „billigen“ Teil, werden Sie im Paid-Content-Bereich nicht erfolgreich sein können. Dann versuchen Sie nur, den Print-Bereich zu schützen. Wenn der Content nicht hochwertig ist, wird auch niemand dafür bezahlen.

Werden Ihre Bezahlinhalte denn angenommen?
Absolut. Für konkrete Zahlen müssen Sie sich aber noch gedulden.

Sie sprechen vom Alleinstellungsmerkmal. Gibt es denn eine Wall-Street-Journal-typische Charakterisierung, um sich von den anderen abzugrenzen?
Ja, die internationale Perspektive. Wir machen oft auch mit internationalen Themen auf, die bei deutschen Medien nicht oben stehen würden. Da wird dann aus Facebook, Apple oder China auch mal ein Aufmacherthema, das die anderen gar nicht in der Tiefe und Qualität bieten können. Und deutsche Themen werden international eingeordnet. Wir sind kein deutsches Medium, sondern ein deutschsprachiges. Meine Redaktion hier mag kleiner sein, aber dafür habe ich 2000 Auslandskorrespondenten. So sprechen wir Marktsegmente an, die bislang nicht bedient wurden.

Braucht diese international ausgerichtete Zielgruppe dann aber wirklich ein deutschsprachiges Medium?
Ja. Das zeigt auch das Feedback, das wir erhalten. Bei anspruchsvollen Texten und speziellen Fachbereichen wollen die Nutzer dann doch eher deutsche Texte lesen.

Inhaltlich kam als neues Format etwa der CEO des Monats hinzu. Wo geht die Reise noch hin?
Für uns geht es darum, uns weiter zu etablieren. Das Basis-Team steht. Im nächsten Schritt wollen wir auch noch mehr Leute finden, die mit eigener Stimme und eigenen Themen unsere Stimme noch weiter verstärken können.

WSJ.de-Chefredakteur Knut Engelmann: "Wir sind kein deutsches Medium, sondern ein deutschsprachiges."

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