Adrian Rosenthal schreibt über die SXSW.
Adrian Rosenthal schreibt über die SXSW. © Foto:MSLGroup

Gastbeitrag von Adrian Rosenthal | | von einem W&V Leserautor

Zwischen Reeperbahn und German Haus: Die SXSW 2016 aus deutscher Sicht

Seit Sonntag ist die SXSW 2016 nun vorbei – und damit fängt eigentlich jetzt erst die Zeit richtig an, alle Eindrücke, Gespräche und Workshops in Ruhe zu verarbeiten. Im Rückblick fällt jetzt schon auf: die deutsche Präsenz in Austin schien dieses Jahr stärker zu sein. Ähnliches hatte Richard Gutjahr letzte Woche ja schon drüben bei Meedia konstatiert. Doch es waren nicht nur die Chefredakteure, es waren insgesamt mehr Teilnehmer, Startups und Firmen aus Deutschland vor Ort. Zeit also für einen kleinen SXSW-Reisebericht aus deutscher Perspektive

Die deutsche SXSW-Delegation und das German Haus

900 Teilnehmer, Hunderte Reeperbahn Burger, zwei Preise, ein German Haus: Die deutsche Delegation auf der SXSW war 2016 auch in nackten Zahlen und nicht nur gefühlt so stark wie noch niemals zuvor. Im Vergleich zum Vorjahr waren damit knapp 30 Prozent mehr Teilnehmer aus Deutschland am Start. Zentraler Anlaufpunkt für viele während der SXSW war wie immer das German Haus, das wie die letzten Jahre auch in einem schicken alten Holzhaus in der Nähe des Convention Centers untergebracht war.

Das German Haus wurde dieses Jahr bereits zum siebten Mal hintereinander ausgerichtet (inklusive eines Standes auf der Trade Show) und gemeinschaftlich von der deutschen Kultur- und Kreativbranche gestemmt – unter Federführung der Initiative Musik und unter Beteiligung mehrerer Bundesländer. "Wir hatten jeweils 2.000 – 3.000 Besucher pro Tag, im Vorjahr nur knapp die Hälfte. Das Konzept, mit starken Talks und Pitches auch schon am Vormittag beim Publikum zu punkten, ist also aufgegangen", so Michael Wallies, Sprecher der Initiative Musik, in seinem Fazit.

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Foto: Adrian Rosenthal

Aktives Eintauchen in die Virtuelle Realität

Unter dem Motto "Wunderbar Germany at SXSW" fand im German Haus dann inhaltlich quasi eine SXSW im Kleinen statt: Mehr als 100 Speaker und Panelisten diskutierten in mehr als 30 Veranstaltungen über die Trends, die den Interactive-Teil der SXSW bestimmten: Virtual Reality, AI, das Internet of Things, aber auch neue Ideen rund um das Thema Smart Cities. Es wurde aber nicht nur drüber geredet, man konnte im German Haus auch aktiv neue Technologien ausprobieren. Zum Beispiel Icaros, eine VR-Fitness-Flugmaschine, in München entwickelt und im April auf den Markt kommend. Durch die VR-Brille entsteht der Eindruck, man fliege durch eine virtuelle Landschaft. Das Steuern erfolgt jedoch über den eigenen Körper – und kostet einiges an Energie.

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Foto: Adrian Rosenthal

 

Zwei Preise für deutsche Startups

Überhaupt waren deutsche Unternehmen auf der SXSW 2016 überall zu finden – nicht nur im German Haus. Der Roboter-Hersteller Kuka mit Hauptsitz in Augsburg zum Bespiel war auf der SX Create vertreten, wo es vor allem um Hardware und DIY, also ums Selbermachen mit digitalen Hilfsmitteln, ging. Da die SXSW inhaltlich auch von Robotern und Diskussionen rund um Künstliche Intelligenz geprägt war, schaute am Stand von Kuka auch gleich ein anderer Roboter vorbei, der zu diesem Thema einiges sagen konnte:

Zwei Auszeichnungen verdeutlichten zudem auch, dass Unternehmen aus Deutschland dieses Jahr stärker im offiziellen Programm der SXSW vertreten waren. Das Startup Splash aus Berlin gewann den begehrten Gründerpreis in der Kategorie Virtual Reality. Mit der App von Splash lassen sich 360°-Videos direkt mit dem Smartphone aufnehmen und dann über soziale Netzwerke direkt teilen.

Ich konnte mir die App bei einem Networking-Event von Upload VR zum Thema Virtual Reality direkt angucken und mit den Gründern sprechen. Dort fanden sie mit dem VR-Vordenker Robert Scoble auch direkt einen wichtigen und prominenten Fürsprecher. Neben Splash waren noch die Startups Spherie aus Hamburg, die eine VR-Drone entwickelt haben, und Basslet aus Berlin  (mit einem Armband, das Musik fühlbar machen will), nominiert, die aber leider leer ausgingen. Der zweite Preis ging an Share the Meal, ebenfalls in Berlin ansässig. Die App der Vereinten Nationen, über die mit einem einfachen Klick Mahlzeiten für hungernde Kinder gespendet werden können, bekam den Innovationspreis in der Kategorie "New Economy" verliehen.

Warum es sich lohnt (auch mal länger zu bleiben)

"Die SXSW ist perfekt, um Unternehmer, Vordenker, Künstler, Investoren und andere interessante Leute an einem Ort zu treffen, um mit ihnen über zukünftige Projekte zu sprechen. Jeder trägt was bei, jeder will ständig Ideen vorantreiben.“ So fasst Naomi Owusu vom Startup Tickaroo ihre erste SXSW zusammen. Denn auch wenn man keinen Preis gewinnt – und auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole: Es geht wirklich um die Leute vor Ort, durch diese nimmt man die ganzen Inspirationen mit, die man nun im Anschluss verarbeitet.  Denn sie sind es, die die Ideen und Technologien umsetzen und erklären - zumindest momentan noch, das Thema künstliche Intelligenz wurde ja breit diskutiert, auch von sprechenden Robotern.

Alexander Peiniger vom Social Analytics-Anbieter Quintly kommt zu einem ähnlichen Urteil. Auch er war dieses Jahr das erste Mal in Austin und hat unter anderem an einem Panel zum Thema Big Data teilgenommen: "Die SXSW ist definitiv keine Vertriebsmesse. Es geht darum, neue Eindrücke zu sammeln, einen Einstieg in neue Trends und Themen zu bekommen. Die Qualität der Teilnehmer und der Sprecher ist wirklich größer als bei anderen Veranstaltungen. Ich plane auf jeden Fall, nächstes Jahr wiederzukommen."

Dann lohnt es sich vielleicht auch einmal drüber nachzudenken, die komplette SXSW zu bleiben. Der gesonderte Track zum Thema Virtual Reality fand dieses Jahr erst nach dem Interactive-Teil statt. Und auch bei den Veranstaltungen zum Thema Gaming und Musik dominiert digital, dort geben mittlerweile Firmen wie Tumblr oder Spotify den Ton an. Dazu Con Koehncke, Marketing-Chef Native Instruments aus Berlin:

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"Die verschiedenen Elemente der SXSW verschmelzen eigentlich immer mehr miteinander. Alles wird digitaler, die Vermarktung, die Musikproduktion. Virtual Reality hat riesiges Potential für Musik und Gaming. Von daher mein Aufruf an alle: Bleibt doch nächstes mal noch ein paar Tage länger. Es lohnt sich."

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Diesem Appell kann ich mich nur anschließen.

PS: Das Selfie mit Grumpy Cat hat leider nicht geklappt. Die Schlange war einfach zu lang. Ich muss also nächstes Jahr wieder nach Austin fliegen.

Der Autor: Adrian Rosenthal ist Head of Digital & Social Media bei MSLGroup Germany. Er ist dieses Jahr zum fünften Mal auf der SXSW und teilt über Twitter und anderen Kanäle seine Eindrücke von der weltweit größten Digitalkonferenz: in Text, Bild, Gifs oder 360°-Videos.

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