Angenehm unaufdringlich: Persil als Streitschlichter
Angenehm zurückhaltend kommt aus heutiger Sicht dieser Spot daher. Keiner schwenkt das Produkt in die Kamera, keiner brüllt den Slogan herum, niemand verspricht irgendwelche Wunderwerke. Schon fast beiläufig wird der Markenname Persil genannt. Im Mittelpunkt der kleinen Geschichte steht stattdessen das Geplänkel zwischen zwei Eheleuten. Sie angenervt vom kleckernden Ehemann, er erbost über ihre Meckerei. Das Produkt wird schließlich zum Streitschlichter. Es macht also nicht nur weiß, sondern auch weise.
Unaufdringlich war er, der erste TV-Spot im deutschen Fernsehen, der am 3. November 1956 im Bayerischen Rundfunk ausgestrahlt wurde. TV war noch kein Massenmedium, die theoretische Reichweite betrug damals nur 0,68 Millionen Haushalte. Doch schon damals erkannte Henkel die emotionale Wirkung des Mediums, die Macht von Humor und Testimonials, das streitende Ehepaar wurde von den beliebten Volksschauspielern Beppo Brem und Liesl Karlstadt gemimt. Die Szene wirkt immer noch authentisch, jeder hat so ein kleines Missgeschick schon mal erlebt, ein Schwank aus dem Leben der Menschen. Persil versprach nur eins: Das wird schon wieder, ist ja nur ein Fleck. Dafür lohnt sich kein Streit.
Heute muss Waschmittel deutlich mehr leisten: porentiefe Reinheit bieten, turbomäßig Flecken entfernen, hygienisch rein schon bei Niedrig-Temperaturen Bakterien killen, dabei duften wie ein Lavendelfeld, mit Geheimformeln die Leuchtkraft erhalten. Und das Ganze zusammengerührt aus nachwachsenden Rohstoffen. Vor 55 Jahren sprach es "Xaver" aus: "Persil. Und nichts anderes." Heute, mit dem Werbe-Beschuss auf allen Kanälen, reicht das leider nicht mehr.
Schobelt Redakteur







