Apollo sieht blind durch die rosa Brille
Diese Frau schwelgt in Luxus: In ihren bezaubernden Highheels führt sie ihre Freundinnen durch die weiträumige neue Wohnung: die tolle Küche, den begehbaren Kleiderschranken, die weitläufigen Schuhregale. Das wirkt fast wie ein Märchen oder zumindest ein bisschen wie "Sex and the City". Dann führt sie ihren verzückt glucksenden Freundinnen auch noch ihre Brillen-Kollektion vor - ein ganzer Laden voller Gestelle von Apollo-Optik. "Wow", flüstern diese pflichtschuldigst. Danach präsentiert das luxusverwöhnte Geschöpf auch noch die passenden Begleiter zum jeweiligen Brillenmodell - eine Handvoll gut gebauter und aussehender Kavaliere.
Mal ganz abgesehen davon, dass die gelackten Herren Begleiter irgendwo unglücklich eine Assoziation von "YMCA" aufkommen lassen, trübt noch etwas anderes die Perspektive aus der rosa Brille - die völlige Ironiefreiheit. "Sex and the city" funktioniert ja nur deswegen, weil sich die vier Hauptdarstellerinnen mit ihrem Glamour, Glitzer, Glucksen gern auch mal zum Gespött machen. Dann kann sich auch das graue Lieschen Müller identifizieren. Wird der opulente Luxus dagegen so ernst gemeint präsentiert, lässt sich Lieschen Müller abschrecken und traut sich nicht, auch nur ein Kassengestell bei Apollo zu kaufen.
Janotta Redakteur








