Deprimierter Noah: Nur ein Erdmännchen will sich retten. (Ausschnitt)
Deprimierter Noah: Nur ein Erdmännchen will sich retten. (Ausschnitt) © Foto:

| | von Frauke Schobelt

Bedrohte Tiere ohne Lobby: Die Mini-Arche von McCann

Die Arche Noah ist ein starkes Symbol für die Schwächen der Menschheit und die Gnade des Überlebens. Auch die Werbung nutzt das Jahrtausende alte Motiv gerne für ihre Zwecke - allerdings mit viel künstlerischer Freiheit: Young Directors schaffen einen modernen Helden für Hornbach, Axe nutzt die Arche als Frauenfalle vor dem Weltuntergang. Bei der Telekom spielen wenigstens Tiere mit, bei Mercedes dürfen Autos an Bord, bei Citroen schwimmt die Arche ohne Noah.

Jetzt gibt es ein Plakat mit der "kleinsten Arche der Welt". Der ernste Hintergrund des witzigen Motives: Die Kampagne der Stiftung Artenschutz will auf das rapide Artensterben auf diesem Planeten aufmerksam machen. Und das gelingt durchaus. Das Motiv, das die Frankfurter Agentur McCann entwarf, zeigt die Vorboten der Sintflut - dunkle Wolken ziehen auf, ein Sturm rollt heran. Noah sitzt aber nicht in einem gigantischen Schiff, sondern deprimiert in einem kleinen wackeligen Ruderboot und wartet auf die Tiere. Doch nur ein einziges Erdmännchen ist aufgetaucht, um sich zu retten. Sonst ist nur weite Steppe zu sehen, alle anderen Tiere scheinen bereits verloren. "Bis zu 25 Arten verschwinden täglich", verdeutlicht die Headline. Wenn das Artensterben nicht gestoppt wird, hat ein zukünftiger Noah also wenig zu tun, so die Warnung.

Die Stiftung Artenschutz ist eine Gemeinschafts-Initiative von 45 Zoologischen Gärten, Tierparks und Naturschutzorganisationen. Sie kämpft für das Überleben existenziell gefährdeter Tierarten, die keine Lobby haben. Denn Goldkopflanguren, Korallenschnabel-Hornvögel oder Annan-Schildkröten sind eben nicht so putzig wie Pandabären. Die in Münster ansässige Stiftung will Tierarten helfen, die auf der "Roten Liste" der Weltnaturschutzorganisation stehen, für die aber keiner spendet. Und dafür braucht sie Spenden.

Dabei soll das Motiv helfen, das als Outdoor-Plakat, aber auch als Anzeige in Magazinen geschaltet wird. Daniela Schrudde, Geschäftsführerin der Stiftung Artenschutz: "Ein solches Motiv sensibilisiert einmal mehr für dieses zu oft in Vergessenheit geratene Thema. Die Menschen sprechen darüber. Wir merken das in den Reaktionen."

Die Arche Noah ist ein starkes Bild. Es so zu verfremden, um für Artenschutz zu werben, ist vielleicht keine bahnbrechend neue Idee. Aber eine kreativ umgesetzte und hoffentlich wirksame.

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Bedrohte Tiere ohne Lobby: Die Mini-Arche von McCann

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