Ich sehe was, was du nicht siehst - dank Blind Spot Assist: Mercedes-Werbung (Ausschnitt).
Ich sehe was, was du nicht siehst - dank Blind Spot Assist: Mercedes-Werbung (Ausschnitt). © Foto:MB/JvM

| | von Susanne Herrmann

Jung von Matts Gold-Idee für Mercedes

Das halbe Bild ist eben nicht das ganze Bild. - Nun fragen Sie sich, trinken die in de Online-Redaktion von W&V schon mittags? Nein, meistens jedenfalls nicht. Die Rede ist von diesen Motiven, die wie ein Ganzes aussehen, aber eben doch nur die Hälfte zeigen. Dabei wurden die Porträtfotos nur ein klitzekleines bisschen bearbeitet: Der Picasso-Effekt der Bilder entsteht fast ausschließlich durch den Profilzuschnitt - im Gesicht wurde nur das Auge retuschiert und durch eine Aufnahme im Profil ersetzt. Beeindruckend, dass diese Kleinigkeit genügt, um einen derart überzeugenden und abgefahrenen Effekt zu erzielen.

So sehen wir nun auf den Motiven quasi so, wie wir im Seitenspiegel beim Autofahren sehen: Ob die Nebenspur frei ist - abgesehen vom toten Winkel, den nämlich sehen wir im Spiegel nicht. Diese Anzeigen von Jung von Matt stellen dieses vermeintlich komplette und eben doch unvollständige Bild dar, und das so gekonnt, dass sogar der Seitenblick als Bildaussage mit drinsteckt. Mercedes-Benz wirbt mit dieser Kampagne für sein Assistenzsystem "Blind Spot Assist" - das nämlich sieht, was des Fahrers Augen verborgen bleibt, oder mit anderen Worten: "Look to the side without looking to the side" (die Seite sehen, ohne zur Seite zu sehen).

Cannes-Motiv für Mercedes von Jung von Matt.

Cannes-Motiv für Mercedes von Jung von Matt.

Dass die Schlagzeile auf Englisch ist, liegt vermutlich daran, dass es sich um die Einreichung für das Festival in Cannes handelt: Die Motive sind außerdem bereits in einschlägigen internationalen Kreativblogs erschienen (der Kontakter berichtet darüber in der aktuellen Ausgabe vom 30. April).

Gold-Idee hin, Cannes her: Diese großartige Arbeit werden wir hoffentlich trotzdem bald auf vielen Plakaten sehen.

Kalkbrenner

Ergänzung: Zwar ähnelt ein Cover der Band Mia (ganz rechts) der Kampagne verblüffend. "Tacheles" ist seit März auf dem Markt, ebenso wie das Album "Suol Mates" (sci!) von Fritz Kalkbrenner, das genauso aussieht (rechts). Erstveröffentlichungsdatum der Mercedes-Kampagne ist aber mit Januar angegeben. So wird sich ein gegenseitiges Abgucken schwer nachvollziehen lassen; am Ende hat wohl einfach alle Künstler der große Picasso inspiriert. So wie den Künstler Jesús González Rodríguez, der seit 2008 mit solchen Bildern experimentiert und den Jung von Matt auch brav in den Credits aufführt (siehe unten). Der Agentur gebührt die Ehre, die Idee clever mit der Werbebotschaft verknüpft zu haben. Und das offenbar so gut, dass Mercedes seit ein paar Tagen auch in Kolumbien mit ähnlichen Motiven zu sehen ist - wenn auch handwerklich nicht so gut umgesetzt (übrigens von Ogilvy, Bogotá).

Im Stuttgarter Autokonzern Mercedes-Benz jedenfalls sind für obige Kampagne Marketingleiter Anders-Sundt Jensen und Lüder Fromm sowie Werbeleiter Damir Maric verantwortlich. Bei Jung von Matt stecken hinter dem Motiv die Kreativgeschäftsführer Jan Rexhausen und Dörte Spengler-Ahrens, CD Felix Fenz, die ADs Alexander Norvilas und Michael Hess, die Texter Andreas Hilbig und David Wegener. Künstler: Jesús González Rodríguez. Bildbearbeitung: Amina Warscheid, Marius Schwiegk. Fotografie: Klaus Merz. 

Motiv für Mercedes von Jung von Matt.

Motiv für Mercedes von Jung von Matt.

Motiv für Blind Spot Assist von Mercedes-Benz/Jung von Matt.

Motiv für Blind Spot Assist von Mercedes-Benz/Jung von Matt.

Jung von Matts Gold-Idee für Mercedes

Artikel bewerten

Vielen Dank, Ihre Bewertung wurde registriert!

Sie können leider nur einmal pro Seite bewerten.

Ihre Bewertung wurde geändert, vielen Dank!

Leserkommentar

Wir freuen uns über Ihre Kommentare.

* Pflichtfeld
** Pflichtfeld, wird nicht veröffentlicht