Kölner Karneval: Allen die (rote) Nase zeigen
Vielleicht sind wir Münchner einfach nur deswegen ein bisschen faschingsmufflig, weil uns die richtige Karnevals-Organisation fehlt: Der Fasching in München - der Stadt mit der niedrigsten Rosa-Perücke-pro-Kopf-Dichte Deutschlands - ist, mal abgesehen vom Faschingsdienstag, eher trostlos. Voller Neid blicken wir also in diesen Tagen hinüber zu den Kölnern, die ihren Rosenmontagsumzug als ein stadtumfassendes Ereignis feiern, alle mit ihrer Fröhlichkeit anstecken und jeden mit Kamelle bewerfen, der bei Drei nicht in der Kneipe ist.
Aber dieser dreieinhalbminütige Werbespot des Festkomitees des Kölner Karnevals (Agentur: Zum goldenen Hirschen) spaltet unsere Redaktion. Die einen finden es toll - weil überraschend - wenn das Durchgeknallte und Verrückte plötzlich getragen und gediegen daherkommt ("Die Menschen in Köln teilen etwas Besonderes"). Die anderen empfinden den Film als viel zu lang und fühlen sich an Clint Eastwoods "Steh-Auf-Detroit"-Spot vom vergangenen Super-Bowl erinnert: patriotisch, pathetisch und pausenfüllend - nur eben mit zahllosen roten Pappnasen, die zu Kaffeewerbemusik durch das Stadt- und Promileben ziehen.
Einig ist sich die Redaktion aber immerhin in einem. Kein Mensch braucht Werbung für den Karneval. Ein Karneval, der Werbung braucht, ist tot. Obwohl: so eine Imagekampagne für den Münchner Fasching... (aj/mw)
Janotta Redakteur







