Letzte Reise: Hauptsache billig
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| | von Susanne Herrmann

Letzte Reise: Hauptsache billig

"Die letzte Reise" nennen es Bestattungsinstitute und Sterbeversicherer gern, wenn sie vom Tod reden: Klar, ans Sterben mag eigentlich keiner gern denken, da tut so ein Euphemismus manchem recht gut, der mit "Reise" doch eher Entspannung, Ferne, Neues entdecken verbindet. Zumal so eine Beerdigung mitsamt Trauerfeier ordentlich Geld kostet und den traurigen Hinterbliebenen das Erbe dahinschmelzen lässt. Lumpen lassen will sich hier dann aber auch keiner.

Das ist bei Urlaubsflügen anders: Diese Reise darf gern toll sein und in exotische Gefilde führen, aber kosten soll sie am besten nichts. Besonders der Flug, von dem man ja außer Kreuzschmerzen und trockenen Augen nichts hat, der muss möglichst billig sein. Umso öfter kommen wir weg hier, und umso mehr Schadstoffe blasen wir in die Erdatmosphäre und verbrennen Energie, die irgendwann zur Neige geht - aber das ist ein anderes Thema. Die Urlaubsreise, auf die sparen wir immerhin das ganze Arbeitsjahr, und da geben wir das Geld dann doch lieber für Cocktails an der Poolbar und die Miete für den Leihwagen aus.

Also wird am Flug gespart, und hier hilft nach eigenen Angaben das Portal Billigflieger.de, das "immer die günstigsten Flüge findet". Im Anzeigenmotiv lernen wir, dass es sogar noch billiger geht: Beim vorgeschlagenen Urlaubsziel scheint es, das Pärchen hätte sich das Rückflugticket auch noch sparen können. Denn es steht offenbar auf der Speisekarte der sechs Haie, die sich heimtückisch von hinten nähern.

Wir spalten jetzt mal Haare mit der Nagelschere, weil es grad so gut läuft: Dass Haie an sich gar nicht gern Menschen fressen, wie es Kinoschocker nahelegen, ist inzwischen bekannt; dass Billigflieger.de nun die von der Ausrottung bedrohten Haie weiter gefährdet, weil verteufelt, lassen wir jetzt mal außen vor, hier geht es um Werbung. Aber dass das Unternehmen uns auch noch mit grotten-, pardon, lagunenschlechtem Handwerk quält, das ist zu viel: Hier in der offensichtlich maximal zwei (eher ein) Meter tiefen Lagune im kristallklaren Wasser sind die Schatten von Haien zu sehen und nicht der ganze Hai. Das muss wohl daran liegen, dass die Haie unsichtbar, aber nicht schattenlos knapp über der Wasseroberfläche dahinfliegen und eine neue Art des Luftangriffs testen. Oder handelt es sich gar um unsichtbare fliegende Fische?

"Immerhin hatten sie den billigsten Flug", suggeriert die Schlagzeile süffisant, dass das Pärchen eine Reise ohne Wiederkehr angetreten hat. Für die letzte Reise ist das selbst noch mit One-Way-Ticket zu teuer, weil irgendwer ja auch den Rücktransport bezahlen muss, sofern die zahnreihenbewehrten Monster etwas übrig lassen. Na, aber das Wetter war ja schön.

Wer einfach nur Urlaub machen will, der bevorzugt wohl eine gesunde Heimkehr - und wird im Leben nicht bei Billigflieger.de buchen.

Anzeigenmotiv von Billigflieger.de.

Anzeigenmotiv von Billigflieger.de.

Letzte Reise: Hauptsache billig

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