"Verrückte alte Tanten verdienen es zu sterben" - die Parole darf ja wohl nicht wahr sein! Ist sie nicht.
"Verrückte alte Tanten verdienen es zu sterben" - die Parole darf ja wohl nicht wahr sein! Ist sie nicht. © Foto:Lung Cancer Alliance

| | von Susanne Herrmann

Makabrer Weckruf: Lungenkrebs-Kampagne schlägt hin, wo es wehtut

Das ist wahrhaftig ein brutaler Schlag ins Gesicht: "Katzenliebhaber verdienen den Tod", heißt es da auf einem Plakat. Ein anderes verkündet: "Tätowierte verdienen den Tod." Kaum eine Bevölkerungsgruppe wird geschont, verrückte Tanten, trendbewusste "Hipsters", schöne Menschen mit guten Genen - sie alle, so verkündet die Werbung in US-Großstädten, "verdienen den Tod".

Die Agentur Laughlin Constable aus Wisconsin ist der Urheber dieser offenbar massiv diskriminierenden Aktion: Die Motive sind jedoch die erste Phase einer Kampagne der Lungenkrebsvereinigung USA, die im zweiten Schritt die eigentliche Nachricht bringen sollte: "Niemand verdient es zu sterben." Die Botschaft gegen Diskriminierung von Lungenkrebskranken hatte jedoch bei den Amerikanern nach dieser provokanten ersten Welle kaum noch eine Chance. Viele Plakate wurden von zornigen Bürgern abgerissen, berichtet das Branchenmagazin "Adweek".

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"Wir wussten, die Kampagne würde polarisieren", erklärte Strategiechefin Denise Kohnke von Laughlin Constable. Agentur und Kunde reagierten schnell und lösten das Rätsel früher auf als geplant. Auch ist die Botschaft nicht so fix zu vermitteln, weil recht komplex: Eigentlich wollte die Lungenkrebsvereinigung ja nur gegen die Stigmatisierung von Lungenkrebskranken vorgehen. "Viele denken, wenn einer Lungenkrebs hat, dann hat er etwas getan, womit er das verdient hat", heißt es auf der Webseite. Dieses Vorurteil habe man mit den provokanten Motiven anprangern und ad absurdum führen wollen, denn "Lungenkrebs macht keinen Unterschied zwischen den Menschen, das solltest du auch nicht tun".

Mit Diskriminierung gegen Diskriminierung vorzugehen, das ist äußerst brutal und tut weh - so wie Krebs, so wie Ausgrenzen kranker Menschen. Insofern ist die Aktion, bei aller Härte, keine geschmackliche Entgleisung, sondern ein nicht zu überhörender Weckruf, der dabei allerdings Schmerzgrenzen überschreitet. Manchmal sind vielleicht aber gerade diese drastischen Maßnahmen auch die wirksamen - zumal die Auflösung unmittelbar folgt.

Makabrer Weckruf: Lungenkrebs-Kampagne schlägt hin, wo es wehtut

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