Tom und Tommy oder: die doppelte Weihnachtsfamilie
Nackter Oberkörper, Skibrille: Tür auf und ab auf die Discoparty. Die Hilfigers, artifizielle Großfamilie, lassen es richtig krachen. Sie vermitteln, jeder hat hier Spaß nach seiner Fasson, alle grooven sich ein, egal ob im Bikini, im Strickpulli oder mit Anzug und Fliege. Langweilig wird Weihnachten hier nicht. Außer, der Basset zieht den Stecker.
Die Kampagne von Laird & Partners, New York, für die Mode von Tommy Hilfiger startet in Deutschland am 3. Dezember, läuft in den USA seit einigen Tagen und setzt die 2010er Kampagne mit der fiktiven Familie, den durch und durch amerikanischen Hilfigers, fort. (Im Herbst war das Motto "Daheim mit den Hilfigers").
Dann ist da aber noch dieser Film: Tom lehrt Tommy das Fürchten, und den Fernsehzuschauer gleich mit.
Ja, das ist nett, was Tom Tailor da bei Jung von Matt/Alster, Hamburg, bestellt und bekommen hat: Fest der Liebe, Knutsch-knutsch, verkleideter Hund, gähn. Geflegte Langeweile unterm festlichen Deckmantel, dazu Fahrstuhlmusik - und obwohl dieser Film ein paar Tage länger schon bei uns zu sehen ist: Auf Youtube kam Hilfiger zuerst. Nein, vier Tage Vorsprung reichen nicht, um hier laut "Plagiat" zu rufen! Dass aber schon der "Daheim sein im Herbst"-Spot von Tom Tailor eine ganz ähnliche Richtung einschlägt wie "Daheim mit den Hilfigers", macht uns zumindest ein bisschen stutzig. (Und der Hund. Aber klar, Tiere ziehen ja immer.)
Der eigentliche Vorwurf aber lautet: Wenn die Idee geklaut ist, dann ist sie schlecht geklaut! Tom und JvM sind schuldig. Schuldig der Langeweile. Schuldig der Austauschbarkeit. Schuldig des trallala Werbeeinerleis, das eindrucksvoll beweist, warum Werbung so einen schlechten Ruf hat unter normalen Menschen. Wo Tommy noch ein Augenzwinkern nachlegt, hat es sich Tom schon in der Resignation bequem gemacht.
Die Enttäuschung des Advents für uns. Dabei hängt die Latte da eh schon extrem niedrig.
Herrmann Redakteur







