Al Dente Entertainment | | von Frauke Schobelt

Wie "Bananen-Didi" die Welt der Imagefilme entlarvt

Wie sieht gelungene Eigenwerbung für einen Imagefilm-Dienstleister aus? Genau. Er dreht einen Imagefilm. Aber klugerweise nicht über sich selbst, sondern über eine Firma, von der man niemals einen solchen Aufwand erwarten würde. Die Münchner Produktionsfirma Al Dente Entertainment erwählte einen Obststand in der Nähe der Universität München, um einen hochprofessionellen, aber "völlig überhöhten Imagefilm" zu drehen. Das Resultat ist ziemlich lustig, sehr sympathisch - und sehr entlarvend. Denn "S' Lebn is a Freid!" zeigt sehr amüsant, mit welchen Mitteln - und vor allem Phrasen - Imagefilme arbeiten.

Was man sonst nur von Rügenwalder, Siemens und anderen Großkonzernen kennt, wendet Al Dente Entertainment auf den Obststand und seinen Betreiber - "Bananen-Didi" - an. Der rotwangige "Corporate Executive Officer" (CEO Obstand Didi) erläutert seine Unternehmensphilosophie im schönsten Münchnerisch. Dieter Schweiger versteht sich nicht nur als "Sales Manager", sondern auch als geschätzter Gesprächspartner für seine Kunden: "Denn zum Einkaffa kunntens zum Subbermarggd genauso renna." Was die Kunden bestätigen, die - im Fielmann-Stil - auch zu Wort kommen. 

Der professionelle Sprecher Christian Schult würzt das Ganze mit den üblichen Phrasen, die man aus Imagefilmen kennt: "Wir sind ein Familienunternehmen mit Tradition. Ein Unternehmen, das für Qualität, Leidenschaft und Nachhaltigkeit steht. Ein Unternehmen für die Kunden." Doch dann folgt nicht der Name einen Großkonzerns, sondern: "Wir - sind der Obststandl Didi". Köstlich.

Die Produkte werden von ihrer besten und appetitlichen Seite präsentiert, schließlich steht auch ein "ausgewogenes Portfolio" zur Verfügung - neben den Klassikern (Äpfel und Bananen) auch "zeitgemäße Innovationslösungen" (Papaya). Im Film lernen wir, dass sich "Bananen-Didi" in einem "kompetitiven Umfeld" ganz gut schlägt, sich als "Kompetenz- und Marktführer perfekt positioniert" hat. Auch ein Obststandbetreiber, der seine Produkte von den Weltmärkten bezieht, muss sich also den Herausforderungen der modernen Welt stellen und "lösungsorientiert" denken und handeln. "Bananen-Didi" versteht sich - an einem Apfel kauend - auf die "Individuelle Qualitätskontrolle" und schafft "effiziente Synergieeffekte". Wie "ganzheitlich, zuverlässig und zeitgemäß" seine Logistik ist, demonstriert Bananen-Didi beim Kistenschieben. Und auch das "Recruiting junger Talente" beherrscht er seit 30 Jahren.

Mit dem Film "S' Lebn is a Freid!" wollte Al Dente Entertainment "Die "Mutter aller Imagefilme" drehen. Das ist gelungen. Aus purem Spaß an der "Freid" habe sich die Produktionsfirma den Streifen geleistet, erklärt Peter Schels, Regisseur und Geschäftsführer gegenüber der "Süddeutschen Zeitung". Und dafür hat er einen ganz schönen Aufwand betrieben, wie sonst nur für Großkunden. Die Firma rollte also mit Kamera-Drohnen und -Kränen vor dem Obststandl an und arbeitete mit aufwendigen Lichtelementen. Eine Produktion in diesem Ausmaß würde gewöhnlich zwischen 30.000 und 50.000 Euro kosten, verriet Schels der "SZ". Mit dem Imagefilm habe er beweisen wollen, dass es erstens egal sei, wie viele Mitarbeiter ein Unternehmen habe, dass zweitens die Inhalte der meisten Unternehmensfilme komplett austauschbar seien und drittens allein die Glaubwürdigkeit der Menschen zähle.

Gesponsert wurde das Kunstprojekt von dem japanischen Objektivhersteller Sigma, der sich jetzt über den hohen Werbeeffekt freut. "Mit einem solchen Erfolg hätten wir nie gerechnet“, erklärt Marco Hahn, Geschäftsführer von Sigma Deutschland. Auch Peter Schels zeigt sich begeistert: „Wenn man sieht, wie häufig die Qualität der Bilder des Films in den Kommentaren besprochen wird, kann sich Sigma definitiv etwas darauf einbilden.“

Auch für Didi Schweiger hat sich das Projekt gelohnt, er freut sich über die neue Popularität: "Des i da Wahnsinn". Für ihre Arbeit hat Al Dente Entertainment in diesem Jahr den Deutschen Wirtschaftspreis gewonnen. Doch mehr Bekanntheit erlangt die Firma jetzt wohl dank Obststand Didi. Auf Youtube und Vimeo zählt der Film bereits mehr als 60.000 Klicks.

Wie "Bananen-Didi" die Welt der Imagefilme entlarvt

Artikel bewerten

Vielen Dank, Ihre Bewertung wurde registriert!

Sie können leider nur einmal pro Seite bewerten.

Ihre Bewertung wurde geändert, vielen Dank!

(5) Leserkommentare

Wir freuen uns über Ihre Kommentare.

* Pflichtfeld
** Pflichtfeld, wird nicht veröffentlicht