W&V Women Business Summit | | von Irmela Schwab

Frauen an die Macht

Regina Halmichs Stimme zittert als sie von der größten Niederlage ihres Lebens erzählt. Bei ihrem ersten WM-Kampf ging sie in der fünften Runde zu Boden. Unterm Auge floss Blut, "Bild" titelte: "Wollen wir das sehen?” Ein Total-K.O. für Halmich. Das Ende ihrer Karriere war es nicht. Es war der Anfang: “Zu scheitern gehört zum Erfolg dazu”, rief die Ex-Box-Weltmeisterin, den mehr als hundert Frauen auf dem W&V Women Business Summit in München zu. Was Erfolgreichen von nicht Erfolgreichen unterscheidet, sei nach der Niederlage wieder aufzustehen. Weiter zu machen. Den Mut haben an sich zu glauben. Denn wer an sich zweifelt, der verliert. Nur eines müssten die Frauen fürchten: überhaupt nicht gesehen und wahrgenommen zu werden.

Die eigene Karriere voranzutreiben, selbst Chancen zu schaffen und den eigenen Führungsstil zu finden: darum ging es bei der Konferenz, organisiert vom W&V Frauen-Netzwerk mit Unterstützung von Ströer und Miles & More. Um die eigene Sichtbarkeit zu erhöhen, stellte Regina Mehler, Gründerin der Women Speaker Foundation, vier Regeln vor: Ja sagen, wenn sich eine Chance auftut, Leidenschaft für sein Thema zeigen, den Auftritt auf der Bühne üben und zu netzwerken. In den Pausen zwischen den Konferenzen hatten die Teilnehmerinnen viel Gelegenheit dazu: Miles & More hat ein Speed-Dating organisiert, bei dem sich jeweils zwei Frauen für zwei Minuten kennenlernen konnten. Dann wurde gewechselt.

Dass Frauen meist nur in Positionen wie Personalwesen, Kommunikationen und Marketing Karriere machen, hat in erster Linie mit ihrer Ausbildung zu tun. So lautete das Fazit des Podiums “Was macht gute Führung aus.” Unter den Panelisten: Christian G. Hirsch, Partner Civitas International, und Elke Schneiderbanger, Geschäftsführerin ARD Sales & Services. In der HypoVereinsbank arbeitet daran Anne Gfrerer. Als Head of Corporate and Digital Reputation bei der Bank hat Gfrerer Initiativen wie Hackdays oder Coding-Workshops auf den Weg gebracht. 

Wie leicht man sich in einer CEO-Rolle wiederfinden kann, zeigte Freye Oehle. Unbeschwert von allen Diskussion rund um Frauenquote und der gläsernen Decke hat die 24-Jährige vor zwei Jahren einfach selbst gegründet. Damit zählt sie zu den neun Prozent Frauen, die in Deutschland ein eigenes Startup auf die Beine stellen. Die Initialzündung dazu hatte Oehle eines Nachts, bei der Taxifahrt von der Arbeit nach Hause. Nachdem Oehle den Fahrer wegen seiner nächtlichen Arbeitszeiten bemitleidet hatte, fragte der Fahrer, wann sie heute morgen angefangen hätte. Oehle, die einen Bachelor in Betriebswissenschaft hat und anschließend bei der Beratung McKinsey arbeitete, öffnete das die Augen. Im April 2013 gründete sie Spottster. Der Dienst benachrichtigt seine User, wenn ein Produkt billiger wird, an dem sie interessiert sind. “Von Coding habe ich bis heute keine Ahnung”, sagt sie selbstbewusst. "Dafür hab ich ja mein Team." 

Weibliche Rollen-Vorbilder hatte Oehle keine. Noch heute lassen sich Frauen in Top-Positionen der digitalen Wirtschaft an einer Hand abzählen. Wie Yahoo-CEO Marissa Mayer oder Facebook-COO Sheryl Sandberg, die das Frauen-Karriere-Buch “Lean in” geschrieben hat. Sandbergs Name fiel während des Tages häufig. Rebecca Swift, Director of Planning bei Getty Images in London, zeigte wie sich das Bild der Frau durch die von Sandberg gegründete Lean in-Initiative langsam ändert. Selbst bei Getty gibt es nun Lean in-Stockphotos. “Authentische interessante Frauen, die eine Geschichte zu erzählen haben.” Die Bilder werden von Unternehmen auch nachgefragt, ja. Zu den Top-Sellern gehören allerdings noch Bilder von Frauen, die Salat essen und sich dabei freuen. 

Florian Boitin, Chefredakteur beim Männermagazin "Playboy", glaubt, dass es solche idealisierten Bilder immer geben werde. “Es gibt viele Frauenbilder”, sagte Boitin. Der "Playboy" zeige zum Beispiel "nur starke Frauen", wie Boitin sagt. Er zählt auf: Simone Thomalla, Kati Witt - und da saß sie schon vor ihm im Publikum: Regina Halmich.

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