Christian Hagedorn, Westpress, sieht gute Chancen fĂŒr Print-Stellenanzeigen
Christian Hagedorn, Westpress, sieht gute Chancen fĂŒr Print-Stellenanzeigen © Foto:Martin Kroll

| | von Raoul Fischer

Die Renaissance der klassischen Anzeige

Die grĂ¶ĂŸte SchwĂ€che wird dabei zur StĂ€rke. Werden oft Streuverluste als stĂ€rkstes Argument gegen die klassische Print-Stellenanzeige ins Feld gefĂŒhrt, sehen manche Berater gerade hier eine StĂ€rke. „Streuverluste sind ein Vorteil mit Blick auf Employer Branding“, erklĂ€rt Christian Hagedorn, GeschĂ€ftsfĂŒhrer der Personal-Fachagentur Westpress. Eine Anzeige in einer Zeitung oder einem Fachmagazin sehen auch die Leser, die nicht aktiv nach einer neuen Stelle suchen, sondern nur den Markt scannen. Die Botschaft: Das Unternehmen kann neue Mitarbeiter einstellen, es geht ihm gut.

Ein weiterer Vorteil: Die klassische Stellenanzeige hat gute Chancen, auch die so genannten latent Wechselbereiten zu erreichen. Das basiert auf der Annahme, dass Job-Suchende, die eine Stellenbörse im Internet  oder die Karriere-Website eines Unternehmens besuchen, oder die sich gezielt  ĂŒber Social Media mit einem Unternehmen vernetzen, schon eine Entscheidung getroffen haben. „Wir haben viele Leser, die keinen Job suchen, aber dann ĂŒber die Print-Anzeige stolpern“, sagt JĂŒrgen Maukner, Gesamtanzeigenleiter der SĂŒddeutschen Zeitung.

Auch eine weitere vermeintliche SchwĂ€che von Print könnte zur StĂ€rke werden: Der Medienbruch. Die Hypothese: Die Tatsache, dass gerade im digitalen Bereich die Bewerbung immer leichter gemacht und die Schwelle herab gesetzt werde, verfĂŒhre dazu, auch ohne richtige Absichten in den Bewerbungsprozess einzutreten – „etwa, um den eigenen Marktwert zu testen“, so Westpress-Chef Hagedorn. Er geht davon aus, dass der Medienbruch im Bewerbungsprozess, die höhere Schwelle, diejenigen aussortiert, die es mit ihrer Bewerbung nicht so ernst meinen. Ein Aspekt, der die Flut der Bewerbung vermindern und die QualitĂ€t steigern könnte.

Wolfgang Achilles, GeschĂ€ftsfĂŒhrer der Jobbörse Jobware, sieht mit Blick auf die Selektion der Zielgruppe eine weitere StĂ€rke: „Wer ausgewiesene Fachleute sucht, findet gerade in den entsprechenden Fachzeitschriften genau das richtige Umfeld“, erklĂ€rt er. Auch Tageszeitung haben eine wichtige Selektionsfunktion: Regionale Tageszeitungen seien nach wie vor fĂŒr Jobs wichtig, bei deren Besetzung der Ort eine wichtige Rolle spiele, so Achilles. Die ĂŒberregionale Tageszeitung kann dagegen ihre StĂ€rke mit Blick auf gehobene Positionen ausspielen, Zielgruppen, die fĂŒr Personalmarketing-Verantwortliche schwierig sind, weil sie sich lieber finden lassen.

Am Ende kann man festhalten: Print lebt, aber in Kombination mit anderen KanĂ€len. In Zeiten der digitalen Vernetzung spielen Jobbörsen, Social-Media-Profile und gut gemachte Karriere-Seiten eine entscheidende Rolle im Personalmarketing. Westpress-Chef Hagedorn bringt das so auf den Punkt: „Die besten Mitarbeiter finden Unternehmen nur mit einem ausgewogenen Mediamix, der auf die Zielgruppen abgestimmt ist“, sagt er.

Die Renaissance der klassischen Anzeige

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